Berner Zahlen sorgen in Luzern für Verwirrung

SOZIALHILFE ⋅ Die neusten Erhebungen des Bundes zur sozialen Sicherheit lassen in Luzern aufhorchen: Bei den Flüchtlingen ist ein grosser Anstieg der Sozialhilfebezieher zu verzeichnen. Für den Kanton sind die Zahlen nur durch technische Faktoren erklärbar.
14. Januar 2018, 07:54

Der Anteil der im Kanton Luzern lebenden Flüchtlinge, die Sozialhilfe beziehen, ist stark ange­stiegen. Konkret lag er 2016 bei 78,2 Prozent, was einem Anstieg von 14,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gleichkommt. Kein anderer Kanton verzeichnete einen noch höheren Anstieg.

Wie lässt sich dieser enorme Zuwachs erklären? Was ist in Luzern geschehen? Das wollte auch der Kanton selbst wissen: «Uns sind diese Zahlen auch ins Auge gesprungen. Sie waren für uns zunächst nicht erklärbar», sagt Silvia Bolliger, Leiterin der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen. Es sei nicht so, dass sich die Bedingungen im Asyl- und Flüchtlingswesen in dieser Zeit verändert hätten. «Am Verteilschlüssel für die Zuweisungen hat sich beispielsweise nichts geändert.»

Was sich jedoch verändert hat, ist die Zuständigkeit für die Erhebung dieser Zahlen. War dies bis 2015 das Staatssekretariat für Migration, ist es nun das Bundesamt für Statistik (BFS). Dieses hat die Sozialhilfeempfänger in drei separaten Teilstatistiken erfasst. Unterschieden wird nach wirtschaftlicher Sozialhilfe, Sozialhilfe im Flüchtlingsbereich und Sozialhilfe im Asylbereich (siehe Box und Grafik). Letztere wurde zum ersten Mal so erfasst.

Uneinigkeit über«Erhebungseffekt»

In dieser Neuerung sieht der Kanton Luzern den Grund für den hohen Anstieg bei der Sozialhilfe im Flüchtlingsbereich. «Mit dieser neuen Erhebungsmethode ist klarer, welche Personen für die Statistiken zu zählen sind», sagt Silvia Bolliger. «Damit sind wahrscheinlich auch die grossen Unterschiede in den einzelnen Kantonen zu begründen.» Bolliger verweist etwa auf den Kanton Thurgau, wo gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 7,6 Prozent registriert wurde.

«Wir haben tatsächlich einen gewissen Effekt für den Kanton Luzern festgestellt, der auf die erstmalige Erhebung der Personen im Asylbereich zurückzuführen ist», sagt Marc Dubach, Sektionschef Sozialhilfe beim Bundesamt für Statistik. Die Dynamik im Asylbereich mit diversen Statusänderungen könne sich durchaus auf die Erhebungen auswirkt haben. «Gewisse Personen, die für die Statistik dem Flüchtlingsbereich zugeordnet werden, wurden früher eher dem Asylbereich zugeordnet und deshalb für die Statistik nicht geliefert.» Er hält aber fest: «In der gesamten Schweiz ist ein Anstieg feststellbar. Die erhöhte Quote in Luzern hat also durchaus einen reellen Anteil und ist nicht nur durch die erstmalige Erhebung im Asyl­bereich zu erklären.»

Im nationalen Vergleich schneidet Luzern trotz des starken Anstiegs der Sozialhilfequote im Flüchtlingsbereich gut ab: Die 78,2 Prozent sind der vierttiefste Wert der Schweiz (Durchschnitt: 85,8). Im Asylbereich belegt man mit einer Sozialhilfequote von 92,3 Prozent (Durchschnitt: 88,4), hingegen den fünften Platz.

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch


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