Einblicke

Zum Namenswettbewerb für das neue SGV-Schiff: Mitreden?

Öffentliche Mitwirkung: Christian Peter Meier kommentiert den Namenswettbewerb für das neue Schiff der SGV, das auf den Namen Diamant getauft wurde.
14. Mai 2017, 08:40

Öffentliche Mitwirkung. So nennt die Politik den aktuellen Trend, möglichst viele direkt oder indirekt betroffene Personen in einen Entscheidungsprozess einzubinden. Böse Zungen sagen, öffentliche Mitwirkung sei die Kunst, andere mitreden zu lassen, ohne vom eigenen Ziel abrücken zu müssen. Möglicherweise ein Lehrstück in dieser Kunst hat uns jüngst die Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) geliefert – und zwar mit dem Namenswettbewerb für das neue Schiff, das nun auf den Namen Diamant getauft wurde.

Lassen Sie mich mit Blick auf den an sich ja sehr sympathischen und harmlosen Wettbewerb ein wenig spekulieren. Dabei ist es nützlich zu wissen, dass das zweitjüngste Schiff der Flotte Saphir heisst. Hat es sich die SGV allenfalls zum Ziel gesetzt, noch weitere Boote nach Edelsteinen zu benennen, und dereinst etwa auch noch ein MS Achat, Rubin, Smaragd oder eben Diamant auf dem See verkehren zu lassen? Abwegig wäre der Plan nicht. Gesetzt den Fall, ich wäre Marketingleiter eines ähnlichen Tourismusunternehmens. Gesetzt den Fall, ich hätte die Vorstellung, wie ein neues Prestigeprojekt zu benennen sei. Gesetzt den Fall, ich hätte es mir zum Ziel gesetzt, im Rahmen einer Publikumsaktion gehörig die Werbetrommel zu rühren. Dann würde ich ebenfalls einen Namenswettbewerb lancieren und so verfahren: 

Zuerst riefe ich die Bevölkerung dazu auf, möglichst viele Vorschläge einzureichen. Die Medien fänden die Idee grossartig und würden grosszügig berichten. Ich würde nun dafür sorgen, dass mein Wunschname von einer beliebigen Person eingereicht wird, sofern das nicht ohnehin schon geschehen wäre. Nun brächte ich eine «Fachjury» ins Spiel. Sie hätte die Wettbewerbsbeiträge zu sichten und eine Vorauswahl zu treffen. Selbstredend nähme ich in der Jury Einsitz und würde meinen Favoriten in die Auswahl wählen – zusammen mit lauter langweiligeren Vorschlägen. Nun gäbe ich dem Volk das letzte Wort. Es würde sich mit einiger Sicherheit für meinen Favoriten entscheiden. Und dabei der Illusion erliegen, nicht manipuliert worden zu sein.

Christian Peter Meier
Leiter Reporterpool

christian.meier@luzernerzeitung.ch


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