Den Spieloasen fehlen die Helferinnen

LUDOTHEKEN ⋅ Unter dem Motto «barrierefrei spielen» organisiert der Verband der Schweizer Ludotheken heute Samstag den nationalen Spieltag. Der Zeitgeist macht den Einrichtungen zu schaffen – nicht nur auf personeller Ebene.
20. Mai 2017, 07:25

Heute Samstag findet der neunte nationale Spieltag statt. Dieser wird von 140 Ludotheken organisiert (siehe Kasten). Mit dem Sujet «barrierefrei spielen» will der Verband der Schweizer Ludotheken (VSL) Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Beeinträchtigung im Spiel einander näherbringen. «Es kommen Begegnungen zu Stande, die im Alltag vielleicht nicht möglich sind», wird VSL-Präsidentin Erika Rutishauser in einer Mitteilung zitiert.

Freiwillige sind schwierig zu finden

Eine Werbeplattform wie den nationalen Spieltag haben Ludotheken dringend nötig, viele kämpfen um ihre Existenz. Etwa jene in Rothenburg: «Es ist eine grosse Herausforderung für uns, die Ludothek offen zu halten», sagt Ros­witha Köchli, Mitglied des Leiterteams. Die Ausleihzahlen seien seit längerem rückläufig. Ein Grund: Die Preise vieler Spielzeuge purzelten in den Keller. «Das Waveboard zum Beispiel war früher sehr teuer. Heute bekommt man es relativ günstig, etwa im Aldi. Die Eltern entscheiden sich deshalb immer öfter dafür, das Spielzeug einfach zu kaufen.» Ob Kinder auch in Zukunft Spielzeuge ausleihen können, hänge aber auch von der Bereitschaft der Bevölkerung ab. «Es ist nicht einfach, Menschen zu finden, die bereit sind, gratis in einer Ludothek zu arbeiten», sagt Köchli.

Mit fehlenden Freiwilligen hat nicht nur die Ludothek Rothenburg zu kämpfen. Den Beweis liefert ein Blick in den Jahresbericht der Ludothek Ebikon: Die Einrichtung hat 2016 gleichzeitig acht Mitarbeiterinnen verloren. «Ohne Helferinnen werden wir die Öffnungszeiten bald kürzen oder die Ludothek ganz schliessen müssen», schrieb Patrizia Arnold, Co-Leiterin der Ludothek, dazumal im Jahresbericht. Mittlerweile hat man zwar wieder Freiwillige gefunden. «Das Problem mit den rückläufigen Ausleihzahlen bleibt aber», sagt Arnold. Laut VSL-Präsidentin Erika Rutishauser sei fehlendes Personal aber nur ein Teil des Problems: «Wenn man wenig Freiwillige hat, muss man die Öffnungszeiten kurz halten. Das ist das eigentliche Problem. Ludotheken mit längeren Öffnungszeiten sind meistens erfolgreicher.» An Interesse seitens der Kinder oder Erwachsenen mangle es nicht.

Verhältnismässig gut läuft es bei der Ludothek Emmen, wo rund 16 Ludothekarinnen arbeiten. Leiterin Claudia Rindlisbacher ist erfreut: «Es ist zwar oft schwierig, Freiwillige zu finden. Trotzdem sind wir zuversichtlich, dass wir auch in Zukunft bestehen können.» Grund zur Hoffnung besteht, wie der Geschäftsbericht zeigt: 2016 gab es 1488 Kundenbesuche, 190 mehr als 2015. Auch die Ausleihzahlen sind von 1833 auf 2161 gestiegen. Bedenke man die kurzen Öffnungszeiten der Ludothek, könnten sich die Zahlen sehen lassen, sagt Rindlisbacher. Doch: Ohne Unterstützung der Gemeinde, die der Ludothek einen passenden Raum zur Verfügung stelle, «ginge es nicht».

 

Sebastian Hofer

sebastian.hofer@luzernerzeitung.ch


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