Bund lehnt Bau des Tiefbahnhofs in Etappen ab

LUZERN ⋅ Der Bundesrat tritt beim Luzerner Durchgangsbahnhof auf die Bremse: Eine Etappierung kommt für ihn nicht in Frage. Unterstützung für das Jahrhundertbauwerk kündigt dafür das Gotthard-Komitee an.
02. September 2017, 05:00

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Nicht zum ersten Mal kommen aus Bundesbern verhaltene Signale über den Luzerner Durchgangsbahnhof. Auf eine Interpellation von Ständerat Damian Müller (FDP) schreibt der Bundesrat: «Der Bund hat die von der Zentralschweizer Regierungskonferenz eingereichten Anträge für den Ausbauschritt 2030/35 geprüft, unter anderem auch die Etappierung des Durchgangsbahnhofs Luzern. Im Fazit wird eine Etappierung schlechter beurteilt als eine gesamtheitliche Realisierung. Aus nationaler Sicht weisen zudem andere Projekte ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis und eine höhere Dringlichkeit zur Beseitigung von Überlasten auf.»

Die Kritik am Kosten-Nutzen-Verhältnis ist schon länger bekannt. Neu in dieser Deutlichkeit ist, dass der Bund von anderen Projekten spricht, die dringender zu realisieren seien.

Damian Müller «nicht glücklich»

Konsterniert reagiert der Hitz­kircher Damian Müller auf die Nachricht: «Ich bin natürlich nicht glücklich über diese Antwort. Im nächsten Ausbauschritt muss der Durchgangsbahnhof enthalten sein. Nur das gibt uns auch die Grundlage für eine Vorfinanzierung.»

Dass der Bundesrat offenbar keine Rücksicht auf regionale Bedürfnisse nimmt, stösst Müller sauer auf. Auch im Hinblick auf die parlamentarischen Beratungen, die naturgemäss im Kampf um Bundesgelder stets regional geprägt sind – wie etwa im Vorfeld zur Fabi-Vorlage. «Natürlich müssen regionale Bedürfnisse angemessen berücksichtigt werden, auch jene der Innerschweiz», so Müller. Der Kanton Luzern und die Zentralschweiz hätten eine Mobilitätsstrategie, die Luzern mit dem Durchgangsbahnhof als Verkehrsknoten im Schienennetz als nationale Drehscheibe positioniert. «Nur dann können wir in der Zukunft den Verkehr auch bewältigen.»

Kämpferisch äussert sich der zuständige Luzerner Regierungsrat, Baudirektor Robert Küng (FDP). «Wir fordern vom Bund, die Projektierung des Durchgangsbahnhofs sofort auszulösen – wie im bereits verabschiedeten Ausbauschritt 2025 explizit vorgesehen.» Der Bund soll dabei auch die Planung des Zimmerberg-Basistunnels 2 auslösen. Dieser soll zwischen Thalwil und Zug die Kapazitäten erhöhen. Drittens müsse der Bund die Vorfinanzierung der Projekte zulassen. «Das erhöht nicht nur die Planungssicherheit, sondern auch den Handlungsspielraum.»

Mit Blick auf den Fokus des Bundesrats meint der Regierungsrat, man könne zwar nachvollziehen, dass der Bund im kommenden Ausbauschritt prioritär Überlast abbauen wolle. «Nur: Der Bahnhof Luzern ist der letzte grosse Sackbahnhof der Schweiz und über 120-jährig. Er genügt den heutigen Anforderungen nicht mehr – schon gar nicht vermag er die rasant steigende Nachfrage zu bewältigen.»

Der Bund habe hierfür Verständnis signalisiert. Hinzu komme: Luzerns mittel- und langfristige Mobilitätsstrategie richtet sich auf den Durchgangsbahnhof aus. Küng: «Insofern spielen ­regionale Bedürfnisse für den Raum Luzern eine grosse Rolle.»

Zimmerberg: Lightversion kommt schlecht weg

Stichwort Zimmerbergtunnel. Hier stand auch eine Lightvariante im Vordergrund. Anders als der Begriff vermuten lässt, dürfte die Lightvariante aber nicht günstiger werden als der Vollausbau, wie der Bundesrat schreibt. Zudem würden weitere Ausbaumöglichkeiten Richtung Luzern und Gotthard-Basistunnel verunmöglicht. Deshalb stehe für das federführende Bundesamt für Verkehr das grössere Projekt, der Zimmerberg-Basistunnel 2, im Vordergrund.

Sowohl Damian Müller als auch Robert Küng begrüssen diesen Entscheid. Müller: «Ziel ist, dass der Zimmerberg-Basistunnel 2 sowie der Durchgangsbahnhof in der Botschaft verankert sind. Nach dem heutigen Wissensstand beträgt die Planungsphase für den Durchgangsbahnhof rund 10, die Bauzeit rund 15 Jahre. Der Bund muss mit der Planung beginnen.»

Diesbezüglich kann Luzern auf Unterstützung des Gotthard-Komitees hoffen. Dieses vertritt die Interessen jener Hälfte der Kantone, die einen Bezug zur Hauptachse durch die Alpen haben – von Basel und Schaffhausen im Norden bis zum Tessin im Süden. An der Generalversammlung des Komitees vom 21. August wurde eine Idee vorgestellt, bei welcher der Durchgangsbahnhof eine zentrale Rolle spielt, wie die NZZ kürzlich berichtete. Das Konzept hat das Ziel, die Fahrzeiten zwischen den Hauptzentren benachbarter Regionen auf unter eine Stunde zu drücken – wie es auch im Konzept Bahn 2000 proklamiert wurde. Noch steht die offizielle Stellungnahme zum Ausbauschritt 2030/35 des Gotthard-Komitees aus.


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