Christoph Blocher lobt seine Parteikollegen aus Luzern

JUBILÄUM ⋅ Vor 25 Jahren wurde die SVP-Sektion im Kanton Luzern gegründet. Am Jubiläumsanlass, der gestern im KKL über die Bühne ging, referierte auch alt Bundesrat Christoph Blocher. Es zeigte sich, dass er nicht nur Politiker, sondern auch Entertainer ist.
20. Mai 2017, 19:15

Die Reden von Politikern haben oft etwas Einschläferndes. Nicht so, wenn alt Bundesrat Christoph Blocher die Bühne betritt. Der 76-Jährige verfügt zwar nicht über die geschliffene Eloquenz des verstorbenen Helmut Schmidts. Aber Blocher ist nicht nur ein Mann mit einem ausgeprägt guten politischen Instinkt, grossem Fachwissen und enormer Beharrlichkeit – der Zürcher ist auch ein top Unterhalter, quasi der Elvis Presley der Schweizer Politszene.

Auch seine gestrige Rede im KKL vor den Luzerner SVP-Vertreterinnen und -Vertretern war gespickt mit Anekdoten, bildhaften Vergleichen oder Zitaten. Wie jenem etwa von Gottfried Keller, der gesagt haben soll, Misstrauen gegenüber dem Staat sei Bürgerpflicht.

In seinem Referat nahm der SVP-Stratege auch Bezug auf einen Artikel, der jüngst im «Tages-Anzeiger» publiziert wurde. Darin heisst es im Kontext zum Ende des Kalten Krieges unter anderem: «Plötzlich suchten die alten bürgerlichen Parteien den Aufbruch nach Europa – nur Blocher bewegte sich nicht.» Und dieses Nicht-Bewegen der Schweizer Politik nach Brüssel ist nach wie vor das Kernanliegen des Herrlibergers. Längst im Pensionsalter setzt er sich mit grösstem Engagement dafür ein, dass die Schweiz nie ein institutionelles Rahmenabkommen mit der EU unterzeichnen wird. Blocher spricht in diesem Zusammenhang von «einem EWR im Quadrat».

Schon fast an einen Boxtrainer gemahnend, machte Blocher in seiner Ansprache den anwesenden Luzerner SVP-Politikern Mut, die Angriffe der politischen Gegner auszuhalten. Angriffe seien, so Blocher, «ein Zeichen dafür, dass man respektiert wird». Für die SVP-Luzern, die 2015 einen Wähleranteil von 24,1 Prozent erreichte, fand Christoph Blocher nur lobende Worte. Die Luzerner Sektion hat sich ganz nach dem Gusto des Zürchers entwickelt.

 

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch


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