Grosse Investitionen in Hallenbäder im Kanton Luzern

SCHWIMMUNTERRICHT ⋅ In 5 der 15 öffentlichen Hallenbäder im Kanton Luzern wird oder wurde kürzlich gebaut – obwohl einige nicht rentieren. Nötig sind die Arbeiten unter anderem wegen des Lehrplans 21.
Aktualisiert: 
12.01.2018, 14:00
12. Januar 2018, 11:37

Niels Jost
niels.jost@luzernerzeitung.ch

Seit Anfang Schuljahr ist er für Primarschüler obligatorisch: der Schwimmunterricht. Diese Neuerung sieht der Lehrplan 21 vor – und stellt die Gemeinden vor einige Herausforderungen. So gibt es im Rottal, Seetal und in den Regionen Wolhusen und Entlebuch kaum Hallenbäder (siehe Karte). Besonders jetzt im Winter ist es für die dortigen Schulen schwierig, den vorgeschriebenen Schwimmunterricht durchzuführen, da sie für wenige Stunden teils lange Wege zum nächstgelegenen Hallenbad auf sich nehmen müssen.

Das Problem könnte sich nun noch zuspitzen. Denn die Zukunft des Hallenbades in Weggis ist ungewiss. Dieses ist mittlerweile 48 Jahre alt, die technischen Anlagen wie die Wasseraufbereitung, die Heizung und die Lüftung sind veraltet und verbrauchen zu viel Energie. Hinzu kommt, dass der Betrieb nicht mehr zeitgemäss ist, etwa weil nicht alles behindertengerecht gebaut ist. Und: «In den letzten Jahren haben wir einen leichten Besucherrückgang verzeichnet», sagt Gemeindepräsident Roger Dähler auf Anfrage. «Das Hallenbad schreibt jährlich ein Minus im sechsstelligen Bereich.»

Aus diesen Gründen hat man bereits eine Kommission ins Leben gerufen, die sich mit der Zukunft des Hallenbades befasst. Nach ersten Abklärungen stehen nun drei Varianten zur Option:

  • Abbruch: Das Hallenbad wird ersatzlos abgebrochen, was rund 1,5 Millionen Franken kosten würde.
  • Bestand: Das Gebäude bleibt erhalten, die technischen Anlagen werden erneuert. Wegen der vorhandenen Baustatik würde das aber «bautechnisch einen hohen Aufwand bedeuten». Kosten: 4,43 Millionen Franken.
  • Komplette Erneuerung: Das Hallenbad wird abgerissen und weicht einem Neubau nach heutigen energietechnischen und baulichen Standards. Diese Variante würde mit rund 16 Millionen Franken zu Buche schlagen.

Die eingesetzte Kommission bevorzugt die letzte Option, einen kompletten Neubau. Denn um die Bedeutung des Hallenbades ist man sich bewusst. Schliesslich nutzen es auch die umliegenden Gemeinden, insbesondere für den obligatorischen Schwimmunterricht. Diese wurden deshalb auch schon an einen runden Tisch eingeladen, wo etwa mögliche finanzielle Beteiligungen besprochen wurden.

Spruchreif ist aber noch nichts, wie Roger Dähler meint: «Bevor wir uns für eine Variante entscheiden, brauchen wir mehr Informationen», sagt er. «Mit einer Studie wollen wir nun herausfinden, ob sich allfällige Investitionen überhaupt lohnen und ein grösseres Angebot tatsächlich mehr Besucher anlocken würde.» Gestützt auf diese Informationen werde man im Verlaufe des Jahres eine Vernehmlassung starten. Wann es zu einer Volksabstimmung kommen wird, kann er derzeit nicht sagen.

Sörenberg will kräftig ausbauen

Einen Schritt weiter ist man bereits in Flühli-Sörenberg: Dort haben der Verwaltungsrat der Hallenbad AG und der Gemeinderat bereits ein Vorprojekt in Auftrag gegeben. Geplant ist, das 46 Jahre alte Bad für 8 Millionen Franken zu sanieren und zu erweitern. Dies, obwohl das Hallenbad defizitär ist: «Es rentiert nicht», sagt Gemeindeammann Hans Lipp auf Anfrage. «Die Auslastung beträgt zirka 20'000 Besucher pro Jahr, verteilt auf die Winter- und Sommersaison. Allerdings ist es vom Touristenort Sörenberg fast nicht mehr wegzudenken und praktisch das einzige wetterunabhängige Freizeitangebot.» Laut Lipp ist es sehr wahrscheinlich, dass die Gemeindeversammlung dereinst über einen Sonderkredit abstimmen kann. Wann dem so ist, kann er noch nicht sagen.

Ungewiss ist wiederum die Situation in Reiden. Auch das dortige Hallenbad rentiert derzeit nicht. Deshalb prüfen der Verwaltungs- und der Gemeinderat verschiedene Varianten. Diese kosten zwischen 2,5 Millionen (Abriss) und 9,5 Millionen Franken (Sanierung und Nebenstandbein). Bis Mitte Februar soll ein Konzept vorliegen.

Nach wie vor an der Planung für ein neues Hallenbad sind die sechs Gemeinden im Rontal. Derzeit ist man in der Verhandlung mit den Eigentümern der potenziellen Standorte bei der Mall of Switzerland, Root D4 sowie im Gebiet Risch in Ebikon.

Neuer Lehrplan doch nicht kostenneutral?

Diese Beispiele zeigen: Obwohl der Lehrplan 21 kostenneutral umgesetzt werden soll, hat der darin enthaltene obligatorische Schwimmunterricht Mehrkosten zur Folge. Diese fallen jedoch nicht direkt beim Bildungsbudget an, sondern etwa beim Bau- oder Infrastrukturbudget. Und im Falle der aktuellen Hallenbad-Investitionen beim Campus Sursee und der Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch decken zum Teil sogar private Organisationen die Ausgaben.

Das hat bereits für einen politischen Vorstoss gesorgt. Auf eine Anfrage von FDP-Kantonsrätin Rosy Schmid-Ambauen (Hildisrieden) schreibt der Regierungsrat, dass «der Lehrplan 21 mit den beschlossenen Wochenstundentafeln keine zusätzlichen Infrastrukturen erfordert». Allerdings kann er die Gesamtkosten für den nun obligatorischen Schwimmunterricht, die bei den Gemeinden anfallen, «nicht genau beziffern».
 


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