Feucht, farbig, frech: 22'222 Begeisterte säumen Umzug in Emmen

FASNACHT ⋅ Begeisterung kennt kein Wetter: Zehntausende verfolgten im Schneeregen die heissen Sujets – und wie ein klatschnasses Ämmali schnell Feuer fing.
11. Februar 2018, 18:30

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Während sich die Stadt Luzern am Sonntag vorwiegend umzugsfrei zeigte, hatten in der Agglomeration und im restlichen Kanton etliche Gruppen und Einzelmasken ihren grossen Auftritt. Den Anfang machen wir an dieser Stelle mit Emmen: Hier fehlte einzig die Sonne für den 41. Fasnachtsumzug. Mit 34 Nummern und einer guten Handvoll Wilden wurde dem garstigen Umzugs-Wetter getrotzt. Von den Wetterkapriolen unbeeindruckt waren auch die Zuschauer. Laut dem Ämmer Fasnachtskomitee sollen exakt 22'222 Begeisterte die Fasnachtsroute gesäumt haben.

Den Umzug eröffnet haben traditionell die Tambouren und Pfeifer des Tambourenvereins Gerliswil-Emmen. Sie spielten den Basler Fasnachtsmarsch Arabi. Umringt von Ämmer Häxen rollte gleich danach Emmens Fasnachtspatronin, das Ämmali, die Gerliswilstrasse hinauf. Jahr für Jahr zieht sie majestätisch in blauem Gewand den Hang hinauf, um dann elegant zum Chilbiplatz zu rollen und dort ihre Verbrennung abzuwarten. Doch davon später.

Denn bereits als Nummer drei zog die nächste Gruppe vorbei und zwar als Schnee-Eulen, quasi als Boten des Winters. Nomen est omen konnte man hier sagen, denn es schien als hätten die Lozärner Glatzesträhler einen direkten Draht zu Frau Holle oder zumindest einen Knopf, um es just bei ihrem Auftritt Schneien zu lassen.

Sport ist ein weiter Begriff und nicht zwingend gesund. Das sehen auch die legendären Ämmer Promiller kurz LÄP. Sie haben mit ihrem 16. Umzugsauftritt wieder einmal voll ins Schwarze getroffen und einmal mehr vor Augen geführt, dass Emmen seinen bernfreien Drive hat. Denn Olympia findet – mit oder ohne Bundesmilliarde – eh in Emmen statt. LÄP ist gerüstet und nimmt Anmeldungen ab Aschermittwoch entgegen. Doch die Gruppe warnt: als Doping werde nur Schnupf und Schnaps akzeptiert.

Von Berg und Tal von Nah und Fern

Direkt von den Bergen, genauer vom Pilatus, reihte sich Emmens älteste Guuggenmusig Gaugewäudler – Gründungsjahr 1976 – ein. Ganz getreu ihrem Sujet: Der Berg ruft. Als Familiengruppe aus Emmenbrücke sind einst die Ämmer-Yäzzis gestartet. Das war vor 18 Jahren mit 14 Kindern und 8 Frauen. Heuer liefen sie unter dem Motto: «Black is beautiful» und trugen den Mohrenkopf zu Grabe: «Hier ruht der Mohrenkopf. Er wurde zum Rassist, der arme Tropf. Er ruhe in Gottes Namen, Amen.»

Weniger politisch doch ganz helvetisch war die Ameisi Zunft Rothenburg dabei. Für sie ist klar: «Wotsch en rüüdigi Fasnacht ha, muesch met de Helvetia gah.» Damit wird aber nicht nur die allegorische Frauenfigur für die Eidgenossenschaft angesprochen, sondern auch ein Versicherer. Denn Zunftmeister Roger Johler bleibt auch nach der Fasnacht mit Helvetia verbunden. Nicht eidgenössisch, sondern gezielt lozärnerisch tritt die Gruppe Noteheuer auf. Sie brauchen weder Statue noch Föhnfrisur, sondern den Luzerner Leu, um ihr Motto Lozärn First zu präsentieren.

Den Winter vertreiben wollten auch die Borggeischter Musig Roteborg. Trotz ihren Sonnengöttern liess sich Petrus nicht erweichen und schickte weitere Tropfen. Die Temperaturen blieben im Keller, dafür stieg aber die Stimmung.

Umzugsziel und Treffpunkt für die After-Umzugsparty, die übrigens bis kurz vor der Luzerner Tagwache gedauert haben dürfte, war der Chilbiplatz. Und dort wurde auch das «Ämmali» verbrannt. Obwohl vom grausligen Wetter völlig durchnässt, brannte sie im Nu. Das heisst laut Emmens Häxenlatein, dass das Ämmali das Jahr 2017 unschuldig hinter sich gebracht hatte und deshalb nicht lange leiden musste. Und nicht nur das. Das schnelle Abfackeln verspricht ein mildes Klima: nicht nur meteologisch, sondern vor allem auch politisch.

  • Borggeischter Rothenburg. (© Pius Amrein / LZ (Emmen, 11. Februar 2018))
  • Bööggen-Union. (© Pius Amrein / LZ (Emmen, 11. Februar 2018))
  • Risorius. (© Pius Amrein / LZ (Emmen, 11. Februar 2018))

Am Sonntag zogen Fasnächtler mit ihren Wagen und in ihren Verkleidungen durch Emmen. Über 22'000 Zuschauer liessen sich die 34 offiziellen Nummern und wilde Gruppen nicht entgehen.

Video: Umzug Emmen

Einzig die Sonne fehlte. Mit 34 Nummern und einer guten Handvoll Wilden wurde in Emmen dem garstigen Umzugs-Wetter getrotzt. Von den Wetterkapriolen unbeeindruckt waren auch die Zuschauer. Laut dem Ämmer Fasnachtskomitee säumten 22’222 Begeisterte die Fasnachtsroute. (Pius Amrein, 11.02.2018)




Leserkommentare

Anzeige: