Beromünster erhält ein neues Quartier

BAUEN ⋅ Im Gebiet «Hinder Müli» sollen zirka 70 Wohnungen entstehen. Dabei muss der Denkmalschutz eingehalten werden. Für Diskussionen sorgen dürfte auch der Mehrverkehr.
Aktualisiert: 
18.07.2017, 10:00
18. Juli 2017, 04:38

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

 

In Beromünster soll eine Fläche von rund 14 800 Quadratmetern überbaut werden. Das entspricht in etwa zwei Fussballfeldern. Für die beiden Eigentümer Robert Stocker und Romano & Christen ­Management AG, Luzern, haben Dost Stadtentwicklung Luzern mit Bösch Landschaftsarchitektur für das Areal Hinder Müli/Sägerei ein gemeinsames Richtprojekt erarbeitet. Dieses liegt nun vor – zusammen mit dem Entwurf des Gestaltungsplans.

Auf drei bereits in der Bauzone liegenden Parzellen sollen zirka 70 Wohneinheiten und 2 Gemeinschaftsräume entstehen. Das neue Quartier umfasst zehn Gebäude. Begleitet wurden die Planungsarbeiten von Vertretern der kantonalen Denkmalpflege, der Gemeinde Beromünster und unabhängigen Fachleuten. Das Richtprojekt Hinder Müli orientiert sich an der historischen Dorfstruktur von Beromünster. Weiter integriert es die vorhandene Obstwiese als wichtigen Bestandteil des Konzepts.

Vier Baugruppen tragen Begebenheiten Rechnung

Bei der Bebauung mussten unterschiedliche Ansprüche mitberücksichtigt werden. Einerseits geht es darum, dass gewisse Gebäude erhalten und daher lediglich erneuert werden dürfen. ­Andererseits sind Ersatz- oder komplette Neubauten geplant. Auf diese Begebenheiten reagiert das Projekt mit vier Baugruppen.

Die Hofgruppe Müli umfasst die Mühle, das Wohnhaus sowie die Scheune und ihre Nebengebäude des stillgelegten Landwirtschaftsbetriebs. Die hier vom Richtprojekt definierten Dimensionen besagen beispielsweise, dass der Scheunenneubau als Quartierzentrum dienen soll und – nebst Wohnungen – auch Gemeinschaftsräume und Be­sucherparkplätze umfasst. Die Gebäudegruppe Sägerei besteht aus den Ersatzneubauten der heutigen Sägerei sowie des Lagers. Sie schafft die Verbindung zu der durch Beromünster fliessenden Wyna und bietet mit ihrer Struktur einen optisch passenden Zugang zum Stiftbereich. Der vorgesehene Ersatzbau des heutigen Wohnhauses Beroblick wird durch ein weiteres Wohn­gebäude ergänzt. Die Berowiese umfasst vier neue Bauobjekte. Im Zentrum dieser liegt die gemeinschaftliche Obstwiese mit Spielplätzen und Aufenthaltsflächen. Das Areal soll in Etappen überbaut werden. «Priorität haben die Hofgruppe Müli und die Berowiese», sagt Raumplaner Hans­ueli Remund, der den Prozess begleitete. Eigentümerin dieser beiden Grundstücke ist Romano & Christen Management AG.

Das Wohnungsangebot erstreckt sich von Studios über 2?- bis hin zu 5?-Zimmer-Einheiten. Bei den maximal dreistöckigen Bauten sind auch Dachwohnungen vorgesehen. Das oberirdische Parken von Fahrzeugen soll möglichst vermieden werden. Daher sind nur wenige Besucherplätze geplant. Für die Bewohner entstehen zwei Einstellhallen. Sie verbinden die Siedlung unterirdisch.

Die westlich des Sägereibetriebes fliessende Wyna verlangte Abklärungen bei den kantonalen Dienststellen – hauptsächlich in Bezug auf Gewässerabstände. Die Verhandlungsergebnisse besagen: «Die notwendigen gewässerschutz- und wasserbaurechtlichen Ausnahmebewilligungen für die Ersatzbauten im Bachuferbereich können in Aussicht gestellt werden.» Vorbehalten bleiben allfällige Einwände anderer Dienst- und Fachstellen im Rahmen des ordentlichen Baubewilligungsverfahrens.

Gebiet muss mit gewissem Mehrverkehr rechnen

Aktuell liegen die Unterlagen zum Richtprojekt und der Entwurf des Gestaltungsplans bei der Gemeinde Beromünster zur Einsicht auf. Das Mitwirkungsverfahren dauert noch bis Ende Juli. Dann wird das Begleitgremium die Eingaben prüfen. Soweit möglich, sollen diese berücksichtigt werden. Nach den Projektanpassungen entscheidet der Gemeinderat über den Zeitpunkt der öffentlichen Auflage. Remund rechnet damit für Spätherbst 2017.

Das vorliegende Projekt beurteilt er als «sehr gut». Der einzige Kritikpunkt bei der Orientierungsversammlung sei die Erschliessung gewesen. Aufgrund der umliegend bereits bestehenden Wohnquartiere ohne Verbindungsmöglichkeiten zum Areal Hinder Müli bleibt die heutige Zufahrt auch für die Neuüberbauung die einzige noch offene Verbindung. In dem Zusammenhang ist auch klar: Das Gebiet Hinder Müli/Sägerei muss durch die Bebauung mit einem gewissen Mehrverkehr rechnen.

Mit den ersten Baubewilligungen wird für 2019 gerechnet. Der ersten Wohnungen sollen dann im Jahr 2020 oder 2021 bezogen werden können.


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