Ein kritischer Theologe mit feinem Humor

LUZERN ⋅ Mehr als 20 Jahre lang lehrte Edmund Arens Theologie an der Universität Luzern – nun geht er in Pension. Er ist ein Fürsprecher für einen Glauben, der Gerechtigkeit einfordert, wenn Unrecht geschieht.
18. Juni 2017, 05:00

Edmund Arens ist kein Gelehrter, der sich in einem elfenbeinernen Turm versteckt. Er gehört zu den Professoren mit Sinn für Humor. Weit über die Theologische Fakultät wurde er bekannt mit dem «Wort zum Sonntag». Weiter organisierte er die Fastenpredigten in der Jesuitenkirche und war mehrere Jahre im katholischen Seelsorgerat des Kantons Luzern.

Dass Arens ein öffentlichkeitsrelevanter Kommunikator war, ist ihm auch nach der Emeritierung zu wünschen. Unter seinen 23 Büchern behandeln einige das Thema Kommunikation, darunter «Gottesverständigung. Eine kommunikative Religionstheologie» (2007). An der Universität Luzern lehrte er Fundamentaltheologie, ein Zweig, der sich mit den Grundfragen des Glaubens beschäftigt. Dazu gehört für ihn – das machte Arens auch in seiner Abschiedsvorlesung klar – auch die Auseinandersetzung mit politischen Themen wie etwa dem Klimawandel oder der Bewältigung der Flüchtlingskrise.

Edmund Arens, 1953 im katholischen Lethmate in Nordrhein-Westfalen geboren, tritt als einer der ausstrahlungsmächtigsten Professoren der Universität Luzern vom Lehrbetrieb zurück. Er gehörte zu den Leuchten der Theologische Fakultät. Arens, der über die Gleichnisse Jesu als Beispiel für «kommunikative Handlungen» doktorierte, liess sich später von der Kommunikationstheorie des Frankfurter Star-Philosophen Jürgen Habermas faszinieren. Zum Professor habilitierte er sich aber beim berühmten Münsteraner Theologen Johann Baptist Metz. Dieser gilt als ein Erneuerer der «politischen Theologie», ein Schlagwort, das aus der Küche des umstrittenen deutschen Staatsphilosophen Carl Schmitt stammt.

Theologie soll sich den Zeitverhältnissen stellen

Dass Arens in seiner Abschiedsvorlesung die Grundaussagen des Glaubens aktuellen politischen Diskussionen entgegenstellte, kann daher nicht überraschen. «Als Hochschullehrer mit Migrationshintergrund sollte ich mich hierzulande in politischen Dingen zurückhalten», schickte er dieser voraus. «Als Vertreter politischer, öffentlicher Theologie konnte ich allerdings nicht die Klappe halten.» So griff Arens zum Beispiel das Thema Ökologie auf und kam in diesem Zusammenhang auf den deutschen Soziologen Ulrich Beck zu sprechen, Autor des Bestsellers «Risikogesellschaft». Dieser hat sich noch kurz vor seinem Tode zur Klimaerwärmung geäussert. In der drohenden Katastrophe sah er die Chance, dass die Menschheit zusammenarbeitet und die Grenzen der Nationalstaaten überwindet. Nach Meinung von Arens hat Beck aber die theologische Dimension des Problems vernachlässigt – und die Religion als lokale und globale Akteurin menschheitlich orientierter Gemeinschaften zu Unrecht ausgeklammert. Eine ähnliche Lücke sieht der Fundamentaltheologe auch im sonst faszinierenden Buch des israelischen Historikers Yuval Noah Harari «Homo Deus. Eine Geschichte von morgen». Er kritisiert, dass Harari die «prophetische Kritik» völlig ausblendet, die sich gegen jegliches Unrecht richtet und Gerechtigkeit einfordert.

Den von ihm referierten Zeitgeistautoren, die Arens in seiner Abschiedsvorlesung würdigte, mag der Habermas-Schüler Arens wohl in vielem ebenbürtig, wenn nicht überlegen sein. Als Theologe sah er es als seine Aufgabe an, sich den Zeitverhältnissen zu stellen. Er hat es mutig getan. Von 1990 bis 2000 war er einer der profiliertesten Sprecher des «Wortes zum Sonntag». Als Luzerner Fastenprediger stand der Rhetoriker in der Tradition von so brillanten und gehaltvollen Rednern wie Hans Küng und Gonsalv Mainberger. Wie Mainberger, nach seinem Ordensaustritt Verfasser philosophischer Standardwerke, bleibt Edmund Arens auch aufgrund seiner bedeutenden Bildungsgeschichte und Wirksamkeit letztlich eher Philosoph als Theologe. Was ist heute eine Professur für Fundamentaltheologie anderes als Philosophieren mit theologischen Beispielen?

 

Pirmin Meier

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch


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