Elektroläden suchen ihre Nische

WIRTSCHAFT ⋅ Das Unterhaltungselektronik-Fachgeschäft Expert Enz ist von Luzern nach Kriens gezogen – auch wegen der Parkplatzsituation. Doch die Branche plagen noch andere Sorgen.
08. August 2017, 04:38

Natalie Ehrenzweig

region@luzernerzeitung.ch

Über 30 Jahre befand sich das Radio- und TV-Geschäft Expert Enz an der Winkelriedstrasse in Luzern. Ausserdem hatte man noch einen zweiten Laden und ein Lager in Kriens sowie eine Filiale in Schüpfheim. «In den letzten Jahren hat sich das Kaufverhalten der Menschen verändert», sagt Inhaber Bruno Grüter. «Weniger Leute kommen in den Laden, auch weil es in der Stadt immer schwieriger wird, einen Parkplatz zu finden.»

Dem Parkplatzproblem ist er letzten Monat mit dem Umzug an einen neuen Standort in Kriens ausgewichen. «Hier an der Langsägestrasse 11 haben wir Parkplätze gleich vor dem Laden», sagt Grüter. Doch seine Sorgen ist er damit nicht los. «Die grossen Märkte und Internetshops drücken die Preise, sodass die Margen der Geräte gesunken sind.» Ganz aus Luzern verschwunden ist Expert Enz übrigens nicht: «Unser Schaufenster haben wir behalten.»

«Grossverteiler sind sehr preisaggressiv»

Unter ähnlichen Problemen leiden auch andere Radio- und TV-Geschäfte. EP: Steffen ist gemäss Inhaber Thomas Steffen mit 85 Jahren das älteste Geschäft in Luzern in dieser Branche. «Auch wir merken natürlich, dass sich der Markt verändert hat. Gerade Webshops und Grossverteiler sind sehr preisaggressiv», sagt Steffen. Für ihn hat sich die Frage des Umzuges allerdings nie gestellt: «Wir möchten für unsere Kunden in der Stadt erreichbar sein und setzen weiterhin auf eine kompetente Beratung und Service auch nach dem Kauf.» Auch bei ihnen schaue zwar weniger Laufkundschaft herein, aber Expert Enz sei halt viel verzettelter gewesen, da habe der Umzug sicher Sinn gemacht.

Genau dies soll nun geändert werden. «Wir schliessen das zweite Geschäft und das Lager in Kriens und behalten nur die Filiale in Schüpfheim», sagt Bruno Grüter. Um die Kundschaft trotz des Preisdruckes halten zu können, setzt er auf Dienstleistungen. «Wir machen zum Beispiel Heimberatungen. Nach dem Kauf bieten wir auch die Lieferung, das Anschliessen, Einrichten und Erklären der Geräte an.» Einerseits seien ältere Leute auf diese Serviceleistungen angewiesen, da das Einstellen und Vernetzen aller Geräte komplex geworden sei. «Aber wir haben auch jüngere Kunden, die schlicht nicht die Zeit haben, sich darum zu kümmern.»

Serviceleistungen werden wichtiger

Die Komplexität und Vernetzbarkeit der Geräte werde in Zukunft wohl gar zunehmen. Bruno Grüter nennt als Beispiel Stereoanlagen: «Wo man früher noch einen Turm und Lautsprecher hatte, hat man heute eine Soundbar, von der man Musik in alle Räume streamen kann oder vom Handy abspielen kann.»

Den Druck spürt auch TV Eris­mann. «Doch die sinkenden Gerätemargen kompensieren wir durch Serviceleistungen», sagt Geschäftsinhaber Peter Meyer. «Diese sind von hoher Qualität und werden im umkämpften Markt immer wichtiger.» Er ist jedoch von seinen zwei Standorten in der Stadt, die die Firma seit 50 Jahren betreibt, überzeugt. «Wir fahren eine Nischenstrategie und bieten viele Premium-Marken an.» In Zukunft müsse man sich immer schneller den veränderten Bedürfnissen anpassen, um auf dem Markt bestehen zu können.

Die Herausforderungen, denen sich der Fachhandel gerade in der Stadt ausgesetzt sieht, gelten wohl branchenübergreifend. «Viele Leute denken kurzfristig nur an den Preis und bestellen im Internet», sagt Thomas Steffen. «Sie vergessen, dass wir eine Gemeinschaft sind, dass wir voneinander leben. Der Fachhandel hat einen immer schwierigeren Stand. Wir müssen die Bevölkerung dafür sensibilisieren: Wenn sie die Diversität haben möchten, müssen sie natürlich auch in den Läden einkaufen.»


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