«Die Vorurteile haben mich angespornt»

HOCHSCHULE ⋅ Maisa Ahmad (23) hat ihr Bachelorstudium in Rotkreuz mit Bravour bestanden. Nun möchte sie Berufserfahrung sammeln, um später selbst ein Unternehmen aufbauen zu können.
15. Juli 2017, 05:00

«Frauen und Computer, das passt nicht zusammen», mit diesem Vorurteil wurde Maisa Ahmad während ihres Wirtschaftsinformatikstudiums oft konfrontiert. Das sei aber keineswegs negativ gewesen, denn die 23-jährige Bachelorabsolventin ist sich sicher: «Frauen müssen sich in der IT immer ihren Platz erkämpfen. Das hat mich angespornt, zu zeigen, dass auch eine Frau das kann.»

Die einzige Frau der Klasse zu sein, hatte weitere Vorteile: «Alle kannten mich und sprachen mich mit Namen an. Ich erhielt einen kleinen Sonderstatus», erzählt Ahmad. Trotzdem wünscht sie sich, dass in Zukunft mehr Frauen diese Berufsrichtung einschlagen. «Ich habe mich auch nicht schon mit fünf mit Computern auseinandergesetzt», sagt Ahmad. Ausserdem hat sie zuvor die Wirtschaftsmittelschule mit anschliessendem kaufmännischen Praktikum bei der Pädagogischen Hochschule abgeschlossen. «Man muss nicht eine Menge Vorwissen mitbringen, um ein Studium im IT-Bereich zu machen», ist sie überzeugt. Trotzdem: Es würde das Studium vereinfachen. «Ich hatte zum Teil Schwierigkeiten, mir die Abläufe vorzustellen, weil ich sie nie in der Praxis gesehen habe.» Aber, dass sie bestanden hat, zeigt: Sie sind überwindbar.

Nächstes Ziel: Berufserfahrung sammeln

Nun, da der Bachelor geschafft ist, möchte sich die aus Afghanistan stammende, aber in der Schweiz geborene Littauerin etwas erholen. In der nächsten Zeit geht’s ans Bewerben. Sie möchte das sammeln, was ihr bisher gefehlt hat: Berufserfahrung. Dies, bevor es in einigen Jahren mit einem Masterstudium weitergeht. Eine interessante Erfahrung während des Studiums sei ein sechswöchiger Aufenthalt im Silicon-Valley gewesen. «Wir haben einen Einblick in die dortigen Unternehmen bekommen und gesehen, wie es ist, ein Unternehmen aufzubauen», schwärmt Ahmad. Auf die Frage, ob sie davon träumt, selbst etwas im Silicon Valley aufzubauen, sagt sie: «Das ist noch weit weg, aber wenn ich mehr Berufserfahrung habe, wäre es vielleicht doch etwas.»

Nun würde sie gerne eine Stelle in Zürich finden. In ihrer Bachelorarbeit, mit der sie eine 5,5 erreicht hat, wird klar, in welcher Funktion Ahmad tätig sein will: Business-Analystin. In ihrer Bachelorarbeit hat sie mit der Firma SFS zusammengearbeitet. Dieses Unternehmen möchte den Prozess Requirements Engineering einführen. Dabei sollen die Anforderungen des Unternehmens an ein IT-Projekt systematisch erhoben werden. «Hierfür habe ich ein Dossier mit Checkliste erstellt», erklärt Ahmad. Dieser Prozess sei wichtig, weil so die Kommunikation zwischen den Projektbeteiligten beschleunigt und verbessert wird. «Ich übernehme dabei eine Art Übersetzerrolle.» Bei der Bachelorarbeit war es Ahmad wichtig, dass das Resultat in ihrer beruflichen Laufbahn verwendet werden kann. Das ist nun der Fall: Sie hat nämlich ein Dossier erstellt, das auch für andere IT-Projekte angewendet werden kann.

 

Jessica Bamford

jessica.bamford@luzernerzeitung.ch


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