Frauenschwarm bringt Publikum zum Kreischen

KONZERT ⋅ Michael Patrick Kelly gab am Freitagabend im LZ-Medienraum ein Kurzkonzert für 120 Glückliche. Dem 39-jährigen Musiker gefiel der intime Konzertrahmen. Das Publikum hingegen brauchte etwas Anlaufzeit.
13. Oktober 2017, 18:52

Am Freitagabend purzelten einige Rekorde im Medienraum der Luzerner Zeitung. In der zweijährigen Geschichte der Veranstaltungsreihe Stage von Radio Pilatus war das Publikum noch nie von so weit hergekommen (aus Deutschland), noch nie so früh angereist (schon sieben Stunden vor Konzertbeginn) und noch nie so weiblich. Die wenigen männlichen Konzertbesucher musste man unter den 120 glücklichen Ticket-Gewinnern suchen.

Der Grund hiess Michael Patrick Kelly. Der 39-jährige Mädchenschwarm ist das drittjüngste Mitglied der 14-köpfigen Musikerfamilie. Er ist seit 2011, nach einem sechsjährigen Klosteraufenthalt, wieder solo unterwegs. «Das ist meine dritte Lebensphase und alles ist perfekt: Ehe, Beruf, Musik und meine Beziehung zu Gott», sagte Kelly vorgängig im interview mit Radio Pilatus.

Fans verzeihen dem Star Unsicherheiten

Im Gepäck hatte Kelly nebst Coversongs vor allem Lieder aus seinem neusten Album iD. «Schön intim ist es, klein und fein – ohne den Rest der Band», fand Kelly und sorgte damit schon für den ersten Lacher – auch wenn für Aussenstehende der Grund dafür schleierhaft blieb.

Die eingeschworene Fangemeinde brauchte zwei, drei Songs, bis der zuerst dünne Mitgesang an Substanz gewann und die Stimmung vom Kuscheligen ins zunehmend Wilde kippte. Sass man zu Konzertbeginn noch artig auf den Stühlen, schwenkten alsdann die ersten Mutigen ihre Arme im Takt, standen auf – und hüpften schliesslich. Auch der Applaus gewann mit jedem Lied an Durchschlagskraft – sodass man vor der Zugabe glatt die Ohren vor dem Gekreisch schützen musste. Aber auch auf dem Höhepunkt des Konzerts blieb das Publikum zivilisiert und anständig. «Paddy» zupfte und sang so viel Harmonie in den Saal, dass ihm auch die paar Textunsicherheiten ohne weiteres verziehen wurden.

Auch wenn viele Kelly-Family-Fans ihre Phase der Verehrung längst hinter sich haben: «Paddy» kann noch immer auf eine treue – vor allem weibliche – Schweizer Fangemeinde zählen. Immer wieder entdecke er im Publikum die Schweizer Fahne, bestätigt Kelly. Und auch im Mitsingen seien seine Schweizer Anhänger alles andere als neutral.

«Er ist einfach sympathisch – ein geiler Hombre halt», findet Anja Titi (34) aus Herzogenbuchsee. Bereits um 10 Uhr fand sie sich mit Kolleginnen vor dem Redaktionsgebäude ein. Was hat sie nicht schon alles für den amerikanisch-irischen Sänger in Kauf genommen. Rund 50 seiner Solo-Konzerte hat sie seit 2013 besucht. Etliche Nächte im Freien verbracht, um ihn aus der ersten Konzertreihe bestaunen zu können. Viele tausend Franken für Eintrittskarten und lange Anfahrtswege an Konzerte in ganz Europa ausgegeben.

Das Ticket für die «Radio-Pilatus-Stage» hat sie vergleichsweise billig erstanden: Nach nur gerade 83 SMS à 90 Rappen hat sie ein Ticket gewonnen. Dass sich heute ihr grosser Traum von einem persönlichen Gespräch mit ihrem Idol erfüllen wird, glaubt sie indes nicht. Ihre Begeisterung dämpft das aber nicht. Schon jetzt sind sechs weitere Tickets für Konzerte in Deutschland organisiert. Weder ihre zwei Kinder noch das fehlende Verständnis ihres Partners sind dagegen genügend stichhaltige Argumente.

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

  • Patrick Kelly spielt auf der Pilatus Stage im LZ Medienraum. (© Boris Bürgisser)
  • Dem Publikum gefiel das Konzert. (© Boris Bürgisser)
  • Im Gepäck hatte Kelly nebst Coversongs vor allem Lieder aus seinem neusten Album iD. (© Boris Bürgisser)

Michael Patrick Kelly gab am Freitagabend im LZ-Medienraum ein Kurzkonzert für 120 Glückliche.

Video: Michael Patrick Kelly begeistert seine Fans in Luzern

Michael Patrick Kelly gab am Freitagabend im LZ-Medienraum ein Kurzkonzert für 120 Glückliche. Dem 39-jährigen Musiker gefiel der intime Konzertrahmen. (Tele1, 13. Oktober 2017)




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