Tagwache Willisau - Absturz fast ausgeschlossen

KANTON LUZERN ⋅ In Willisau erfolgte der Urknall eine Stunde später als in der Stadt Luzern. Wieso, darüber sind sich die Fasnächtler nicht einig. Die etwas spätere Tagwache zelebrierten die einen ausgelassen, die anderen seriös.
08. Februar 2018, 12:18

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Die zwei grünen Kobolde sind parat, schon lange. Markus und Wäutu stehen an der Bar der Ostergauer Moorsträggele im Städtchen Willisau und wärmen ihre Hände an einem Kafi. «Wir sind seit Mittwochabend unterwegs. Von uns aus könnte der Chlapf jetzt erfolgen», sagt Wäutu und bestellt noch eine Runde: «Zwei mit, einer ohne. Der ohne für den Journi, damit er wach wird.»

Die beiden Burschen sind übrig geblieben von einer Fünfergruppe, die am Vorabend in Altishofen «etwas gefeiert hatte», wie Markus leicht verschnupft festhält. Es ist jetzt 5.45 Uhr. In einer Viertelstunde wird der Urknall die Willisauer Fasnacht offiziell eröffnen. Genau, eine ganze Stunde später als in Luzern.

Der Grund für den späten «Chlapf» ist, je nach Quelle, ein anderer. Einer der Moorsträggele meint: «Das ist doch abartig. Normal ist doch um 5 Uhr Start. Aber weil sich ein paar Anwohner beschwerten, geht’s seit einigen Jahren erst um 6 Uhr los. Ein anderer weiss hingegen, dass sich früher um 5 Uhr fast keine Leute im Städtchen einfanden. «Darum hat man den Urknall nach hinten verschoben», so seine Geschichte. Das klingt fast wie ein Schlechtwetterprogramm bei Skirennen. Da wird auch nach hinten geschoben.

Urknall beinahe von einer Schnapsbar übertönt

Kurz nach 6 Uhr, der Urknall wurde beinahe vom Dröhnen einer mobilen Schnapsbar übertönt, begann es ganz schwach zu schneien. Just als die Hürntalschränzer aus Buchs/Uffikon als erste Guuggenmusig losfegten und die Enzilochmanne mit ihren böimigen Gewändern und den Tannli, die sie mitschleifen, ins Städtchen einfallen. Gefolgt vom Stadttier, das vom Wächter an schwerer Kette geführt wird.

Das Bild runden die Willisauer Wöschwyber mit ihren Holzmasken ab. Die Fasnachtsgruppe ist seit 1981 mit Waschbrettern und Zubern unterwegs. Die Frauen sind stark engagiert an der Fasnacht, besuchen Kindergärten, Altersheime und andere Institutionen, wie Wöschwyb Monika beim Morgenessen im Rathaus erzählt. Derweil geht das Treiben draussen munter weiter. Zunftmeister Roland Stocker geniesst den Moment. «Als Zunftmeister erlebt man die Sache ganz anders», sagt der langjährige Fasnächtler, der Gründungspräsident der Guuggenmusig «Let’s Fets» war, die heuer ihr 25-Jahre-Jubiläum feiert. Schönes Detail: Rolands Tochter wurde heuer Tambourmajorin in dieser Guuggenmusig. Die Tochter der Partnerin ist ebenfalls aktives Mitglied.

Ein Vater wird geboren

Eine andere Willisauer Guuggenmusig, die Wegere Güsser, spielt als zweites Ensemble nach dem Urknall. Während einige ein Kafi oder einen Tee zum Aufwärmen trinken, bleibt Marcel an der Posaune cool – und abstinent. «Dieses Jahr wird seriös. Meine Frau ist hochschwanger, ich muss jederzeit damit rechnen, dass es losgeht», sagt er. Termin sei am Samstag. Möglich also, dass in Willisau ein waschechter Fasnächtler zur Welt kommt.

Mit dem Motto «Über den Wolken» fallen die Napfruugger selbst unter den vielen Kostümierten auf. Etwa Urs, der mit seinem Wingsuit zielsicher eine Bar ansteuert und dort auf Trux trifft, der als Frau Holle eine gute Figur abgibt. Dass sie Bruchlandung fabrizieren, ist so gut wie ausgeschlossen, sagt Trux. «Es ist unsere 43. Fasnacht. So schnell stürzen wir nicht ab.»


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