570 Ämter der kantonalen katholischen Kirche werden neu besetzt

LUZERN ⋅ Bald stehen die ersten grossen Wahlen der katholischen Kirche an. Insgesamt gilt es rund 570 Ämter zu besetzen. Warum in der Öffentlichkeit davon kaum etwas zu spüren ist, erklärt die Synodalratspräsidentin.
15. Februar 2018, 16:16

Interview: Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Alle vier Jahre stehen in der katholischen Kirche die Wahlen der öffentlich-rechtlichen Gremien an. Dies ist demnächst wieder der Fall: Am 26. Februar werden in den 85 Kirchgemeinden im Kanton Luzern die Kirchenräte und Kirchmeier neu gewählt. Das sind über 470 Personen. Hinzu kommen die Rechnungskommissionen sowie die 100 Mitglieder der Synode, die auf staatlicher Ebene dem Kantonsrat entspricht. Das neu zusammengesetzte Parlament der Katholiken wählt dann am 20. Juni den Synodalrat, dem Pendant zum Regierungsrat. Speziell: Drei der neun Mitglieder treten nicht mehr an.

Annegreth Bienz-Geisseler aus Entlebuch ist Präsidentin des Synodalrats. Im Interview mit unserer Zeitung sagt sie, dass die kirchlichen Wahlen durchaus thematisiert werden – und auch Kampfwahlen möglich sind.

Annegreth Bienz, in wenigen Tagen werden im Kanton Luzern über 570 Personen neu in verschiedene Ämter gewählt. In der breiten Öffentlichkeit ist davon aber kaum etwas zu hören – oder täuscht dieser Eindruck?

Ja, ich erlebe das anders. Wir haben schon letztes Jahr mit den Vorbereitungen begonnen und die Kirchgemeinden instruiert. Zudem sind die Wahlen in den Regionen durchaus ein Thema. An gewissen Kirchgemeindeversammlungen hat man die Mitglieder schon darauf aufmerksam gemacht.

Trotzdem: Der Wahlkampf der Luzerner Kantons- und Regierungsräte beispielsweise ist längst lanciert – obwohl diese Wahlen erst in einem Jahr stattfinden.

Das kann man nicht vergleichen. Unsere Wahlen betreffen nicht die ganze Bevölkerung, sondern bloss eine Konfession. Und bei den Katholiken haben die Wahlen durchaus einen hohen Stellenwert, da bin ich mir sicher.

Im Kanton Luzern leben rund 207'000 Katholiken, was einem Anteil von knapp 62 Prozent entspricht. Doch gibt es überhaupt genügend Interessenten für die Ämter?

Ich bin zuversichtlich, dass wir alle Ämter besetzen können. Da und dort wurden Findungskommissionen eingesetzt. Auch die Parteien portieren wieder Leute.

Inwiefern spielt denn das Parteibuch in der Kirche eine Rolle?

Das Parteibuch an sich spielt keine Rolle. Es ist aber wichtig, dass die Parteien in den verschiedenen Ämtern vertreten sind. Die Landeskirche soll möglichst breit abgestützt sein. Dadurch weiss auch die Politik, was in der Kirche läuft.

Dann könnte es sogar Kampfwahlen geben?

Die meisten Ämter werden wohl in stiller Wahl besetzt. Aber ja, Kampfwahlen gibt es immer wieder. Vor vier Jahren war dies etwa in Ballwil, Egolzwil-Wauwil und Sursee der Fall.

Auffallend ist: Drei der neun Synodalräte treten nicht mehr an. Wie kommt das?

Das ist nichts Aussergewöhnliches. Die Synodalräte nehmen durchschnittlich zwei bis drei Amtsperioden wahr. Genau das ist nun bei den Zurücktretenden der Fall: Ruth Mory (Wauwil) ist seit 2010 Synodalrätin, Maria Graf (Oberkirch) und Thomas Trüeb (Meggen) sogar schon seit 2006. Letztere waren zudem schon zuvor im Kirchenrat aktiv. Vor zwölf Jahren waren sogar vier Synodalratsmitglieder zurückgetreten, vor acht Jahren waren es ebenfalls drei.

Ist denn das Amt des Synodalrats zu wenig attraktiv?

Das denke ich nicht, im Gegenteil: Weil man das Amt im 20-Prozent-Pensum nebenberuflich ausübt, kann man eigenes Wissen einbringen und sich zusätzliche Kompetenzen aneignen. Das ist extrem spannend. Und dank des Neuner-Gremiums verfügt der Rat auch über genügend Kontinuität – obwohl alle vier Jahre ein bis vier Personen zurücktreten.

Gleiches im Parlament: Auch hier treten heuer 44 der 100 Mitglieder, die sogenannten Synodalen, zurück.

Auch das liegt im Rahmen der letzten Wahlen. Klar, auch in der Kirche haben wir tendenziell immer mehr Mühe, Leute für freiwilliges Engagement zu finden. Das ist in Vereinen nicht anders. Aber das Interesse für die Ämter ist durchaus vorhanden. Man kann sich vielen spannenden Aufgaben stellen.

Welches Rüstzeug müssen die Synodalen mitbringen?

Ein gewisses Interesse und Verständnis für den kirchlichen Betrieb ist von Vorteil. Die Synodalen sollen auch einen Draht zur Basis haben – ein offenes Ohr ist also immer gut.

Die neue Amtszeit beginnt für die Synodalen, die Mitglieder der Kirchenräte und Rechnungskommissionen am 1. Juni, jene des Synodalrats einen Monat später. Was sind die Ziele für die nächsten vier Jahre?

Wir möchten mehr in die Öffentlichkeitsarbeit investieren. Die Kirche und ihr Wirken sollen sichtbarer werden. Zum Beispiel haben wir ein eigenes Bildungsprogramm oder leisten einen jährlichen Beitrag an die Theologische Fakultät der Universität Luzern. Die Steuerzahler haben ein Recht zu erfahren, was mit ihrem Geld geschieht.

Hinweis
Annegreth Bienz-Geisseler (53) ist seit 2012 Synodalrätin, 2018 und 2019 präsidiert sie das neunköpfige Gremium. Die Entlebucherin war zuvor neun Jahre Präsidentin der dortigen Kirchgemeinde. Bienz ist verheiratet und Familienfrau.


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