Yvonne Schärli: «Das Kämpfen lohnt sich hier»

CARITAS ⋅ Yvonne Schärli wurde am gestrigen Dienstag zur Präsidentin der Caritas gewählt. Die frühere SP-Regierungsrätin will für das Hilfswerk neue Aufgabenfelder ins Auge fassen – und sich bei ihren ehemaligen Ratskollegen für Leistungsaufträge einsetzen.
14. Juni 2017, 07:48

Interview: Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Nun ist es offiziell: Yvonne Schärli (65) ist gestern, Dienstag, zur Präsidentin der Caritas gewählt worden. Angekündigt wurde der Stabswechsel bereits Ende April (wir berichteten). Die frühere SP-Regierungsrätin tritt nun also die Nachfolge von alt Regierungsrat Anton Schwingruber (CVP) an, der das Hilfswerk zuvor während vier Jahren präsidierte.

Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigt sich Schärli zuversichtlich, dass die Turbulenzen der letzten Jahre überstanden sind und die Organisation wieder in die Zukunft schauen kann.

Yvonne Schärli, in welche Richtung wollen Sie die Caritas als Präsidentin lenken?

Zum einen müssen wir unser heutiges Angebot weiterhin in der hohen Qualität liefern, wie wir das bisher getan haben. Zum anderen bietet sich die Chance an, mit dem, was in der jüngeren Vergangenheit geschehen ist, abzuschliessen und nach vorne zu blicken.

Sie sprechen damit den Umbruch im Asylwesen an. Seit der Kanton die Unterbringung und Betreuung in Eigenregie übernommen hat, ist die Mitarbeiterzahl der Caritas von rund 370 auf noch knapp 160 gesunken.

Dieser Prozess liegt nun aber hinter uns. Es besteht Handlungsbedarf. Wir müssen neue Aufgabenfelder ins Auge fassen und auch Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit anderen öffentlichen Organisationen prüfen.

Haben Sie diesbezüglich bereits konkrete Pläne?

Natürlich habe ich meine eigenen Vorstellungen. Diese werde ich aber zuerst mit dem Vorstand und der Geschäftsleitung besprechen. Zuvor werde ich mich nicht zu strategischen Fragen äussern.

Sie haben in der Vergangenheit betont, dass Sie dafür kämpfen wollen, dass die Caritas weiterhin Leistungsaufträge vom Kanton erhält.

Ja, und ich glaube, dass sich hier Kämpfen durchaus lohnt.

Der Kampf in Ehren, aber ist es realistisch, Leistungsaufträge von einer Regierung zu erwarten, die hemmungslos von Kahlschlag in allen Bereichen spricht?

Wäre es meiner Meinung nach nicht realistisch, hätte ich dieser Aufgabe nicht zugesagt. Ich trage in diesem Sinn sicherlich auch eine gewisse Verantwortung. Es gibt zudem noch einen wichtigen Aspekt zu beachten.

Welchen?

Die gesellschaftlichen Brennpunkte verändern sich laufend. Auch im caritativen Bereich können neue Themen und Aufgaben entstehen. Hier kann es durchaus wieder Bereiche geben, wo Kanton und Gemeinden einen Beitragen leisten wollen, die Aufgabe aber durch Organisationen wie unsere übernommen wird.

Dass die neue Präsidentin motiviert ist, ist verständlich. Wie erleben Sie aber die Stimmung innerhalb der Organisation nach den unsicheren Monaten und Jahren?

Ich kann hier vor allem vom Vorstand und der Geschäftsleitung sprechen. Sie hat diese schwierige Zeit gut gemanaged, blieb motiviert und hat das Beste aus einer sehr schwierigen Situation gemacht.

Sie präsidieren auch den Verein Lisa, der sich für die Rechte von Sexarbeiterinnen einsetzt, und das Wohnheim Lindenfeld für Männer mit psychischen Problemen. Zudem sind Sie beim Frauenhaus im Vorstand. Woher kommt der Tatendrang?

Ich will meinen Beitrag leisten. Diese Ämter folgen ja auch einem Muster – es sind die Themen, für die ich mich schon als Politikerin eingesetzt habe. Meine Rolle hat sich verändert, meine Werte allerdings nicht.

Apropos Politik, sind Sie innerhalb der Partei noch aktiv, oder haben Sie sich von dieser Bühne komplett zurückgezogen?

Also ganz könnte ich es sicher nicht sein lassen! Aber im Ernst: Ich versuche nach Möglichkeiten, immer noch an den Parteiversammlungen teilzunehmen, und bringe mich auch bei Gelegenheit ein. Ich denke, dass gerade bei einer kleineren Partei wie der Luzerner SP die Verbundenheit zur Partei immer eng sein wird.


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