Frauenpower auf dem Steinhuserberg

WOLHUSEN ⋅ Jodelgesang und Volkstheater – diese Mischung hat auf dem Steinhuserberg Tradition. Das Motto «s Bärgglöggli luegt i d Zuekunft» wird mit der jungen Präsidentin Erika Marti-Lipp (23) gelebt.
08. Januar 2018, 07:11

Zwei Frauen geben auf dem Steinhuserberg den Ton an: Renate Michel Steffen ist seit 2011 musikalische Leiterin des Jodlerklubs Bärgglöggli Steinhuserberg. Jodlerin Erika Marti-Lipp steht seit März 2017 dem Klub als Präsidentin vor. Die 23-Jährige ist auf dem Steinhuserberg ob Wolhusen in einer Familie aufgewachsen, in der Singen und Theaterspielen noch heute aktiv gepflegt wird. Erika Marti-Lipp jodelt seit acht Jahren im Klub, ihre beiden Brüder ebenfalls, der Vater spielt als ehemaliger Jodler Theater in der Theatergruppe Bärgglöggli, und der Grossonkel war 1952 Gründungsmitglied des Jodlerklubs.

Welche Visionen hat die Präsidentin? «Mein Ziel ist es, vor allem Junge für den Jodelgesang zu begeistern.» Kein einfaches Unterfangen. Wer die Szene beobachtet, stellt fest, dass vielen Klubs der Nachwuchs fehlt. Dazu hat die Präsidentin eine eigene Meinung: «Es muss nicht sein, dass man sich um jeden Preis verbiegt, um jemanden zu einem Beitritt in einen Jodlerklub zu zwingen.» Was tun? Die Jodelliteratur modernisieren? «Ich will nichts verändern. Das traditionelle Jodellied soll weiterhin gepflegt werden. Es soll auch in Zukunft Bestand haben», sagt sie und ist froh, kann sie auf die Unterstützung ihres Vorgängers, Hans Bucher, zählen. Dieser war während 17 Jahren Präsident und 19 Jahre Vorstandsmitglied. Er bleibt dem Klub als Sänger erhalten.

Nach dem Jodel ein Theater

Singen, jodeln und Theater spielen: Diese Mischung funktioniert auf dem Steinhuserberg seit nunmehr über 60 Jahren. «Unsere Besucher erwarten das», erklärt Hans Bucher. Viele Vereine setzen auf diese Erfolgsschiene, wobei oft zwei Lager auszumachen sind: Die einen kommen wegen des Jodelkonzerts, andere wegen des Theaters. Doch bevor am letzten Samstag das heiter-ernste Volksstück «s alti Förschterhuus» des Luzerner Autors Josef Brun unter der bewährten Regie von Beat Röösli aufgeführt wurde, gab der Jodlerklub Bärgglöggli die Visitenkarte seines grossartigen Könnens ab. Uraufgeführt wurden gleich zwei Jodellieder: «Tage churze» des Bärgglöggli-Jodlers und Komponisten Josef Lustenberger und das Jodellied «Alpegarte» des Horwer Volksmusikers und Komponisten Hans Aregger. Letzterer hat dieses Jodellied dem Ehrenpräsidenten Erwin Bühler, Steinhuserberg, gewidmet. Aufgelockert wurde das Jodelkonzert durch das vereinseigene Jodeldoppelquartett, das mit dem Mani-Matter-Lied «Mir het dr Dings verzellt» brillierte. «S Bärgglöggli luegt i d Zuekunft», unter diesem Motto verrieten die Jodlerinnen und Jodler, wie ein Jodlerklub in 25 Jahren funktionieren könnte. Beispielsweise könnte das Konzert im Internet übertragen, die Grillwurst via Drohne übermittelt oder die Tombolapreise im Za­lando-Karton zugestellt werden. Dazu Präsidentin Erika Marti-Lipp: «Wir werden auch künftig an unseren Konzerten nichts ändern und unseren Traditionen trotz digitaler Vernetzung treu bleiben.»

 

Monika van de Giessen

kanton@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Konzert und Theater, Turnhalle Steinhuserberg. Eintritt 12 Franken. Weitere Aufführungen: 13., 17. und 20. Januar, 20 Uhr. 14. Januar, 13.30 Uhr. Reservationen: Mo bis Fr 18.30 bis 20 Uhr, Sa 13.30 bis 16 Uhr. Telefon 041 490 02 69.


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