Das Dorf der Goldsucher feiert sich mit einem Buch

HERGISWIL ⋅ Damals und heute Hort der Goldsucher und Kräutersammler, feiert Hergiswil bei Willisau heuer seinen 800. Geburtstag. Zum Ende des Jubiläumsjahres erscheint eine umfangreiche Dokumentation.
04. Dezember 2017, 08:18

Von der ersten Erwähnung von «Hergiswile» im Klosterbuch Einsiedeln 1217 bis zum Jubiläumsbuch, das die Autoren und Redaktoren Hermenegild Heuberger, Peter Schwegler und Klaus Zihlmann heute Abend in der Steinacherhalle präsentieren, vergingen genau 800 Jahre. «Hergiswil bei Willisau. Das Goldsuecher- und Kräuterdorf am Napf» handelt davon, wie sich die Gemeinde (kirchen-) politisch, touristisch und landwirtschaftlich entwickelte, welche Figuren und Persönlichkeiten sie hervorbrachte und wie das Image als Goldsucher- und Kräuterdorf entstand. Es ist 396 Seiten stark, mit Beiträgen von mehr als 20 Autoren und über 500 historischen und aktuellen Bildern versehen.

Als «Höhepunkt des Jubiläumsjahres» bezeichnet Gemeindepräsident Urs Kiener (CVP) das Werk, auf das man in der Gemeinde bei vielen Anlässen das ganze Jahr über hingewiesen habe. «Es ist ein Glücksfall, dass wir gleich drei solch kompetente Persönlichkeiten haben, die ihr reiches Wissen mit uns teilen.» Illustrator und Buchgestalter Heuberger, der ehemalige Schulleiter Schwegler und der vormalige Gemeindeschreiber Zihlmann hätten ein «gewaltiges Zeitdokument geschaffen, das über Hergiswil hinausstrahlen wird», zeigt sich Kiener, der sich auch mit eigenen Beiträgen beteiligte, hocherfreut.

Über die Inhalte haben sich die Herausgeber bis heute ausgeschwiegen, nun gewähren sie einen kleinen Einblick in ihr Schaffen, das die jahrhundertealte ­Geschichte der Gemeinde zum Leben erweckt.

Deutlich wird in dieser Dokumentation, dass in dieser Zeit nicht nur viel Wasser die Enziwigger hinabfloss, sondern auch ordentliche Mengen an Napfgold, das in Hergiswil – neben dem Kräuterreichtum – nach wie vor Identität und touristischen Mehrwert stiftet.

Vom Profi-Goldwäscher zum Touristen-Guide

Nach Napfgold wird vermutlich seit der Kelten- und Römerzeit gesucht, schreiben die Autoren. Gesicherte Aufzeichnungen über Goldabbau im Kanton Luzern in der Emme, Wiggere und der Luthern gibt es aber erst aus dem Mittelalter. «Den staatlichen Rechnungsbüchern ist zu entnehmen, dass sich der Gesamtertrag der luzernischen Goldproduktion von 1523 bis 1800 auf insgesamt 31,41 Kilogramm belief», schreibt Franz Wermelinger. Das Gold aus dem Hinterland galt dabei als besonders rein, und so wurde es in der luzernischen Schatzkammer ab 1767 separat vom Gold aus der Emme ausgewiesen.

Auch weil sich die Erträge schliesslich doch in Grenzen hielten, stellte man gegen 1860 das berufsmässige Goldwaschen an der Wigger ein. Zwar gab es Pläne, ein Bergwerk zum Goldabbau einzurichten, die aber nie realisiert wurden.

Die professionelle Goldschürferei wurde schliesslich von einer touristischen Variante abgelöst. Den Goldwäschertourismus zum Blühen brachte ein Quartett um Toni Obertüfer. «Versicherungsfachmann Toni Obertüfer fand es interessanter, Gold zu waschen, als Versicherungen abzuschliessen, und wurde professioneller Goldwäscher», erzählt Wermelinger in seinem Beitrag. Wermelinger notabene war selbst Mitglied besagten Quartetts, das um 1980 erste Flitterchen fand und sein Wissen bis heute weitergibt.

Grosse Bedeutung für das Goldwäscherquartett, das Dorf, ja über die Region hinaus hatte zweifellos das Theater «D Goldsuecher am Napf», das auf der Geschichte von Josef Zihlmann – besser bekannt als «Seppi a de Wiggere» – beruht und im Gasthof zum Löwen im Jahr 1979 uraufgeführt wurde. Der Bezug auf das Theaterstück – zu dem auch eine Ausstellung zur Goldwäscherei gehörte – zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch.

Zwar ist auch in Hergiswil nicht alles Napfgold, was glänzt, aber doch lässt sich vieles darauf beziehen: Sagenerzählerin Maria Kunz-Hodel, eine von vielen porträtierten Aushängeschildern, spielte selbst darin mit, auch ihre Sagen handeln mitunter von Goldschätzen. Gar unter den berühmten Kräutern vom Napf wird eines in grossen Mengen angebaut und trägt das Edelmetall in seinem Namen: die Goldmelisse.

Mit dem Buch möchten die Autoren «ein Stück Heimat vermitteln», wie Hermenegild Heuberger stellvertretend für die Macher sagt. Diese Heimat zählte um 1590 in der Gemeinde noch 22 Feuerstätten – heute würde man sie als Haushaltungen bezeichnen. Die hätten locker im Gemeindehaus Platz gehabt, in dem die Vernissage heute Abend um 19.30 Uhr ursprünglich hätte stattfinden sollen. Doch inzwischen leben in Hergiswil knapp über 1900 Einwohner, und viele haben ihr Interesse am Buch angemeldet. So hat der Gemeinderat die Veranstaltung kurzerhand in die Steinacherhalle verlegt. Wenn auch dort der Platz nicht reichen sollte, dann ist das nur halb so schlimm: Jeder Interessierte kann es ab sofort auf der Gemeinde erwerben.

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Hinweis

An der Vernissage kann das Buch «Hergiswil bei Willisau. Das Goldsuecher- und Kräuterdorf am Napf» noch zum Subskriptionspreis von 35 Franken erworben werden. Danach gilt der ordentliche Verkaufspreis (39 Franken, falls auf der Gemeinde abgeholt, oder 49 Franken, falls bestellt und nach Hause geliefert).


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