Auf eine Luxusmarke folgt die nächste

EINZELHANDEL ⋅ Am Schweizerhofquai war das Luxuslabel Hermès seit zehn Jahren eingemietet. Ende Oktober wird die Nobelmarke den Standort verlassen – weil das Mutterhaus ihr Vertriebskonzept geändert hat.
10. Oktober 2017, 05:00

Für einmal schliesst in der Stadt Luzern eine Nobelboutique nicht etwa mangels Umsatz oder horrender Mieten, sondern aus strategischen Überlegungen. Denn das Mutterhaus der Edelboutique Hermès am Schweizerhofquai hat ihr Vertriebskonzept geändert: Das französische Unternehmen mit Sitz in Paris will die Lokalitäten in Zukunft unter Eigenregie führen und nicht mehr durch Lizenzvergabe, erklärt Alexandra Rezzonico von der Embassy Jewel AG. Embassy Jewel ist die Mieterin der Räumlichkeiten am Schweizerhofquai und hat die Lokalität an Hermès weitervermietet, einem Einzelhändler für Kleidung, Taschen und anderen Accesoires.

Die Hermès-Boutique wird den Schweizerhofquai auf Ende Oktober verlassen. Rezzonico erklärt nun auf Anfrage, dass dann der Franchising-Vertrag auslaufe. Das Franchising-Modell funktioniert wie folgt: Der Geschäftsbetreiber übernimmt gegen Gebühr das Konzept und die Produkte des Franchisegebers. Dabei trägt er das Risiko und arbeitet auf eigene Rechnung. Dieses Konzept wollte Hermès nicht mehr weiterverfolgen. Wäre es nach Embassy gegangen, hätte das Unternehmen ruhig bleiben können. Doch der Entscheid wurde in Paris gefällt. Hermès war rund zehn Jahre an diesem Standort.

Düfte, Schmuck und Uhren

Geplant ist laut Alexandra Rezzonico, dort wieder eine Boutique im Luxussegment zu eröffnen. Welche Produkte es sein werden, will sie jedoch noch nicht genauer verraten, da noch keine Verträge unterschrieben seien. Ein Online-Inserat gibt jedoch Aufschluss darüber: Darin sucht die Firma im Namen von Van Cleef & Arpels einen Storemanager für den Standort Schweizerhof. Arbeitsbeginn ist Februar oder März 2018. Van Cleef & Arpels ist ein französisches Unternehmen, das auf Schmuck, Uhren und Düfte spezialisiert ist. Nach Genf und Zürich eröffnet die Marke in der Stadt Luzern ihre dritte Boutique in der Schweiz.

Damit dürfte das Geheimnis der Nachfolge von Hermès gelüftet sein. Bis der neue Mieter einzieht, kommt es am Schweizerhofquai zudem zu einer Zwischennutzung durch das Unternehmen Embassy selbst. Dies berichtet das Onlinemagazin «Zentralplus». Demnach will Embassy dort einen Pop-up-Store betreiben. Von Mitte November bis Ende dieses Jahres soll dort ein exklusiver Schmucksonderverkauf stattfinden. Das bestätigt auch ein weiteres Inserat von Embassy, in welchem das Unternehmen eine Verkaufspersönlichkeit für den Schweizerhofquai bis Ende Jahr sucht.

Eine Neuorientierung erfährt auch der Laden von Goldschmied Stutz am Schwanenplatz: Die Inhaber Irene und Peter Stutz gehen Ende Jahr in Pension, deshalb übernimmt das Geschäft ihr Schwiegersohn Philipp Stutz. Am ehemaligen Standort des Silberlädelis an der Gerbergasse 7, das ebenfalls dem Ehepaar Stutz gehört, haben sie unlängst eine Schmuckmacherei eröffnet. In der Luzerner Altstadt steht demnächst zudem ein weiterer Wechsel an: Im Februar wird der Herren Globus an der Kapellgasse 8 in die bereits eröffnete Globusfiliale am Falkenplatz – ehemals Schild – integriert. Mit diesem Umzug sind die 350 Quadratmeter an der Kapellgasse (auf drei Etagen) wieder zu mieten. Über die weiteren Pläne wird seitens der Hauseigentümer aber noch nichts kommuniziert.

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch


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