Langjähriger Luzerner Gefängnisdirektor muss Knall auf Fall gehen

LUZERN ⋅ Der langjährige Gefängnisdirektor, Hanspeter Zihlmann, ist nicht mehr im Amt. Über die Gründe schweigen sich die Betroffenen aus. Offenbar war man sich bei der Strategie nicht einig.
Aktualisiert: 
18.05.2017, 14:00
18. Mai 2017, 07:06

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Hanspeter Zihlmann, seit 2006 Direktor der Justizvollzugsanstalt Grosshof in Kriens, ist seinen Job los. Das vermeldete gestern das Regionaljournal Zentralschweiz. Zunächst war von Kantonsseite her von einer Freistellung die Rede. In einer späteren Medienmitteilung der zuständigen kantonalen Dienststelle Militär, Zivilschutz und Justizvollzug hiess es dann, das Arbeitsverhältnis sei «im gegenseitigen Einvernehmen» aufgelöst worden. Der Weggang wurde «aufgrund von unterschiedlichen Auffassungen im Bezug auf die Führung, die Weiterentwicklung und die künftige Positionierung der Justizvollzugsanstalt Grosshof» beschlossen.

Die Nachricht von Zihlmanns Abgang, der bereits seit dem 3. Mai nicht mehr arbeitet, kam offenbar auch für Involvierte überraschend. So erklärten mehrere Kantonsräte, die der Justiz- und Sicherheitskommission angehören, dass es innerhalb ihres Gremiums keine Anzeichen für den Abgang des Gefängnisdirektors gab. Der 58-jährige Zihlmann wollte sich auf Anfrage nicht äussern. Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker war gestern nicht erreichbar.

Zihlmanns Aufgaben werden interimistisch von Stefan Weiss wahrgenommen, der als Leiter der Dienststelle Militär, Zivilschutz und Justizvollzug Zihlmanns direkter Vorgesetzter war.

Kanton will Gefängnis wirtschaftlicher machen

Die kurze Stellungnahme des Kantons lässt nur vage Schlüsse auf die Gründe zum unvermittelten Abgang des Gefängnisdirektors zu. Verwiesen wird einzig darauf, dass es offenbar bei der strategischen Positionierung des Grosshofs Unstimmigkeiten zwischen dem Justiz- und Sicherheitsdepartement und Zihlmann gab. Fakt ist, dass die Justizvollzugsanstalt Grosshof gerade einen grossen Ausbau- und Erweiterungsschritt hinter sich hat. So wurde das Gefängnis von ursprünglich 64 auf 114 Plätze ausgebaut. Die zusätzlichen Plätze werden seit Anfang Jahr schrittweise in Betrieb genommen. Geplant war zunächst ein Ausbau auf 104 Plätze. Im Zuge der Erweiterung des Gefängnisses ist also beim Grosshof zusätzlicher Stellenbedarf angezeigt.

Gleichzeitig bleibt auch der Grosshof von Sparmassnahmen nicht verschont. Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit und dem haushälterischen Umgang mit den verfügbaren Ressourcen sei auch in Kriens «ein wichtiger Aspekt, dem es täglich Beachtung zu schenken gilt», so Stefan Weiss.

Die Übungsanlage wird auch im Konsolidierungsprogramm 17 des Kantons Luzern festgehalten: «Während ein personeller Ausbau in der Justizvollzugsanstalt Grosshof im Zuge des Zuwachses der Gefängnisplätze notwendig sein wird, sind in anderen Bereichen punktuell ein Personalabbau und eine Herabsetzung der Lohneinstufung möglich.» Während der Personalbestand steigt, gibt es auch Potenzial für Einsparungen, nämlich, weil Gefangene nicht mehr ausserkantonal platziert werden müssen. «Mit der sukzessiven Inbetriebnahme der Erweiterung gehen wir davon aus, dass sich die Wirtschaftlichkeit verbessert», bestätigt Weiss. Darüber hinaus steht eine Reorganisation der Gefängnisse im Kanton Luzern an.

Zeitpunkt des Entscheids ist überraschend

Hinter vorgehaltener Hand heisst es im Umfeld des Grosshofs, dass das Arbeitsklima schon länger schwierig und durch viele Abgänge geprägt gewesen sei. Öffentliche Kritik an Zihlmann gab es während seiner Amtszeit nicht. Viele sind allerdings erstaunt, dass er ausgerechnet jetzt gehen musste. Einen groben Vorfall habe es nicht gegeben, sagte Weiss dem Regionaljournal. In ein Strafverfahren war Zihlmann nicht involviert.


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