Authentisch und erfolgreich

BIOSPHÄRE ENTLEBUCH ⋅ Die «Echt Entlebuch»-Produkte schaffen in der Region eine Wertschöpfung von 5,8 Millionen Franken. Laut Geschäftsleiter René Epp ist die Marke aber kein Selbstläufer.
08. August 2017, 05:00

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Ein rezenter Bergkäse, würziges Trockenfleisch oder Nudeln in allen möglichen Formen: Die Produktpalette des Labels «Echt Entlebuch» ist mittlerweile zu stattlicher Grösse gewachsen. Seit gut 16 Jahren ziert das Märkli die Verpackungen jener Produkte, welche ausschliesslich in der Biosphäre Entlebuch produziert worden sind. Das zahlt sich aus, wie zwei Studien der Universität St. Gallen sowie ETH Zürich und der Hochschule für Technik Rapperswil nun aufzeigen. Denn die Marke generiert in der Region eine Wertschöpfung von nicht weniger als 5,8 Millionen Franken pro Jahr (Ausgabe vom 28. Juli).

Dafür verantwortlich sind vor allem Lebensmittel wie die eingangs erwähnten. 2,8 Millionen Franken Wertschöpfung bringen sie mit sich. Ein Beispiel: Nach den strengen Richtlinien des Labels produziert ein Bauer Milch, verkauft diese an einen lokalen Käser, welcher daraus wiederum eine regionale Spezialität herstellt. Verkauft wird direkt ab Hof, in unzähligen kleinen Dorfläden und sogar in Filialen der Grosshändler Coop und Migros – bis in die Nordwest- und Ostschweiz.

Unter den 463 zertifizierten Artikeln finden sich keine Rohprodukte wie Milch oder Fleisch, sondern nur die verarbeiteten Endprodukte. «Die direkten Profiteure des Labels sind denn auch eher die Verarbeiter», sagt Florian Knaus, wissenschaftlicher Koordinator der Unesco-Biosphäre und Mitautor der ETH-Studie. «Aber auch die Bauern erhalten zum Beispiel für ihre Milch einen 10 bis 15 Prozent höheren Preis, wenn sie nach den Label-Vorschriften produzieren», weiss er. Da es sich um regionale Produkte handelt, sei der Kunde gemäss Studie auch dazu bereit, den höheren Preis zu bezahlen. Wie viele Arbeitsplätze durch das Label gesichert sind, kann man laut Knaus nicht eruieren, da viele der Produzenten nicht nur für die Marke «Echt Entlebuch» arbeiten. Die Wertschöpfung von 5,8 Millionen Franken entspreche aber etwa 66 Arbeitsplätzen.

Neben den Lebensmitteln setzt sich die Wertschöpfung noch aus der Forstwirtschaft und dem nachgelagerten Gewerbe zusammen. 3 Millionen Franken stammen aus diesem Gewerbezweig. Den Löwenanteil stemmt dabei der Verkauf des unverarbeiteten Rundholzes, das bei FSC-Zertifizierung automatisch das «Echt Entlebuch»-Label erhält. Im Unterschied zu den Lebensmitteln konnte das Label hier nur wenig neue Nachfrage und somit Umsatz generieren, so Knaus. Das Entlebucher Holz wird beispielsweise an lokale Zimmereien für den Bau verkauft, oder es wird zu Spänen zum Heizen weiterverarbeitet.

Ziel: Neue Regionen erschliessen

Doch was ist das Erfolgsrezept der «Echt Entlebuch»-Produkte? «Vertrauen und Kontinuität sind der Schlüssel zum Erfolg», sagt Florian Knaus. Seit Start des Labels im Jahr 2001 habe man stets den engen Kontakt zwischen den Produzenten und den Konsumenten oder Abnehmern gepflegt. So habe sich die Marke auch nicht von heute auf morgen etablieren können. «‹Echt Entlebuch› ist eine glaubwürdige Marke», sagt René Epp, Geschäftsleiter der Biosphäre Markt AG. Man könne nur verkaufen, was auch tatsächlich traditionsgemäss zur Region passe, «und nicht irgendein Massenprodukt», so Epp.

Dieses Bild möchte man gemeinsam mit dem Tourismus der Biosphäre gegen aussen vermitteln. Wichtig sei deshalb auch, dass das Label im Regal grosser Detailhändler zu sehen ist. Denn ein Selbstläufer sei eine regionale Marke nicht, sagt Epp. «Wir müssen unseren Platz immer wieder neu erkämpfen, etwa mit Promotionen an der Verkaufsfront, an Messen wie der Luga oder mit Präsenz am Luzerner Wochenmarkt.» In Zukunft möchte man die Marke deshalb in weiteren Regionen bekannter machen – und neue Produkte lancieren. Welche das sein werden, das möchte René Epp noch nicht verraten.


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