Ein Vierteljahrhundert kreativ

KULT-UR-FASNÄCHTLER ⋅ Schon seit 25 Jahren versteht diese Truppe die Fasnacht als Kultur – und zelebriert diese unübersehbar in der Luzerner Altstadt: Mal archaisch skurril, mal verspielt und fantasievoll.
08. Februar 2018, 06:47

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Einer der Gründer der Kult-Ur-Fasnächtler ist Kunstmaler Sigi Widmer (73). Er erinnert sich noch gut an die Anfangszeiten. «Nur Musik, Maske und Kleid waren einfach nicht genug. Wir wollten zurück zur Urfasnacht mit Kultur, eine Wagengruppe für diejenigen, die nicht Musik machten.» Mit Gleichgesinnten wurde die Idee einer Inszenierung mit Prozession, Weihrauch und viel Mystik ins Leben gerufen.

Ein Manifest vom August 1993 zementierte das Vorhaben. Fortan sollen wieder Kreativität, Intrigieren, Maskenmachen und Maskentragen die Eckpfeiler sein. Die Kult-Ur-Fasnächtler machten sich Sorgen, dass die «urwüchsige Poesie, die feinen Schwingungen der Einzelmasken, die hintersinnigen Regungen der Intrigierenden immer gründlicher zugedeckt werden von einer lauten Uniformität», wie sie dem rüüdigen Fasnachtsführer anvertrauten. Und dem galt es entgegenzuwirken. Im Manifest ist dazu zu lesen: «Es gibt nicht nur einfach zu viele platte, einfallslose Musigen, die in den gleichen, abgegriffenen Glitter- und Fötzelkleidern, mit dutzendfach identischen Köpfen (Grinden) und unter banalen Strick-Käppis daherkommen und ein Repertoire pflegen, das aus den immer gleichen Stücken besteht.»

Gründungsmitglieder waren Sigi Widmer, Magi Ochsenbein, Peter Spoerri und Bruno Gapp. Sie sahen einen dringenden Handlungsbedarf und schritten zur Tat. Ihren ersten Auftritt hatten die Kult-Ur-Fasnächtler im Jahr 1994 – und fanden damit sogleich Anklang: Die Gruppen Rätsch-Häxe, Namenlos, Nostradamus und Utopia – um nur einige zu nennen – waren sofort dabei. Als einzige und bislang letzte Guuggenmusig waren damals auch die Vikinger mit am Start. Die Verpflichtung, die Fasnacht als Kultur zu pflegen, war aller Credo. Und die Devise «Lozärner Fasnacht ist gleich Strassen- und Beizenfasnacht», ging den Kult-Ur-Fasnächtlern ins Blut über.

Doch nicht alle waren begeistert von dem Ansinnen der archaischen Truppe und witterten auch weniger Einnahmen. Denn längst hatte die Fasnacht in der Stadt Luzern einen steigenden kommerziellen Wert erlangt, wurde als Event für Touristengruppen vermarktet, war im Begriff immer mehr Guuggen aus der Agglomeration anzuziehen und hatte in gewissen Beizen und an aus dem Boden spriessenden Verpflegungsständen die Preise in astronomische Höhen schnellen lassen. «Wir wurden zu Beginn sogar belächelt. Man nahm teils abschätzig zur Kenntnis, dass wir die ersten Jahre überlebten», erinnert sich Magi Ochsenbein (70), die erste Präsidentin der Kult-Ur-Fasnächtler.

Der Weinmarkt ist ihre Heimat

In ihren Präsidialjahren versuchte Magi Ochsenbein gar, die Kult-Ur-Fasnächtler mit den Vereinigten zusammenzubringen. Den «Vereinigten» gehören aktuell 80 Gruppierungen aus der Stadt Luzern und den umliegenden Agglomerationsgemeinden an; sie bilden somit den grössten Fasnachtsverband der Zentralschweiz. Bei dieser Idee stand nicht etwa eine Fusion im Vordergrund, sondern eine Zusammenarbeit. «Das war naheliegend, da ich bei den Vikingern, die Mitglied bei den Vereinigten sind, und den Kult-Ur-Fasnächtlern bin», begründet Ochsenbein.

Doch das ist Schnee von gestern, die Kult-Ur-Fasnächtler mit ihren 15 Mitgliedergruppen ziehen längst ihr eigenes Ding durch. Mit einem Zögli durch die Altstadt und dem Stationieren auf dem Weinmarkt sind ihnen Bewunderung und Respekt gewiss. Der Weinmarkt ist ihre Heimat, hier stellen sie sich abends zur Schau. Dafür wird jeweils der Brunnen mit Metall eingekleidet und mit Emblemen geschmückt – er ist das Wahrzeichen der Kult-Ur-Fasnächtler.

Heuer beleben sie schon zum 25. Mal die Lozärner Fasnacht. Übrigens ohne spezielles Brimborium. Man feiere alle zehn Jahre, so Ochsenbein.

  • Umzug der Kult-Ur-Fasnächtler durch die Luzerner Altstadt. (© Boris Bürgisser)
  • Umzug der Kult-Ur-Fasnächtler durch die Luzerner Altstadt. (© Boris Bürgisser)
  • Umzug der Kult-Ur-Fasnächtler durch die Luzerner Altstadt. (© Boris Bürgisser)

Im Jahr 1993 wurden die Luzerner Kult-Ur-Fasnächtler gegründet. Die Bildergalerie zeigt Fotos von 2017.


Leserkommentare

Anzeige: