Bahnübergänge: Kriens sucht die Konfrontation

ZENTRALBAHN ⋅ Kriens wehrt sich gegen die Pläne aus Horw, einen Bahnübergang durch eine Unterführung zu ersetzen. Bei diesem Konflikt spielt auch eine alte Geschichte eine Rolle.
07. Oktober 2017, 08:42

Zwei Gemeinden, ein Bahnunternehmen – und drei Meinungen: Der Streit um die Bahnübergänge zwischen Kriens und Horw ist nach wie vor ungelöst. Zu unterschiedlich sind die Interessen, wie die Antwort des Krienser Gemeinderats auf ein Postulat von Cla Büchi (SP) zeigt. Doch wo liegt genau das Problem?

 

– Die Zentralbahn plant per 2021 eine Taktverdichtung zwischen Luzern und Horw. Dann soll zu Spitzenzeiten in beide Richtungen alle 7,5 Minuten ein Zug verkehren. Die beiden oberirdischen Bahnübergänge zwischen Kriens und Horw stellen für solche Taktfrequenzen ein Betriebshindernis dar. Die Zen­tralbahn ist bereit, für jede neue Unterführung, die einen Bahnübergang ersetzt, eine halbe Million Franken beizusteuern.

 

– In Horw stösst dieses Angebot auf offene Ohren. Die Gemeinde will nämlich nördlich des Bahnhofs eine neue Unterführung für Fussgänger und Velofahrer bauen. Da der Zustupf der Zentralbahn aber nur gilt, wenn gleichzeitig ein oberirdischer Bahnübergang aufgehoben wird, setzt sich der Gemeinderat für die Schliessung eines Übergangs ein: Aufgehoben werden soll entweder der Übergang Krienser-/Horwerstrasse oder derjenige an der Wegmattstrasse.

 

– In der Gemeinde Kriens will man davon wiederum gar nichts wissen. Der Krienser Bauvorsteher Matthias Senn hatte gegenüber unserer Zeitung bereits früher seine Skepsis über die Pläne aus Horw geäussert.

Kriens will beide Übergänge behalten

Jetzt doppelt der Gemeinderat in aller Deutlichkeit nach. In seiner Antwort auf Büchis Postulat erklärt der Gemeinderat, er wolle sich für die Beibehaltung beider Bahnübergänge einsetzen. Als Hauptargument dient ihm das Bevölkerungswachstum in den betroffenen Quartieren. Mit den Grossüberbauungen im Mattenhof, Nidfeld und Schweighof werden auch die Fussgänger- und ­Velofrequenzen stark ansteigen. Der Krienser Gemeinderat zitiert eine Studie, welche die Gemeinde Horw erstellt habe: Demnach werden in Zukunft jeden Tag 1700 Velofahrer und 3000 Fussgänger die Bahnlinie der Zentralbahn überqueren. Ein Drittel davon würde demzufolge allein auf den Niveauübergang Wegmatt­strasse fallen. Es wäre also falsch, diesen Übergang zu schliessen, so der Krienser Gemeinderat. «In Anbetracht der Kapazitätsgrenzen der Strasseninfrastruktur soll der Langsamverkehr gefördert und nicht eingeschränkt werden», schreibt er.

Auch eine neue Unterführung könnte den Wegfall dieser Querungen nicht kompensieren. Aus Krienser Sicht ist dies ­durchaus nachvollziehbar. Denn die beiden heutigen Niveauüber­gänge dienen vor allem den Bewohnern des Krienser Quartiers Kuonimatt, um Richtung Horw zu gelangen. Die von der Gemeinde Horw geplante neue Unterführung würde hingegen vor allem das Horwer Wegmattquartier besser ans Zentrum anbinden. Der Krienser Gemeinderat kann sich in diesem Zusammenhang einen Seitenhieb Richtung Horw nicht verkneifen: Man denke gar nicht daran, freiwillig auf einen Bahnübergang zu verzichten, nur damit Horw für seine Unterführung Geld von der Zentralbahn erhält. Schliesslich habe sich Horw ja auch geweigert, an den Veloweg Freigleis zwischen Luzern und Kriens zu zahlen, mit der Begründung, der Weg liege gar nicht auf Horwer Boden. (rk)


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