Kurt Heimann haucht dem Stadtcafé Sursee Kultur ein

SURSEE ⋅ Kurt Heimann (73) ist Verleger und blickt als Besitzer des Stadtcafés Sursee auf 17 erfolgreiche Jahre zurück. Obwohl es in seinem jüngsten Projekt ums Aufräumen geht, hat er noch viele Ideen für Neues.
16. Mai 2017, 07:32

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Der Lärmpegel ist hoch, draussen wie drinnen sind alle Tische des Stadtcafés Sursee besetzt. Mittendrin sitzt Eigentümer Kurt Heimann (73) – vor ihm ein Stapel Bücher seines Verlags Edition Stadtcafé. Sein jüngstes Werk dreht sich ganz ums Aufräumen. «Ein Buch, das jeden angeht und motivieren soll», sagt der Verleger. Bloss drei Monate vergingen von der Idee bis zum gedruckten Exemplar. Zeichner Oskar Weiss, Redaktor Hans Wüst und Grafiker Roger Sager brachten das Buch in Form.

Verfassen wollte es Kurt Heimann ursprünglich selber. Dann aber kam ihm die Idee für ein «Crowdwriting-Projekt», wie er dieses bezeichnet. Er schrieb 100 Bekannte und Freunde an. 78 Kurzbeiträge erhielt er zurück. Auch bekannte Namen wie Andreas Hofer, Knox Niklaus Troxler, Charles Lewinsky, Angela Rosengart oder Uli Sigg finden sich unter den Autoren. Die Bandbreite der Beiträge reicht von Kurzgeschichten über Gedichte bis zu Illustrationen. «Ich war überrascht, dass es bei den Beiträgen keine Doppelspurigkeiten gegeben hat», sagt Heimann, der selber einen Beitrag verfasst hat. Und er betont, dass er alleine nie eine solch vielfältige Abhandlung zum Aufräumen hätte verwirklichen können.

Sein Verlag hat schon mehrere Bücher herausgegeben – etwa mit auswärtigen Autoren, die in Sursee weilten und darüber Kurzgeschichten verfassten oder über Grenzwanderungen rund um Luzern. Ein nächstes Projekt hat Heimann noch nicht in der Pipeline, wohl aber Ideen. Mit einem Schmunzeln ergänzt er: «Das Thema Aufräumen gehört eigentlich an den Schluss, da ist es schwierig, wieder etwas Neues zu beginnen.» Seinen Verlag, der seit zehn Jahren besteht, sieht Heimann als Kulturengagement und spricht diesem einen kommerziellen Zweck ab. Er sei eben ein Bücherfreund, erklärt er.

Stadtcafé: Vom Kleiderladen zum Kulturort

Umso mehr geniesst er als Pensionär «den Luxus einer leeren Agenda», um sich in Geschichten zu vertiefen. Ab und an trifft man Kurt Heimann auch in seinem Stadtcafé. Er betont aber: «Ich halte mich im Hintergrund.» Nach wie vor ist er für die Administration des Stadtcafés zuständig, das es seit 17 Jahren gibt. Seither ist es als Kulturort zu einer fes­ten Grösse geworden. «Das Stadtcafé hat einen Kulturauftrag», sagt denn auch Heimann. Dessen seien sich die Betreiber und Geschäftsleiterin Ursula Koller bewusst. Heimann selber nimmt regelmässig an Planungssitzungen für das Kulturprogramm teil und bringt Ideen ein.

Der Entscheid, das Stadtcafé zu eröffnen, war für Heimann kein einfacher. Denn er bedeutete gleichzeitig, das Modehaus Heimann aufzugeben. Wo heute Kaffee getrunken, geplaudert und gejasst wird, wurden früher Kleider anprobiert und gekauft. 1873 war es, als Kurt Heimanns Urgrosseltern ins Städtli Sursee zogen. Mit Stoffmustern reisten seine Vorfahren auf der Luzerner Landschaft von Dorf zu Dorf. Die Bauernfamilien engagierten damals Störschneider, welche die Kleider anfertigten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich der Stoffladen zum Konfektionsgeschäft.

Den jungen Heimann zog es aber zunächst mal weg von Sursee. Mit zwanzig Jahren ging er nach Zürich und schloss ein Ökonomiestudium ab. Geschäftlich verbrachte er auch einige Jahre in den USA. Mit vierzig übernahm er dann das Geschäft, liess sich wieder in Sursee nieder und lebte mit seinen zwei Adoptivsöhnen und deren Mutter in seinem Elternhaus. Ein Jahr lang sass Heimann auch im Stadtrat. Zu seiner Heimatgemeinde sagt er: «Sursee hat Charme, ich fühle mich wohl hier – wenn auch etwas unter Kontrolle.» Seit seiner Schulzeit hat sich die Einwohnerzahl verdoppelt, die Geschäfte seien nach und nach aus dem Städtli gedrängt worden. Dafür gibt es immer mehr Restaurants, Bars und Cafés. Heimann unterstreicht: «Ich bereue es keine Minute, dass ich zurückgekehrt bin.»

Hinweis

«Aufräumen» ist im Buchhandel, www.edition-stadtcafe.ch oder im Stadtcafé für 18 Franken erhältlich.


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