Ein Flecken des alten Malters blüht im Theater auf

FREILICHTBÜHNE ⋅ Auf dem Areal der alten Ramstein-Scheune in Malters war gestern Abend die Premiere eines bunten Theaterspektakels. Die Garage wird dabei in ein Jagdschloss verwandelt.
08. Juni 2017, 07:58

«Das ist ein wunderbarer Ort für ein Freilichtspiel», schwärmt Anna Maria Glaudemans. Die Kostüm-, Masken- und Bühnenbildnerin arbeitet seit Monaten mit ihrem Mann, Regisseur Livio Andreina, am diesjährigen Freilichtspiel-Projekt der Theater­gesellschaft Malters. Es ist ein grosses Projekt, das in den nächsten sechs Wochen über die Bühne geht und gestern Premiere feierte. Der Spielort, den sich die Theatergesellschaft für ihre Produktion ausgewählt hat, hat es Glaudemans besonders angetan: das Areal der alten Ramstein-Schüür in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof mit der leerstehenden einstigen Herrschaftsvilla, dazu die Scheune, die alte Garage, der lauschige Garten mit seiner Pflanzenwelt.

Viel Farbe, ebenso viel Kreativität und Bühnenbaugeschick haben die einstige Garage im Hof zum bunten Jagdschloss werden lassen. Dieses wird zum Tummelfeld einer gelangweilten Hofgesellschaft, um die sich die Komödie «Schluck und Jau» dreht. Die Autorin Gisela Widmer hat Gerhard Hauptmanns gleichnamiges Stück bearbeitet und in den Dialekt übersetzt. Lichtdesigner Martin Brun und Musiker Bruno Amstad vervollständigen das professionelle Team, das die künstlerische Leitung innehat. Daneben agieren allesamt Laien. Über 120 Mitwirkende sind in die Produktion eingebunden, 25 Darsteller stehen auf der Bühne. Sie alle lassen diesen Flecken des alten Malters ein letztes Mal öffentlich aufleben – in absehbarer Zeit entsteht hier eine neue Überbauung.

Ein «Riesenaufwand» sei es, der bei diesem Freilichtspiel von allen Seiten betrieben werde: Glaudemans und Andreina bezeugen Respekt vor der Leistung aller Beteiligten. Auch finanziell gehe das Ganze ins gute Tuch. Es bedinge zusätzliche Kreativität, damit es budgetmässig aufgehe. «Mit Einfallsreichtum kann vieles gelöst werden», sagt Glaudemans. Trotzdem: «Malters leistet sich mit dem Ganzen ein eigentliches Sommerfest.»

Fest der Farben und Sinne

Die künstlerischen Leiter sind es gewohnt, mit Profis zu arbeiten. Müssen sie bei der Arbeit mit Laien nicht unliebsame Abstriche machen? «Ich arbeite riesig gern mit einer Laienbühne», sagt der Regisseur. «Amateure» seien im ursprünglichen Sinn des Wortes «Liebhaber» des Theaters. Besonders wichtig bei der Arbeit mit Laien sei das Cast, die Auswahl der Spieler und die Rollenbesetzung. «Die Rolle muss einem Laien möglichst auf den Leib geschrieben sein. So kann er authentisch sein. Ein Profi hingegen muss jede Rolle spielen können.»

Wichtig seien zudem die Kostüme: «Ein Kostüm kann befreien und Grenzen öffnen», sagt die Kostümbildnerin. Schneidern, Abändern, Anpassen der Kostüme – niemand scheute Arbeit, damit auch alles bereit ist für das «Fest der Sinne». Dieses soll «lustig und unglaublich rührend werden», verspricht Andreina. Nun, die gestrige Premiere zeigt: Das ist nicht zu viel versprochen. Es ist in der Tat ein Fest der Farben und Sinne, das über die Malterser Freilichtbühne geht.

 

Hannes Bucher

region@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Ein ausführlicher Premierenbericht folgt morgen Freitag auf der Kulturseite dieser Zeitung. Weitere Infos: www.theater-malters.ch.


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