Direktor der Schweizer Paraplegiker-Stiftung: «Die Reaktionszeiten sind zu lang»

NOTTWIL ⋅ Joseph Hofstetter, Direktor der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, erklärt, warum der Chef der Vereinigung jahrelang ein zu hohes Salär bezogen hat – und verteidigt den Lohn des Zentrumsdirektors.
11. November 2017, 07:54

Interview: Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@ luzernerzeitung.ch

Kaum machte die Schweizer ­Paraplegiker-Gruppe in Nottwil die Cheflöhne publik, geriet sie in die Kritik. Stiftungsdirektor Joseph Hofstetter nimmt Stellung.

Joseph Hofstetter, Hans Peter Gmünder bezieht als Direktor des Schweizer Paraplegiker-Zentrums dieses Jahr ein Salär von 467'415 Franken – fast 100'000 Franken mehr als Benno Fuchs, der Direktor des grösseren Luzerner Kantonsspitals. Warum?

Der Lohnunterschied beträgt effektiv rund 87'000 Franken. Im Gegensatz zum Direktor des Luzerner Kantonsspitals ist Hans Peter Gmünder in einer Doppelfunktion: als administrativer ­Direktor/CEO und ärztlicher ­Direktor (Internist, Geriater und Rehabilitationsmediziner) der ganzen Klinik. Die kürzlich durchgeführte externe Lohnstudie bestätigt das Salär als angemessen.

Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung finanziert sich primär aus Mitgliederbeiträgen der Gönner-Vereinigung sowie aus Spenden an die Stiftung. Wie erklären Sie den 1,8 Millionen Gönnern die hohen Saläre?

22 Prozent unserer Kosten werden durch Gönnerbeiträge und Spenden gedeckt – das ist ein ganz wichtiger Teil, ohne den wir unser Leistungsnetz nicht betreiben könnten. Dennoch: Die Schweizer Paraplegiker-Gruppe muss und will marktgerechte Löhne bezahlen. Auch wir unterliegen dem Wettbewerb um Talente und Experten. Die unabhängige Lohnstudie von Mitte 2017 hat die Marktkonformität der Kaderlöhne mit einer Ausnahme bestätigt. Dort hat der Stiftungsrat eingegriffen.

Diese Ausnahme betrifft den Lohn von Thomas Troger. Der Direktor der Paraplegiker-Vereinigung (SPV) liess sich 410'000 Franken auszahlen. Erst auf wiederholtes Pochen von Rollstuhlfahrern wird das Salär schrittweise nach unten korrigiert. Warum dauerte das so lange?

Wir haben die Kaderlöhne bereits 2014 extern beurteilen lassen. Die beauftragten Experten bestätigten uns in einer detaillierten Studie, dass sämtliche Löhne marktgerecht seien. Die neue Studie 2017 ist nun in einem Fall zu einem anderen Schluss gekommen, weshalb der Stiftungsrat gehandelt hat. Wir haben jedoch Verständnis für Ihre Frage. Die Reaktionszeiten sind zu lang. Die Komplexität unserer Organisation hat sicher das ihre dazu beigetragen. Daraus haben wir gelernt.

Offenbar erhielt Thomas Troger auch Boni. Wie geht die Gruppe künftig damit um?

Die Schweizer Paraplegiker-Gruppe ist seit jeher ausgesprochen zurückhaltend betreffend Boni oder anderer variabler Zusatzvergütungen. Im Herbst 2017 hat der Stiftungsrat diesen Grundsatz bekräftigt und gruppenweit durchgesetzt. Ab diesem Jahr werden auch in der SPV keine Boni mehr ausgezahlt. Ausgenommen ist das Vergütungs­modell beim Direktor des Hotels Sempachersee, der einen leistungsabhängigen jährlichen Bonus von maximal 10'000 Franken erhält.

Reduziert wird auch die Zahl der Stiftungsratsmitglieder: von derzeit elf auf sieben bis neun. Was versprechen Sie sich von der Verschlankung des Gremiums?

Im Sinne einer verstärkten Corporate Governance – etwa weniger Kreuzverflechtungen – wird der Stiftungsrat dazu übergehen, das Gremium nach dem Kompetenzprinzip neu zu besetzen. Es müssen künftig die von der Stiftung definierten Kompetenzen im Stiftungsrat vertreten sein und nicht mehr zwingend Verwaltungsratsmitglieder der grossen Gruppengesellschaften. Damit reduziert sich die Anzahl Mitglieder automatisch. Ein kleineres Gremium hat schlankere Prozesse und entscheidet schneller.

Neu gilt im Stiftungsrat auch ein Höchstalter von 70 Jahren und eine Amtszeitbeschränkung von zwölf Jahren. Sind das verspätete Massnahmen auf den vor zehn Jahren medial stark beobachteten Abgang von Gründer Guido A. Zäch?

Das hat nichts miteinander zu tun. Der Stiftungsrat hat durch die Alterslimite die Chance auf jüngere Mitglieder, die mitten im Berufsleben stehen und so innovative Ideen einbringen werden.

Am Paraplegiker-Zentrum wird bis 2020 kräftig investiert. Der neue Nordtrakt steht bereits, die Bettenkapazität soll von 150 auf 190 erhöht werden. Insgesamt werden 150 Millionen Franken investiert. Wie solid steht die Gruppe da?

Jede Nonprofit-Organisation ist darauf angewiesen, die finanzielle Unterdeckung des Folgejahres bereits vorfinanziert zu haben. So ist es auch bei uns. Darum ist unsere Gruppe mit rund 65 Prozent Eigenmitteln solide finanziert und kann langfristig ihr ­umfassendes Leistungsnetz garantieren. Die geplante Fremdfinanzierung der Bautätigkeit wird mit rund 60 Millionen Franken wesentlich tiefer ausfallen, als vor drei Jahren geplant.

Hinweis

Joseph Hofstetter (56) ist seit dem 1. August 2012 Direktor der Schweizer Paraplegiker-Stiftung in Nottwil. Der Jurist arbeitet seit 2000 für die Gruppe. Das Interview wurde schriftlich geführt.


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