Wenig Begeisterung über Strassensperrung

VITZNAU ⋅ Dass die Strasse zwischen Vitznau und Gersau im Winter 2020 während vier Monaten gesperrt wird, kommt nicht gut an. Betroffene hoffen, dass die Dauer der Sperrung weiter reduziert werden kann.
04. Oktober 2017, 05:00

Von Februar bis Mai 2020 soll der Luzerner Teil der Strasse zwischen Vitznau und Gersau wegen einer Sanierung gesperrt werden (wir berichteten). Ursprünglich war vorgesehen, dass diese Sperrung sogar acht Monate dauert. Die Verantwortlichen beim Kanton Luzern haben die Dauer unter anderem wegen Einwänden von Betroffenen reduziert. Doch auch die verkürzte Totalsperrung kommt nicht überall gut an. In Vitznau wurden an der Informationsveranstaltung Mitte September kritische Stimmen laut. So bat eine Gewerblerin, die Totalsperre nochmals zu überdenken, wie der «Bote der Urschweiz» schrieb. Ein Einwohner ärgerte sich, dass «Vitznau am Schwanz vom Kanton» sei.

Auch in Gersau wird Kritik laut. Erwin Ulrich, Bezirksstatthalter und zuständig für das Ressort Planen und Bauen, ist «nicht glücklich» über die vier Monate dauernde Strassensperrung. Denn diese sei «einschneidend» für die betroffenen Gemeinden. «Der Tenor ist, dass wir vom Bezirksrat dagegen sind.» Diese Haltung hat der Bezirksrat an ­seiner letzten Sitzung bestätigt. Erwin Ulrich will allerdings nicht alles schlechtreden. Er fügt an, dass eine Totalsperrung wohl unumgänglich sei. «Wir sind froh, dass die Strasse saniert wird. Denn gerade die Verbreiterung ist dringend nötig.» Dies etwa auch für die Busfahrer, für welche die engen, kurvenreichen Passagen nicht einfach zu fahren seien.

Nicht überall trifft das Vorhaben allerdings auf Widerstand. Noldi Küttel, Gemeindepräsident von Vitznau, sagt gegenüber unserer Zeitung, dass es wohl keine Alternative gebe: «Die Fachleute schlagen die Sperre vor. Sie kennen sich aus. Das akzeptiere ich.» Er ergänzt, dass auch viele Vitznauer so denken – wenn auch nicht alle: «Es ist mir bewusst, dass sich einige Personen von der Gemeinde mehr Unterstützung erhoffen.»

Vitznau mit wenig Einfluss auf das Projekt

Das Projekt werde allerdings vom Kanton Luzern geplant und durchgeführt, weswegen Vitznau nicht viel Einfluss habe. Er hofft jedoch, dass die Sperrung nicht vier Monate dauern wird. Noldi Küttel führt aus, dass die Gemeinde auf eine gute Schiffsverbindung nach Gersau hoffe. Das heisse, am frühen Morgen wie auch am Abend bis 22 Uhr sollte eine Verbindung bestehen. Eine Fähre ist für ihn keine Option, da es in Vitznau keine Anlegestelle dafür gebe.

Linus Gutknecht, Betreiber des Hotels Rigi in Vitznau, denkt ähnlich wie Küttel: «Grundsätzlich gibt es wohl niemanden, der Freude an den Plänen hat. Aber ich sehe ein, dass etwas gemacht werden muss.» Wichtig sei allerdings, dass man alles unternehme, damit die Dauer der Totalsperre möglichst kurz gehalten wird. «Denn die Sperre wird sich ohne Frage auf unser Geschäft auswirken», da etwa Gäste aus Gersau und Brunnen nur über den langen Umweg um die Rigi nach Vitznau gelangen würden und dadurch wohl ausbleiben werden.

Auch der Schwyzer Regierungsrat steht grundsätzlich hinter dem Vorhaben. Baudirektor Othmar Reichmuth sagt: «Wir können nachvollziehen, dass die Arbeiten nicht ohne Sperrung durchgeführt werden können. Die Begeisterung hält sich allerdings stark in Grenzen.» Reichmuth hofft, dass die Dauer für die geplante Sperrung «noch auf das absolute Minimum reduziert werden kann».

 

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch


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