Die Rigi soll Bernhardiner-Zucht erhalten

REGION ⋅ Gerade mal 600 reinrassige Bernhardiner gibt es in der Schweiz. Ein Verein will nun die Hunde auf der Rigi ansiedeln. So wie es im vergangenen Jahrhundert bereits der Fall war. Dass das Projekt nicht nur auf Gegenliebe stossen wird, ist sich der Initiant bewusst.
17. September 2017, 05:00

Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch

Das Vorhaben beschäftigt Markus Kretz (62) seit Jahren. Nun ist alles vorbereitet, die Gespräche sind geführt, zwei Tiere für die Zucht bereits reserviert. Bis in vier Jahren soll es auf der Rigi dauerhaft Bernhardinerhunde geben. «Es ist mittelfristig vorgesehen, dass ganze Würfe von den Besuchern besichtigt werden können», sagt Kretz. Ende 2015 gründete er für sein Vorhaben ­zusammen mit weiteren Initianten den Verein Barry Family & Friends auf Rigi Kaltbad.

Inzwischen ist der Verein einen Schritt weiter: Ein Bernhardiner – sein Name ist Max – plus ein Tierpfleger sind fest im Hotel Rigi First platziert. «Regelmässig bringen wir weitere Hunde und deren Besitzer auf den Berg und veranstalten geführte Wanderungen mit Besuchern, wobei auch Fotos gemacht werden können.» Diese Angebote wurden in den vergangenen Jahren getestet. Man wolle sie nun in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Rigi ausweiten. «Ziel ist es, wieder einen Bernhardiner von der Rigi zu züchten. Eine solche Rasse gab es hier früher bereits.»

Um 1900 wurden auf der Rigi Bernhardiner gezüchtet

Reinrassige Bernhardiner – von denen es laut Kretz schweizweit noch rund 600 gibt – haben auf der Rigi Tradition. «Die Rigi ist ein Bernhardiner-Berg. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts halfen die Hunde den Bewohnern bei der täglichen Arbeit», sagt er. Und um 1900 gab es eine Bernhardiner-Zucht unter dem Namen «Bernhardiner von der Rigi». Diese Hunde wurden bis nach Amerika verkauft und gewannen viele Preise.

Warum die Bernhardiner von der Rigi in den 1980er-Jahren verschwanden, ist nicht belegt. Klar ist für Kretz: «Wir wollen die Tradition wieder aufleben lassen, idealerweise an ihrem Ursprungsort auf Rigi Staffel.» Im Rahmen des Masterplans für die Rigi gehört dieser Ortsteil zu einem von vier Erlebnisräumen, der in einer ersten Phase realisiert werden soll. Von einer Umsetzung bis 2020 ist die Rede. Unter anderem schwebt den Verantwortlichen vor, ein «Schwiizer Bergdörfli» zu errichten – dort, wo das Event-Zelt steht (Ausgabe vom 8. April 2017). Wie einem Papier des Vereins zu entnehmen ist, könnten dort einst mehrere Bernhardinerhunde gehalten und betreut werden. Die Besucher können bei der Bernhardinerstation Fotos machen oder die Tiere streicheln. Zudem soll es Vorführungen geben. Angedacht ist, eine Zwingeranlage mit grossen Freigehegen für mindestens acht Hunde und einen Barry-Souvenirshop. Bei den Rigibahnen heisst es zu diesen Ideen: Der Bezug zum Bernhardiner soll «für die Gäste erlebbar gemacht werden». In welcher Art diese Angebote ausgearbeitet werden, sei jedoch noch zu bestimmen.

«So wie in Zermatt machen wir das nicht»

Dass die Pläne von Kretz Kritiker auf den Plan rufen, ist er sich bewusst. «Leider wurden die Bernhardiner in den letzten Jahren teils in ein schlechtes Licht gerückt.» Er spricht Berichte an, in denen der Umgang mit den Hunden auf dem Gornergrat bei Zermatt thematisiert wurde. Vier bis sechs Stunden täglich sollen dort die Foto-Bernhardiner im Einsatz gestanden haben, von Tierquälerei war die Rede, es gab Strafanzeigen. «So wie in Zermatt machen wir das nicht. Wir halten uns streng an die Vorschriften und arbeiten eng mit dem Tierschutz und Veterinäramt zusammen.» Kritik am Vorhaben gibt es nicht nur aus Sicht des Tierschutzes – sondern auch von Personen, die den Massentourismus auf der Rigi eindämmen wollen. So wehren sich derzeit Anwohner gegen die Ausbaupläne der Rigibahnen. Eine Obergrenze für Touristen wurde gefordert (Ausgabe vom 23. Juli). Das geplante Projekt werde man mit Argusaugen beobachten, sagt ein Anwohner.


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