Auf reizvolle Weise den Spiegel vorgehalten

LUZERN ⋅ Mit «Die Wahrheit über das Lügen» zeigt das Theater Ecco Rondo eine Eigenproduktion. Darin lügen die Akteure, dass sich die Balken biegen – ein herrlicher Spass.
10. November 2017, 06:45

Im neuen Stück des jungen Luzerner Theaters Ecco Rondo steht das Thema Lügen im Zentrum. Regisseurin Lisa Bachmann sagt: «Für unsere 25. Produktion stand früh fest, dass wir uns diesem Thema widmen wollen. Dies war übrigens einige Zeit, bevor das Thema Fake News in die Schlagzeilen kam.» Doch dadurch erhält das Stück zusätzlich einen Bezug zur Aktualität.

Nachdem das Thema feststand, haben die neun Spielerinnen und Spieler viele Aspekte ihrer Figur selbst entwickeln können. «In einer ersten Phase fantasierten wir, in welche Richtung die Geschichte gehen kann. In diesem Findungsprozess sind alle gleichberechtigt, es werden Ideen gesammelt und Improvisationen gemacht», blickt Lisa Bachmann zurück. Um diese prägnanten Figuren herum entstand dann eine Geschichte, die von kurzen, in sich geschlossenen Szenen geprägt ist. Der eigent­liche Probebeginn fand nach den Sommerferien statt.

«Bestimmt haben Sie heute schon gelogen»

Die Premiere am Mittwochabend überzeugte durch eine fesselnde Geschichte um einen Professor, der anhand eines Dokumentationsfilms eine Vorlesung über die Typologie des Lügens hält. Der Wissenschafter beginnt sein Referat mit einer direkten Ansprache an seine Zuhörer: «Bestimmt haben Sie heute schon gelogen! Vielleicht ja bloss, um jemandem eine Freude zu machen. Denn dies ist der häufigste Grund, warum wir lügen!»

Die karge Bühne zeigt nur drei Baumstammrümpfe, als der Professor den «Film» startet. Das Publikum erlebt acht gecastete Teilnehmer, die zusammen in der Wildnis von Estland Camping­tage verbringen. Was zuerst wie ein cooles Pfadilager anmutet, entpuppt sich zunehmend als Reibungsfläche zwischen den vier Frauen und vier Männern. Die Alphatiere unter ihnen fechten ihre Kämpfe aus, während echte Tiere wie Zecken, Wildschweine und ein Bär zu Gefahren für alle werden. Der grösste Stolperstein ist aber jeweils der Bär, den sich die Campteilnehmer gegenseitig aufbinden. Diese Lügen werden vom Professor entlarvt und den Zuschauern vorgeführt. Er drückt die Fernbedienung und spult Szenen fast schon genüsslich zurück, um darauf hinzuweisen: «Schauen Sie auf die flackernden Augen, darin erkennen Sie, dass sie die Unwahrheit sagt.»

Starke Leistung der jungen Schauspieler

Die Charaktere der acht Campteilnehmer werden von den Spielern im Alter zwischen 17 und 24 Jahren eindrücklich zum Leben erweckt. Es ist ein faszinierender Genuss und auch oft ein herrlicher Spass, zuzusehen, wie der Mensch eben funktioniert. Das Stück hält einem auf reizvolle Weise den Spiegel vor. Der lange Schlussapplaus bewies, dass die Botschaft angekommen ist.

Yvonne Imbach

stadt@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Aufführungen: heute, 11., 17., 18.November um 20 Uhr. 12./19. November um 17 Uhr. Theater Pavillon Luzern. www.eccorondo.ch


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