«Es war sicher nicht immer einfach – auch mit mir nicht»

PERSÖNLICH ⋅ Ursula Frank (62), Assistentin des Chefredaktors und Honorarbuchhalterin, ist die dienstälteste Mitarbeiterin unserer Zeitung. Ende Juni hat die Bündnerin ihren letzten Arbeitstag am Maihof. Was dann kommt, wird sie (auch) geniessen.
15. Mai 2017, 04:38

Ursula Frank, Sie haben als Ferienaushilfe bei der C. J. Bucher AG/LNN im Löwencenter angefangen. Vor 39 Jahren. Wie lange wollten Sie bleiben?

Als Ferienaushilfe weiss man nie, wie lange eine Anstellung dauert. Ich dachte, dass es ein befristeter Nebenverdienst bleibt.

Die Frist erstreckt sich bis Ende Juni dieses Jahres. Was hat Sie so lange bei unserer Zeitung gehalten?

Der damalige Dienstchef der LNN-Redaktion hat mir eine 100-Prozent-Festanstellung angeboten. Also bin ich geblieben.

Wie ist es als Nicht-Journalistin, so lange Zeit mit Redaktoren und Fotografen zu verbringen?

Die Arbeit auf der Redaktion habe ich immer als sehr interessant und abwechslungsreich empfunden, deshalb bin ich ja noch hier. Ich komme mit Journalisten, die ohne Frage eine spezielle Art von Menschen sind, gut zurecht und sie mit mir – fast alle.

Sie erwähnten gegenüber unserem ehemaligen Chefredaktor Thomas Bornhauser einmal, wir Journalisten seien «Büffel».

Ihr seid Büffel, das meine ich nicht böse.

Können Sie dies präzisieren?

Die rohen und direkten Leute sind mir lieber als jene, die um den heissen Brei herumreden.

Sie leiten heute auch das Redaktionssekretariat. Was war zu Beginn Ihre Aufgabe?

Damals war ein Grossteil der Arbeit im Sekretariat das Abschreiben von Manuskripten. Etwa Artikel von freischaffenden Journalisten, die per Post eingesandt wurden, Leserbriefe oder auch telefonisch übermittelte Korrespondentenbeiträge.

Es gab noch keine Computer?

Das erste computerähnliche Gerät war eine Olivetti-Schreibmaschine. Auf dem Display konnte man eine Zeile erkennen, später gab es Schreibautomaten, auf denen vier Zeilen angezeigt wurden. Das war Wahnsinn. Wir tippten Manuskripte ab, und zwar im Dreischichtbetrieb bis um 23.30 Uhr. Berichte vom Eishockey oder Fussball, die am nächsten Tag in der Zeitung stehen mussten. Es gab keine Fax-Geräte oder elektronische Übermittlung. Es pressierte immer, weil der Kurier wartete, um den Text nach Adligenswil in die Druckerei zu bringen.

Dieser Zeit trauern Sie bestimmt nicht nach?

Diese Momente vermisse ich wirklich nicht!

Wie ist jetzt Ihr Berufsalltag?

Heute habe ich es immer noch mit freien Mitarbeitern und Lesereinsendungen zu tun. Bis vor zwei Monaten war auch die Honorarbuchhaltung mein Geschäft. Zudem honoriere ich Leserbilder, die in der Zeitung veröffentlicht werden, und vieles mehr.

Bei den LNN waren Sie 18 Jahre. Am 1. Januar 1996 erfolgte die Fusion mit der «Luzerner Zeitung» zur Neuen LZ. Wie erlebten Sie den Zusammenschluss der beiden Zeitungen, die in starker Konkurrenz zueinander standen?

Zuerst erschrak ich furchtbar. Wir von den LNN sollten plötzlich mit denen vom Maihof gemeinsame Sache machen? Den Mitarbeitern der LZ erging es wohl ähnlich. Aber schlussendlich waren wir froh, dass wir unsere Jobs behalten durften. Die Redaktoren, Fotografen und wir vom Sekretariat lernten einander mit der Zeit kennen. Heute kann man sich nichts anderes vorstellen.

Wie hat sich die Situation verändert seit damals?

Es ist wie in allen Branchen. Alles viel hektischer. Vielleicht haben die Mitarbeiter dadurch auch nicht mehr so einen grossen Zusammenhalt, weil man sich die Zeit füreinander nicht mehr nehmen will oder kann.

Wie viele Personen sind noch am Maihof, die mit Ihnen im Löwen-Center arbeiteten?

Ich kann sie an einer Hand abzählen: Hans Graber, Rainer Rickenbach und Thomas Bornhauser.

Stichwort Thomas Bornhauser. Er polarisierte als Chefredaktor im Haus wie auch bei den Lesern. Sie waren seine persönliche Mitarbeiterin. Wie war es, 20 Jahre seine rechte Hand zu sein?

Ich verbrachte mit ihm mehr Zeit als zu Hause, weshalb ich ihn wohl wie niemand sonst kenne hier auf der Redaktion. Es war sicher nicht immer einfach – auch mit mir nicht. Aber er war ein guter und erfolgreicher Chef. Und ein lieber Kollege. Direkt und ehrlich, mit allem Drum und Dran.

Was war das Highlight bei der «Luzerner Zeitung»?

Diese Frage habe ich erwartet. Ich habe ehrlich versucht, mich an ein Ereignis zu erinnern. Aber es gab nicht den Moment. Es waren deren viele. Wenn Kollegen geheiratet haben oder eine Kollegin ein Kind bekommen hat.

Weniger Spass hatten Sie mit jenen Journalisten, denen Sie regelmässig am Monatsende das Spesenblatt zurückgegeben haben, weil sie zu dämlich waren, es richtig auszufüllen. Werden wir Ihnen fehlen, wenn Sie in den vorzeitigen Ruhestand gehen?

Sicher werde ich euch vermissen. Vermutlich muss künftig mein Lebenspartner den Kopf hinhalten, wenn ich jemandem die Leviten lesen will.

Womit werden Sie sich beschäftigen? Was sind Ihre Hobbys?

Ich lese sehr gerne, und ich freue mich, dass ich in Zukunft viel Zeit habe. Ich werde endlich die Leute besuchen, denen ich schon lange versprochen habe, vorbeizukommen. Das sind viele Freunde und Verwandte im Bündnerland – aber zuallererst besuche ich meine Schwester, die mit ihrem Mann in Südafrika lebt.

Sie sind eine leidenschaftliche und zügige Autofahrerin.

Oh ja, ich habe gerne schnelle und schöne Autos. Ich hatte mehrere Modelle. Mein erstes war ein Deux Chevaux. Derzeit fahre ich einen richtig schnittigen Mercedes mit einem kräftigen Motor.

Sie sind nicht die Person, die gerne im Mittelpunkt steht. Aber eine Abschiedsparty schmeissen Sie trotzdem?

Ich werde mich schon von euch verabschieden. Einen Apéro gibt’s mit vielen Nastüchlein.

Sie gehen aber auch mit einem lachenden Auge?

Ja, natürlich. Der Abschied wird sicher emotional, aber ich freue mich trotzdem auf die schönen Dinge, die noch kommen.

Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch


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