Aufhebung der Promillegrenze bei Gummibooten sorgt für Diskussionen

BADESAISON ⋅ Die «Gummiböötler» auf der Reuss und den Seen haben in den letzten Jahren zugenommen. Die Aufhebung der Promillegrenze für kleine Boote sendet ein falsches Signal aus, findet die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft (SRLG). Sie ist nicht die einzige Organisation, die Kritik übt.
12. April 2018, 17:26

Mit der Teilrevision des Binnenschifffahrtsgesetzes hat das Parlament den Bundesrat 2017 ermächtigt, für die Führer «kleiner, nicht motorisierter Schiffe» Erleichterungen bei den Alkohol-Promillegrenzen vorzusehen (wir berichteten).

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) sieht nun vor, die Kapitäne von Gummibooten und ähnlichen kleinen Wasserfahrzeugen von den Bestimmungen zur Fahrunfähigkeit auszunehmen. «Von ihnen geht eine geringere Gefährdung aus als von grösseren respektive motorisierten Schiffen», heisst es in einer Mitteilung des BAV.

Das Bundesamt hat nun die Revision der Verordnung in eine Vernehmlassung bei Kantonen, Parteien sowie den Schiffahrtsgesellschaften, ihren Zulieferern und Verbänden geschickt. Bei der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) war niemand für eine Stellugnahme erreichbar.

Was in den Vernehmlassungs-Unterlagen auffällt: Organisationen wie die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft (SLRG), das Blaue Kreuz oder die Suva zählen nicht zu den Adressaten und haben nichts zu melden.

Bereits jetzt lässt sich aber voraussagen, dass das Echo wohl gespalten sein wird. Die «Wasserprofis» sind skeptisch. Für die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft (SRLG) sendet die Aufhebung der Promillegrenze «das falsche Signal aus», sagt Mediensprecher Philipp Binaghi auf Anfrage. «Wir sind nicht begeistert.» Die SRLG setze sich seit Jahren dafür ein, dass die Baderegeln eingehalten werden. Dazu gehöre, nicht alkoholisiert ins Wasser zu gehen.

Unfälle und Todesfälle auf dem Wasser

Andere Länder verfügten über statistische Angaben zu Unfällen mit Booten. Binaghi:«In der Schweiz ist die Datenlage wegen des Datenschutzes nicht die Beste.» In Finnland haben Wissenschaftler die tödlichen Wasserunfälle im Zeitraum von 1965 bis 1995 analysiert. «65 Prozent der Unfälle  waren auf Alkoholkonsum zurückzuführen.»  

In Australien hat laut dem SLRG-Sprecher die Royal Lifesaving Society 2016 ebenfalls die tödlichen Unfälle auf dem Wasser erforschen lassen. «Von 437 Personen, die in 10 Jahren ertranken, waren 124 alkoholisiert», sagt Binaghi. 

Der SLRG-Sprecher kann auch die Argumente des Bundesamts für Verkehr nicht nachvollziehen. Die Gefahr gehe ja nicht vom Fahrzeug, sondern vom «Kapitän» des Boots aus, der für seine Mitinsassen die Sicherheit nicht mehr garantieren könne.

Das Blaue Kreuz spricht auf Twitter von einem «fragwürdigen Entscheid des Bundesamts für Verkehr.» Laut der Organisation gibt es jährlich bis zu 50 Tote pro Jahr auf Flüssen und Seen in der Schweiz.

Kein Problem mit der Aufhebung der Promillegrenze hat der Luzerner FDP-Ständerat Damian Müller. Er fahre selbst auch mal mit dem Schlauchboot die Reuss hinunter, sagte er gegenüber «20 Minuten». Natürlich «ohne Alkohol». Er findet es nachvollziehbar, dass das Verbot nicht umgesetzt werden könne und zieht den Vergleich zum Litteringverbot.

Marc Benedetti
marc.benedetti@luzernerzeitung.ch


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