Das Seetal kürt seine Mittelalter-Recken

LUZERN ⋅ Kämpfer und Edelfrauen kreuzen an den 2. Seeltaler Ritterspielen die Klingen und schwarten gar Schweine durch die Luft. Dabei wird auch ein Ständerat beinahe auf dem falschen Fuss erwischt.
20. Mai 2017, 21:00

Schrecklich tönt es aus den Lautsprecherboxen vor der Zentralburg, die da auf dem Schulhausplatz in Hochdorf aufgebaut sind: Von einem furchterregenden Drachen stammen die Geräusche – fauchend und rauchend ragt er in den schwarzen Himmel. Die perfekte Szenerie für die Seetaler Ritterspiele, die gestern angesagt sind. Fanfarenklänge ertönen, Rauch und Feuer beim Burgtor und dann treten sie in die Arena: Die Mann- und Frauschaften der 12 Seetaler Grafschaften.

Fünfköpfige Teams mit unerschrockenen Recken und ebenso mutigen Edelfrauen, allesamt im textilen Mittelalter-Look. Sie geniessen sichtlich den triumphalen Einzug und baden sich im Vorschuss-Applaus. Die zwei Speaker erweisen sich als Mittelalter-Kenner und stimmen die Zuschauer tüchtig ein. Die «tapferen Ritter von Römerswil» stossen bei den Anwesenden auf ganz besonderes Interesse. Nicht von ungefähr. Sie sind es nämlich, die vor «langer, langer Zeit, sieben Jahre sind es genau», so ist zu vernehmen, die ersten Seetaler Ritterspiele für sich entscheiden konnten. Wiederum ist es der Verein eve&x, der auch diese zweite Austragung der Spiele organisiert hat.

Ritter mit wallendem Haar und wildem Bart

«Lasst die Spiele beginnen», heisst es dann um 12.09 Uhr und los geht’s mit der ersten Disziplin – dem Schwertkampf. Es gilt, mit überdimensioniertem Schwert den Gegner vom Podest zu fegen. Was für die Zuschauer spassig daherkommt, bedeutet für die kämpfenden Edelmänner eine echte Herausforderung. Auch für den bärtigen Ritter Stefan Oehen aus Ballwil. Er sieht mit seiner wallenden Haarpracht zwar zum Vornherein wie ein gemachter Duellsieger aus: Doch der smarte Edelmann Simon Stutz aus Schongau erweist sich schliesslich als entscheidend standfester und agiler und stösst den haarigen Gegner vom hohen Podest auf die rettenden Matten. Direkt in die Fangarme seiner Teamkollegen – das scheppernde Metallgeräusch der kreuzenden Klingen wohl noch in den Ohren. Dieses wurde allerdings elektronisch dem Geschehen zugemischt. Weiter geht das Kräftemessen und Klingenkreuzen – sanftere oder auch mal gröbere Landungen inbegriffen. Davor sind auch prominente Ritters­leute nicht gefeit: Wacker allerdings schlägt sich etwa der ehemalige Bobfahrer Steve Anderhub im Team Eschenbach.

Ständerat Damian Müller ist dann in einem anderen Duell mehrmals in Gefahr, auf dem falschen Standbein erwischt zu werden – es kommt dann aber doch noch gut. Weiter geht es mit dem «Kugelstossen» und später dem «Schweine schwarten»: Dabei wirbeln 30 Schweine durch die Luft und wollen gefangen werden. Beim «Hufeisenwerfen» dient gar ein Gegner als Zielscheibe. Und auch dem Drachen geht es an den Kragen: «Drachentöter» heisst eine Disziplin. Wie alles andere auch zum Gaudi des Publikums. Das Team Ballwil ist es, das am Abend als Sieger ausgerufen werden kann. «Mehr als zufrieden» ist OK-Präsident René Nussbaum: Am Freitag hat es bei der Tafelrunde noch geregnet draussen – jetzt ist es auch wettermässig «einfach perfekt».

 

Hannes Bucher

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

  • Luzerner Zeitung AG
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In Hochdorf haben sich die verschiedenen Grafschaften bei Ritterspielen gemessen.


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