Velopolizist erzählt, was er auf Luzerns Strassen erlebt

LUZERN ⋅ Polizist Andres Gomez (36) ist im Gegensatz zu seinen Kollegen vom April bis Oktober nicht nur mit dem Polizeiauto, sondern auch mit dem Bike im Einsatz. Was er auf den Luzerner Strassen erlebt, erzählt er im Interview.
08. Oktober 2017, 07:54

Wie viele Kilometer sind Sie dieses Jahr mit Ihrem Bike schon im Einsatz gefahren?

So genau kann ich das nicht sagen. Es gibt Tage, da mache ich im Einsatz nur wenige Kilometer, an andern 25 bis 30. Pro Monat sind es sicher über 100 Kilometer. Es gibt aber keinen Wettbewerb unter den Bike-Polizisten, wer am Ende des Jahres am meisten Kilometer gefahren ist. Es ist nicht der Sinn der Bike-Police, möglichst viele Kilometer zu machen.

Warum fahren Sie in der Stadt Luzern eigentlich mit Bikes und nicht mit schnittigen Rennvelos herum?

Weil so ein Velo bei uns im Einsatz einiges aushalten und robust sein muss. Mit dem Bike können wir schlimmstenfalls bei einer Verfolgung auch über Treppen und andere Hindernisse fahren.

Das klingt spektakulär.

Das üben wir in Hindernisparcours in Bikeparks. Solche Sachen muss man im Einsatz in Fleisch und Blut haben. Man hat keine Zeit, darüber nachzudenken.

Welche Sorgen machen Ihnen die Luzerner Velofahrer?

Die Problemfelder sind immer die gleichen: Missachtung von Fahrverboten, Fahren auf dem Trottoir, Missachten des Vortritts von Fussgängern. Zudem stellt uns die gestiegene Anzahl der ­E-Bikes vor Herausforderungen. Die werden immer schneller. Dies geht auf Kosten der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer – inklusive dem Fahrer selber.

Wie sehen Ihre Einsätze aus?

Wir machen all das, was eine andere Einsatzpatrouille auch macht. Wir machen Verkehrskontrollen oder werden bei Diebstählen gerufen. Velodiebstähle sind bei uns ein grosses Thema und kommen in der Stadt häufiger vor, als man meint. Die Dunkelziffer dürfte sehr hoch sein.

Wer klaut denn diese Velos?

Das kann beispielsweise im Rahmen der Beschaffungskriminalität passieren oder durch organisierte Banden. Wem sein Velo am Herzen liegt, dem empfehle ich, beim Schloss nicht zu sparen und ein gutes Kettengliederschloss zu kaufen. Ich habe schon Täter erlebt, die haben ein dünneres Schloss unter zwei Sekunden geknackt.

Was soll ich machen, wenn mein Velo gestohlen wurde?

Unbedingt den Diebstahl bei der Polizei melden. Am besten hat man sich die Rahmennummer seines Velos bereits notiert und noch besser ein Bild des Velos gemacht. So können wir viel gezielter nach dem Velo suchen.

Wie reagieren Velofahrer bei Kontrollen auf Sie?

Erstaunlich gut. Sie sind weniger kontaktscheu als bei den Kollegen im Dienstauto. Wenn ich Velofahrern Bussen verteile, werden die in der Regel akzeptiert. Man ist irgendwie als Bike-Polizist einer von ihnen. Das spürt man.

Drücken Sie auch mal ein Auge bei den Velofahrern zu?

Im Rahmen unserer gesetzlichen Möglichkeiten ist der Spielraum relativ klein, damit wir uns nicht selber strafbar machen.

Wo kennen Sie kein Pardon?

Wenn jemand ohne Licht auf der Strasse fährt, kenne ich keine Kulanz. Das ist gefährlich.

Der Winter steht vor der Tür. Welche Tipps geben Sie Velofahrern, die in dieser Jahreszeit unterwegs sind?

Unbedingt auffällige oder reflektierende Kleider anziehen und möglichst keine dunklen Sachen tragen, damit man gut gesehen wird. Sicher die Bremsen überprüfen, ob sie gut funktionieren und dann nur bei guten Strassenverhältnissen unterwegs sein. Lieber einmal mehr den Bus nehmen, als etwas zu riskieren.

Interview: Andreas Bättig

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch


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