Fast jeden Tag bestreitet er einen Wettkampf

EMMEN ⋅ Fridolin Wicki (67) gehört zu den besten Keglern der Schweiz. Er übt den Sport seit Jahrzehnten aus. So reichte es trotz äusserst bescheidenem Preisgeld für ein neues Auto.
05. August 2017, 07:43

Füsse parallel, Oberkörper gerade. Ein Schritt, der Arm schwingt locker am Körper vorbei, die Kugel setzt fein auf der Bahn auf, rollt nach vorne, zieht leicht nach rechts – und neun Kegel fallen. Fridolin Wicki (67) jubelt noch nicht. Denn mit einem guten Wurf ist nichts gewonnen. Kegeln verlangt Konstanz. Die legt der Emmer an den Tag.

An der Senioren- und Veteranenmeisterschaft diesen Frühling brachte er bei 60 Würfen durchschnittlich 8,5 Kegel zu Fall. Damit sicherte er sich bei den Elite-Veteranen den Meistertitel – nachdem er bereits bei der Schweizer Meisterschaft 2016 triumphiert hatte. Fridolin Wicki ist also einer der besten Kegler der Schweizerischen Freien Keglervereinigung (SFKV), eines von zwei nationalen Kegelverbänden. Durch einen Freund hat er vor 42 Jahren den Sport entdeckt. «Heute», sagt der pensionierte Chauffeur, «kegelt wohl niemand in der Schweiz so viel wie ich.»

265 Meisterschaften im Jahr 2016

Übersetzt in Zahlen, die Wicki in einer Tabelle säuberlich aufgelistet hat, heisst das: 2016 trat er an 265 Meisterschaften an, spielte dort jeweils 50 bis 100 Kugeln, gewann 55 Mal und legte dafür 23 000 Kilometer mit dem Auto zurück. Er spielt so oft, dass er inzwischen auf zusätzliche Trainingseinheiten verzichtet. Das bedeutet keineswegs, dass er die Szene dominiert. Die Luft an der Spitze ist dünn. Zwei verpatzte Würfe können eine Meisterschaft kosten. Um dieses Niveau zu erreichen, braucht es viel Erfahrung. Kegeln ist keine Sportart für Wunderkinder. «Man muss seinen Schuss aufbauen», erklärt Wicki. 14 Jahre dauerte es bei ihm, bis er 1989 mit dem dritten Rang im Kantons-Wettkampf (pro Kanton tritt eine Fünfermannschaft an) die erweitere Spitze erreichte.

Der soziale Aspekt ist wichtiger als der Sieg

Inzwischen hat er alle nationalen Turniere gewonnen: Die Senioren- und Veteranenmeisterschaft, den Einzelcup, mit seinem Klub River Boys Bern die Schweizer Meisterschaft und den Schweizer Klubcup. Besonders stolz ist er auf seine zwei Einzel-Schweizer-Meister-Titel 2000 und 2016. Damit ist er der erste Kegler, der im alten Modus mit einem Spieltag und im neuen Modus – mit Qualifikation und Finalrunde – gewonnen hat.

In sportlicher Hinsicht kann sich Wicki also nicht mehr steigern. Seiner Motivation tut dies jedoch keinen Abbruch. Beim Kegeln gehe es nicht nur um das Spiel, sondern auch um die Gesellschaft. An der Spitze herrsche ein gesunder, aber kein krankhafter Ehrgeiz. «Niemand verliert gerne, aber es geht ja um nichts.» Es gibt keine Preisgelder. Die obersten 40 Prozent einer Meisterschaft erhalten jeweils eine Kranzkarte im Wert von 10 Franken. Wichtiger: Turniere sind auch soziale Anlässe, Versammlungen von Gleichgesinnten.

Teilnehmerzahl schrumpft

Versammlungen freilich, die immer kleiner werden. Das Durchschnittsalter der Kegler steigt, der Nachwuchs schwindet. Früher traten 4000 Teilnehmer an der Schweizer Meisterschaft an. Im vergangenen Jahr waren es noch 1266. Klubs werden aufgelöst, Bahnen verschwinden. Die Entwicklung bereitet der Kegelvereinigung Sorgen. Fridolin Wicki glaubt aber nicht, dass sie sich umkehren lässt.

Noch wird aber weitergekegelt. Wickis Kalender für die kommenden Monate ist gut gefüllt. Er wird auch dieses Jahr ­viele Kilometer auf den Schweizer Strassen zurücklegen – ganz zur Freude des begeisterten Autofahrers. Neun Jahre lang hat er seine Kranzkarten gesammelt, 2700 Stück waren es am Schluss. Dieses Geld investierte er in ein sportliches Auto. Für seinen nächsten grossen Auftritt muss er jedoch keine grosse Distanz zurücklegen. Die Schweizer Meisterschaft 2017 findet vom 26. August bis 7. Oktober in der Kegelsporthalle Allmend in Luzern statt. Wicki wird auch dort 100 Würfe spielen: ehrgeizig, aber nicht verbissen.

 

Manuel Burkhard

region@luzernerzeitung.ch


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