Filmer locken Reto Wyss aus der Reserve

LUZERN ⋅ Kulturschaffende fordern den Kulturdirektor auf, ihr Filmprojekt über die Finanzpolitik zu unterstützen. Von Reto Wyss gibt’s eine Reaktion – wenn auch nicht die erhoffte.
19. Dezember 2017, 06:58

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Das Drama um die Zukunft der Luzerner Kulturförderung ist um einen Akt reicher: Am Montag wandten sich die Verantwortlichen der Aktion «Kultur bleibt!» in einem offenen Brief an Kulturdirektor Reto Wyss (CVP). Ihre Forderung: Er soll den Erlös der im Sommer verschickten Trauer­karten dem Crowdfunding für «Luzern – der Film» zukommen lassen. Damit soll ein Dok-Film über die Luzerner ­Finanzpolitik realisiert werden.  

Die besagten Trauerkarten entstanden im Kontext der Streichung von 800'000 Franken in der Kulturförderung. Aus Protest gegen diesen Abbau haben Kunst- und Kulturschaffende über 500 Kondolenzkarten verschickt – samt Trauerspende. Bei Regierungsrat Reto Wyss trafen gegen 400 Karten mit insgesamt 2600 Franken ein. «Der gesamte Betrag wird sicher für die Kulturförderung eingesetzt. Wir werden nach Ablauf der Aktion entscheiden, was eine geeignete Verwendung für das Geld ist», sagte Wyss gegenüber unserer Zeitung.

Trauerspenden: Wyss vertröstet

Inzwischen zogen Monate ins Land. Ein Entscheid, wofür das Geld eingesetzt werden soll, fiel nicht. Darum wurden die Kulturschaffenden aktiv. «Weil die Aktion ‹Kultur bleibt!› noch immer auf eine Antwort von Reto Wyss wartet, gingen sie in die Offen­sive», sagt Eva Laniado, Geschäftsleiterin der IG Kultur Luzern und Mitglied des Kollektivs, das für den Film verantwortlich zeichnet. Ob Wyss der Bitte Folge leistet, wird sich zeigen. Kurz und knapp sagte er gestern: «Die Entscheidfindung über die Verwendung der Gelder ist im Gang, wir werden diese Woche informieren.» Laniado entgegnete, man hoffe «auf eine weise Entscheidung».

Klar ist: Die Sammelaktion für den Film ist auf weitere Almosen angewiesen. Gut 39 000 Franken kamen bislang zusammen. Laniado ist zuversichtlich, dass sich das Ziel von 120 000 Franken bis zum 5. Februar erreichen lässt. «Wir sind mit dem bisherigen Geldfluss sehr zu­frieden. Besonders freut uns die ernorme Anzahl Unterstützer.» 271 bis gestern. «Es ist uns sehr wichtig, dass dieses Projekt breit abgestützt ist.»

Geht es nach den Kulturschaffenden, käme Wyss’ Support «beiden Seiten zugute». Gemeint ist: Mit der Unterstützung des Crowdfundings würde er die Interessen der Kulturschaffenden berücksichtigen. Zugleich böte sich der Regierung mit dem Film die Chance, bis zu den kantonalen Wahlen 2019 ihre «hervorragende Arbeit» zu «dokumentieren», schreiben die Verantwort­lichen mit zynischem Unterton. Wyss mag das Projekt nicht gross kommentieren: «Grundsätzlich fehlt mir die notwendige Kenntnis über den vorgesehenen Inhalt. Und ich setze ein Fragezeichen, ob der Film einer neutralen Meinungsbildung dient.»

Genau dies strebe man aber an, sagt Laniado. «Die Mitglieder des Kollektives stehen dafür ein, dass die Recherche zum Film ­objektiv und nach journalistischen Grundsätzen vonstattengeht.» Im Ja­nuar würden mögliche Experten kontaktiert. Die noch nicht bestimmte Regie wird gemäss Beschrieb unabhängig sein. In Frage komme nur eine Person, «die nicht im Kanton Luzern lebt und arbeitet und damit von dessen Finanzpolitik nicht betroffen ist».


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