«Ein Brand wie in London ist in Luzern sehr unwahrscheinlich»

LUZERN ⋅ In London ist am Mittwoch ein 24-stöckiges Hochhaus fast komplett ausgebrannt. Wie sicher sind die Hochhäuser in Luzern? Ein Experte der Gebäudeversicherung Luzern klärt auf.
14. Juni 2017, 16:37

Ein Grossbrand in einem Hochhaus im Westen Londons hielt die Rettungskräfte den ganzen Mittwoch auf Trab. Das 24-stöckige Gebäude mit 130 Wohnungen stand vom zweiten Stock aufwärts komplett in Flammen. Mehrere Menschen kamen dabei ums Leben, dutzende weitere wurden verletzt (» zum Artikel). 

Das Unglück wirft Fragen bezüglich der Sicherheit der hiesigen Hochhäuser im Kanton Luzern auf – wie etwa den Allmend-Hochhäusern oder den beiden älteren Hochhäusern am Ahornweg in Emmen. Boris Camenzind, Abteilungsleiter Prävention bei der Gebäudeversicherung Luzern, nimmt Stellung.

Herr Camenzind, was hat das Unglück in London bei Ihnen ausgelöst?

Boris Camenzind: Es war erstaunlich zu sehen, wie schnell der Brand sich aussen am Gebäude nach oben ausbreitete. In der Schweiz haben ältere Hochhäuser von Gesetzes wegen umlaufende Brüstungen aus Beton. Das dient dazu, dass sich das Feuer nicht gleich in den oberen Stock ausbreitet.

Das Gebäude in London wurde Ende der 70er-Jahre gebaut. Könnte ein solches Unglück auch ein altes Hochhaus in unserer Region ereilen?

Das ist sehr unwahrscheinlich. Die Sicherheitsvorschriften hierzulande sind hoch. Seit den 1960er-Jahren ist die kantonale Verordnung in Kraft, die unter anderem regelt, dass eine Schleuse die Wohnungen vom Treppenhaus trennen muss. Diese Schleuse verhindert, dass Rauch aus den Wohnungen ins Treppenhaus zieht. 

Ausserdem müssen Hochhäuser in der Schweiz mindestens eineinhalb Stunden lang Feuerwiderstand leisten können. In der Zwischenzeit sind Rettungskräfte längst vor Ort und die Bewohner vermutlich bereits evakuiert. Zu guter letzt dürfen in der Schweiz keine brennbaren Materialen in den Hochhäusern und deren Fassaden verbaut werden.

Aber auch hier kam es schon – wenn auch nur zu kleineren – Vorfällen.

Ja. Allerdings hauptsächlich während Umbau- oder Renovierungsphasen. In diesen Fällen stellt dies normalerweise keine Gefahr für die Bewohner dar.

Die Allmend-Hochhäuser haben sechs Stöcke mehr als jenes in London. Wie sieht es dort bezüglich Feuersicherheit aus?

Seit 2005 werden in neuen Hochhäusern sogenannte Sicherheitstreppenhäuser gebaut. Im Falle eines Brandes werden die Schleuse und das Treppenhaus in einen Überdruck versetzt. So wird zusätzlich verhindert, dass Rauch von Wohnungen in das Sicherheitstreppenhaus gelangen kann. Zudem verfügen die beiden Wohntürme auf der Luzerner Allmend über eine Sprinkleranlage, welche einen Brand sofort automatisch löscht.

Wie werden im Kanton Luzern die hohen Sicherheitsstandards zu jeder Zeit gewährleistet?

Periodische Kontrollen finden alle zehn Jahre statt. Wir können dann den Besitzern Vorschläge oder bei Bedarf gar Auflagen zur Verbesserung des Brandschutzes machen. Im Kanton Luzern haben wir zudem viele Hochhäuser aus den 70er-Jahren. Diese sind sanierungsbedürftig und werden dann in der Regel mit einer automatischen Brandmeldeanlage und einer Rauch- und Wärmeabzugsanlage ausgestattet.

chg


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