Darum liebte Polo Hofer Luzern

MUSIK ⋅ Der Mundartrocker fühlte sich mit Luzern eng verbunden: In keinem Lokal ist er so oft aufgetreten wie im «Stadtkeller». Und im «Rebstock» hatte er eine Lieblingssuite. Ehemalige Weggefährten erinnern sich.
25. Juli 2017, 18:21

Roger Rüegger und Yasmin Kunz
kanton@luzernerzeitung.ch

Am Samstag ist die Stimme von Rockmusiker Polo Hofer für immer verstummt. Der Sänger erlag seinem Krebsleiden (Ausgabe von gestern). Auch in Luzern ist die Trauer über Polos Tod riesig, denn hier hatte er besonders viele Fans. Nirgends ist er in den letzten Jahrzehnten öfter aufgetreten als im Luzerner «Stadtkeller». Wie viele Konzerte er hier genau gab, bleibt unklar. Die Rede ist von über 130 Auftritten. Je nach Quelle sind es sogar 172 oder auch 180. So oder so ein eindrücklicher Rekord! Zum ersten Mal stand Polo Hofer im November 1981 auf der Bühne des «Stadtkellers». Bemerkenswert waren kurz darauf die Konzerte am Schmutzigen Donnerstag, an Güdismontag sowie Güdisdienstag zum «Fasnachts-Fäscht» im Jahr 1982. Danach sollte die Reihe seiner Auftritte im «Stadtkeller» während Jahrzehnten nicht mehr abreissen. 

Kein Wunder hatte das Lokal für Polo einen ganz besonderen Stellenwert. In einem Interview mit unserer Zeitung hob er einst die Nähe zum Publikum, die Club-Atmosphäre und die ausserordentlich nette Betreuung hervor. Am 2. November 2014 rockte er dort zum letzten Mal. Zum tatsächlich letzten Mal, muss man präzisieren. Denn während mehrerer Jahre hatte Polo zuvor immer wieder einen «letzten Auftritt» angekündigt und durchgeführt. «Das war damals schon fast Programm», erinnert sich Alois Keiser, der den «Stadtkeller» von 2005 bis 2012 führte und seit 2014 wieder im Hause ist. 

In anderen Belangen dagegen habe man bei Hofer stets gewusst, was Sache sei, sagt Keiser. Zum Beispiel habe der Küchenchef immer einen Küngel an Rotweinsosse gekocht, weil Hofer diesen so sehr liebte. Dazu habe sich der Künstler stets einen guten Bordeaux gegönnt. 

In der Suite stand stets ein Bordeaux bereit

Polo Hofer war eben ein Genussmensch. Das weiss auch Claudia Moser, die als ehemalige Chefin des Hotels Rebstock um einen guten Freund trauert. Während seiner Besuche in der Stadt Luzern residierte er immer im «Rebstock». Claudia Moser hatte das Lokal am Fuss der Hofkirche 1980 übernommen und danach während 28 Jahren geführt. Polo Hofer allerdings hatte sie schon in den Siebzigerjahren kennen gelernt – und zwar noch in Bern, wo sie das Hotel Goldener Schlüssel führte. Schon dort war der Mundartrocker ein oft gesehener Gast gewesen. «Es lag also auf der Hand, dass Polo während seiner Luzerner Aufenthalte bei mir im Hotel Rebstock wohnte», sagt sie. «Dabei hatte er immer das gleiche Zimmer. Und zwar jenes mit Blick auf den See, die Rigi und den Pilatus.» Hofers Vorliebe für Bordeaux ist auch Claudia Moser präsent: Es sei wichtig gewesen, dass in seiner Suite stets eine Flasche bereitgestanden sei. Nach den Konzerten habe man noch bis in die frühen Morgenstunden an der Bar gesessen, geplaudert und philosophiert. «Frühstück gab es dann jeweils erst nach dem Mittag», fügt Moser an. Entgegen der Annahme, dass der Rocker auch mal über die Stränge schlug, sagt sie: «Die Besuche liefen immer gesittet ab.» Hofer habe auch keine Starallüren gehabt und sei ein «problemloser Gast» gewesen. Obwohl Polo mit nur 72 Jahren gestorben sei, habe er nichts verpasst, glaubt Moser und ergänzt: «Er war ein angenehmer Lebemann, hat gerne ein gutes Glas Wein getrunken und war betreffend Essen ein Feinschmecker. Er hat sein Leben genossen.»

Zurück zum «Stadtkeller»: Vor Alois Keiser war Walter Vollmeier hier Gastgeber, und dies während langen Jahren zwischen 1981 und 2005. Kein Wunder hat auch er mannigfaltige Erinnerungen an Polo Hofer – zumal Vollmeier es war, der zusammen mit Franz Bachmann den Mundartrocker zum ersten Mal nach Luzern holte. Vollmeier weiss, dass die langjährige Zusammenarbeit auch für den «Stadtkeller» von grossem Nutzen war: «Ohne Polo wäre das Lokal nicht, was es heute ist. In all den Jahren haben ihn wohl um die 60 000 Leute hier gesehen. Mit dem ‹Stadtkeller›-Publikum hätte er also sechsmal das Hallenstadion gefüllt.» Polo sei ein wunderbar charismatischer Sänger gewesen, ein grosser Erzähler auch mit einem ausgesprochen grossen Allgemeinwissen, versichert Vollmeier und erinnert sich an einen ganz speziellen Moment: An einem Konzert habe Hofer allen Besuchern rote Clownnasen verteilt und auch selber eine aufgesetzt. «Danach offerierte Polo den 350 Konzertbesuchern eine Runde – und brachte mich damit ganz schön in Schwierigkeiten.»

Auch in der Schüür trat Polo auf

Auch im KKL und in der Schüür trat Polo Hofer unter anderem auf. Thomas «Gisi» Gisler, langjähriger Geschäftsführer der Schüür, hatte Polo Hofer zweimal engagiert und erinnert sich besonders an einen Moment: «Ich habe vergessen, im Backstage einen Zapfenzieher zu deponieren.» Polo habe ihn deshalb scherzhaft etwas aufgezogen. Als Gisler sich dafür entschuldigte und einen Korkenzieher besorgen wollte, habe Polo zu ihm gesagt: «Schon gut, ich habe immer einen eigenen dabei.»

Der Berner Sänger und Mundartpionier Polo Hofer ist tot. Er erlag 72-jährig einem Krebsleiden.

Video: Die Schweiz nimmt Abschied von Polo Hofer

Der Berner Mundart-Sänger Polo Hofer ist tot. Bekannt wurde Hofer durch Hits wie «Alperose», «Kiosk» oder «Giggerig». Mit 72 Jahren starb er am Samstagabend in Oberhofen am Thunersee im Kanton Bern. «Tschou zämä, es isch schön gsy!» heisst es in der selbst verfassten Todesanzeige. (SDA/Laura Zimmermann, 25. Juli 2017)




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