Es regnet wieder – und keinen interessiert’s

HEITERE OPEN AIR ⋅ Der zweite Heitere-Abend widmet sich traditionell der Musikgeschichte. An der Magic Night begeisterten vier Bands aus dem In- und Ausland beinahe sämtliche Fans.
10. August 2017, 06:59

«It’s Raining Again» ist einer der grossen Hits von Roger Hodgsons früherer Band Supertramp. Damit wäre der gestrige Abend zu einem Teil beschrieben. Denn just mit dem Konzertbeginn des Thuner Bluesmans Philipp Fankhauser wurde es auf dem Heitere düster, kurz darauf regnete es wie aus Kübeln.

«Nei, mues das si?», wetterte eine Besucherin und klaubte eine Pelerine aus ihrer Handtasche. Danach verfolgte sie den Auftritt von Fankhauser und seiner starken Band. Stark war auch das Publikum – man hatte nämlich bald den Eindruck, dass der Regen ziemlich allen egal ist. Viele tanzten relativ ausgelassen. «Wir sind vorbereitet auf das Wetter. Zudem ist die Musik super», sagte Christian Kostezer aus Brugg, der mit Angelica Bütler aus Frick bestens gelaunt die Hüften kreisen liess. Er war vor 15 Jahren zum letzten Mal auf dem Heitere, sie feierte gestern Premiere.

Ein Lied für die siebenjährige Lilly

Fast mit dem letzten Ton von Fankhausers Band liess der Regen nach. Ein Steilpass für Roger Hodgson, der zur Begrüssung der 6500 Besucher der Magic Night – die ihrem Namen mehr als gerecht wurde – meinte, er habe eigentlich mit «It’s Raining Again» starten wollen, werde den Song nun aber am Schluss spielen. Er wollte die Sache wohl nicht verschreien. Er begann mit «The Long Way Home» und hatte die Menge damit bereits gewonnen. Es folgte Tophit um Tophit. Hodgson erwies sich als sehr sympathischer Entertainer, der viel mit den Leuten redet. So fragte er in der Mitte des Auftritts nach einer siebenjährigen Lilly Isenegger. Irgendjemand reckte eine Hand hoch. Hodgson sagte in diese Richtung, er habe den Song «In Jeopardy» für Lilly singen sollen. Er habe dies aber vergessen und singe stattdessen «Dreamer» für sie und für alle Träumer. Ein grosser Teil der Fans sang bei den meisten Liedern mit – bei «Give A Little Bit» schier die gesamte Besuchermenge und beim Regenlied am Schluss des Auftritts sowieso. Philipp Gut aus St. Urban sagte: «Das war fantastisch. Ich fühlte mich in meine Jugendjahre zurückversetzt, als wir zu Supertramp im Jugendkeller tanzten und ich heimlich für meine um ein Jahr ältere Lehrlingskollegin schwärmte.»

Den Auftakt der Magic Night machte Endo Anaconda mit seiner Band Stiller Has. Den Auftritt des Quintetts erlebten und genossen die Fans noch mit trockener Kleidung und Schuhwerk. Wobei das mit dem Geniessen so eine Sache ist. Willie Hayoz aus Aarburg zum Beispiel findet Anaconda «der Hammer. Er erzählt so gute Geschichten. Man glaubt ihm jedes Wort. Aber er polarisiert.» Er weiss, wovon er spricht, denn seine Frau Mary mag Anaconda gar nicht. «Das Konzert ist zwar gut, aber der Typ nervt.» Man kann über ihn denken, wie man will, dem Künstler hats auf dem Heitere gefallen: «Merci vöu mau för dä schön Abig», verabschiedete er sich vom Publikum. Den Abschluss machten Toto. Mit ihren Welthits wie «Hold The Line» unterstrichen sie das Motto des gestrigen Abends – magic.

 

Roger Rüegger, Zofingen

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

  • rogergruetter.com
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Vom 11. bis 13. Augist findet in zofingen das Heitere Open Air statt. Bereits am Dienstag wurde mit dem Aufbau des Zeltplatzes begonnen.


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