Feurige Idee aus Amerika flammt im Hinterland auf

SCHÖTZ ⋅ Der Kulturverein Träff Schötz lädt am Samstag auf dem ehemaligen Zivilschutzareal zum besonderen Spektakel. Ein-Mann-Bands heizen tüchtig ein, und eine sieben Meter hohe Holzskulptur führt zum Höhepunkt.
25. August 2017, 09:11

Erneut wartet der Kulturverein Träff Schötz mit einer abgedrehten Idee auf. Nachdem bereits das Projekt «sagenhafte Höhenfeuer» oder der kulturelle Gang in Gummistiefeln durch den Ronkanal der Gruppierung das Prädikat «einzigartig» verliehen, setzen sich die Mitglieder mit dem «One Burning Man»-Festival erneut in Szene. Und weil sich der Träff jeweils zum Ziel setzt, den Anlass als Unikat laufen zu lassen, wird es den Event vom Samstag auf dem ehemaligen Zivilschutzareal in Schötz auch nicht ein zweites Mal geben.

Mit «One Burning Man» holt Träff Schötz das Burning-Man-Festival aus der Wüste Nevadas ins Hinterland: Auf der ehemaligen Industriebrache kommen Liebhaber von roher, ungefilterter Rockmusik auf ihre Kosten. Sieben One-Man-Bands spielen auf zwei Bühnen. Fünf davon betreten in der Region Neuland.

So sind beispielsweise mit Reverend Beat-Man, Urban Junior oder Co. die nationalen Grössen dieser Szene vor Ort. Einheimisch wird es mit Cello Inferno, der von Luzern ins Hinterland kommt. Seine Markenzeichen sind Gitarren aus Zigarrenkisten, ein Schlagzeug aus Kanistern und die feuerspuckende Kaffeemaschine. Zudem reisen drei Solokünstler aus dem Ausland an: Mit King Automatic, Zero Absolu und Mr. Marcaille sorgen drei Franzosen für zusätzlichen Ohren- und Augenschmaus. Davor, dazwischen und danach heizt DJ Wicked Wiggler mit Outsider-Hits der vergangenen 70 Jahre dem Publikum ein. Des Weiteren sorgt Mukke Bude für einen visuellen Farbtupfer. Die Luzerner Lichtkünstler-Kombo lässt unter anderem an einem Kran die Discokugel drehen.

Flammenkünstler entzündet Burning Man

Wie in der Wüste Nevadas steht auch beim Schötzer Pendant eine knapp sieben Meter hohe Holzskulptur im Zentrum der Szenerie. Für den «Burning Man» hat Träff Schötz zudem einheimisches Gewerbe mit ins Kulturboot geholt. Fast ein Dutzend Lehrlinge der Holzbauunternehmung Renggli AG, Schötz, fertigten die Skulptur an. Als «grösste Herausforderung» bezeichnet Martin Eiholzer «die relativ kleine Vorlage, vor allem in Bezug auf die Proportionen, auf die jetzige Grösse umzusetzen». Er sei aber erstaunt, wie die Jungs die Aufgabe umgesetzt hätten, so der Lehrlingsverantwortliche. Das Holz, das nicht verleimt sein durfte, holte man von einem Umbau in Gettnau.

Die Figur wird um 22 Uhr abgefackelt. Die Ehre dazu hat Flammenkünstler Andreas – alias Eisbär – Lanzendörfer. Und wer dann noch nicht genug hat, kann dem Schlusspunkt von David Koch beiwohnen. Diesen setzt er mit Elektro-Beats im sich ebenfalls auf dem Gelände befindenden Bunker, wo früher der atomare Ernstfall geprobt wurde.

Mehr als ein Jahr Vorlaufzeit brauchte das Träff-Projekt. Doch wie sind die knapp 25 Mitglieder ausgerechnet auf die Idee gekommen, den «One Burning Man» ins Hinterland zu holen? Der zündende Funke sprang einem Mitglied beim Bräteln rüber, der neben dem einstigen Zivilschutzareal wohnt. Und man war sich schnell einig: «Der Charme dieses Areals passt bestens zu One-Man-Bands», sagt Fränzi Hunkeler von der Dekogruppe. Die ganze Koordination – bis der Event schliesslich die für den Verein passende Form hatte – bezeichnet sie als «grösste Challenge». Auch musste das Budget von 35 000 Franken eingehalten werden. 15 000 Franken davon steuert der Kanton bei – Träff wurde aufgrund seiner Projekteingabe im letzten Jahr mit dem Werkbeitrag ausgezeichnet.

Und welche Resonanz erwartet der Veranstalter? «Wir hoffen auf 400 bis 500 Besucher, wobei natürlich viel vom Wetter abhängt», erklärt Hunkeler. Die Feuerwehr hat das Gelände abgenommen, der Kanton erteilte für das Festival ebenfalls grünes Licht. Die Voraussetzungen für einen «lauten, dreckigen, rustikalen Anlass», so das Träff-Mitglied, sind also gegeben. «Die Schötzer spinnen wieder», sagt Hunkeler schmunzelnd. Und das alles im positiven Sinne.

 

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Hinweis: Das ganze Programm gibt’s unter www.oneburningman.ch


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