Geplantes Gesundheitszentrum: Hausärzte kämpfen gegen Luzerner Kantonsspital

KRIENS/HORW ⋅ Das vom Luzerner Kantonsspital geplante Gesundheitszentrum Mattenhof ärgert zahlreiche ansässige Grundversorger. Sie drohen dem Spital mit einem Zuweisungsstopp.
11. April 2018, 05:00

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Im Herbst 2019 soll es so weit sein: Dann will das Luzerner Kantonsspital (Luks) zusammen mit Medbase, einer Tochtergesellschaft der Migros, das Gesundheitszentrum Mattenhof in Kriens eröffnen. Welche medizinischen Angebote der Mattenhof konkret bieten wird, ist bis dato noch unklar. Fest steht indes, dass das Zentrum die medizinische Grundversorgung abdecken soll.

Und genau darum sorgt der Mattenhof bei den Hausärzten von Kriens und Horw für Widerstand. Es sei stossend, «dass das Luks nun plant, sein ambulantes Angebot ausserhalb des Spitalareals auszubauen und selbst als Grundversorger tätig zu werden», steht in einem Schreiben, welches sich an Spitaldirektor Benno Fuchs und Regierungsratspräsident Guido Graf (CVP) richtet. Unterzeichnet wurde der Brief, der unserer Zeitung vorliegt, von 28 Hausärzten aus den beiden Gemeinden.

Schon im November 2016, als die Mattenhofpläne bekannt wurden, hat sich der Präsident der Luzerner Ärztegesellschaft dagegen gestellt. Die ambulante Versorgung sei Sache der Hausärzte und nicht die Aufgabe des Spitals, sagte Aldo Kramis damals gegenüber unserer Zeitung.

«Grundversorgung ist abgedeckt»

Das bestehende Angebot in der medizinischen Grundversorgung sei gewährt, sind sich die Hausärzte einig. Es entspreche also keinem «objektiven Bedürfnis», das ambulante Angebot weiter auszubauen. Der Mattenhof soll dereinst auf 1100 Quadratmetern 40 bis 50 Ärzte, Therapeuten und medizinische Praxisassistenten beschäftigen. Die Mitarbeiter wird Medbase stellen. Doch auch für Luks-Angestellte biete das Zentrum «interessante Entwicklungsmöglichkeiten», wie Spitaldirektor Benno Fuchs an der Pressekonferenz Ende März sagte.

Für die niedergelassenen Ärzte in dieser Region greift das Spital zu fest in die ambulante Grundversorgung ein. Sie fühlen sich durch dieses Projekt konkurrenziert und wollen das so nicht hinnehmen. Sollte der Mattenhof wie geplant realisiert werden, ziehen die Hausärzte Konsequenzen, wie sie im Schreiben darlegen: «Sofern das Luks nicht bereit ist, von seinen Plänen zum Aufbau einer ambulanten Versorgung ausserhalb des Spitalareals Abstand zu nehmen», werden sie die Patienten künftig nicht mehr dem Luks zuweisen. Es sei denn, es handle sich um eine medizinische Notwendigkeit.

Einer der betroffenen Hausärzte ist Reto Cadisch, der mit seiner Frau seit knapp 20 Jahren in Kriens eine Hausarztpraxis führt. Cadisch findet es «höchst problematisch, dass nach dem massiven Ausbau der ambulanten Strukturen in den Spitälern und Kliniken nun auch noch ausserhalb der Hauptstandorte expandiert wird und sich das Spital selbst die Patienten zur weiteren Abklärung zuweist». Fest steht auch: Der Kanton und das Spital propagieren immer wieder, dass die Hausarztmedizin gestärkt werden soll. Darum hat man unter anderem den Medizinmaster an der Universität Luzern eingeführt.

Mit einem Projekt wie dem Mattenhof würde das Spital aber das Gegenteil bewirken, ist sich Cadisch sicher. «Den Hausärzten wird man gewiss gerne jene Fälle überlassen, die wenig rentabel sind – wie etwa chronische und multimorbide Patienten, Haus- und Heimbesuche, um einige zu nennen.» Folglich würde der Hausarztberuf abgewertet und «ein katastrophales Signal» an die angehenden jungen Hausärzte gesendet. «Der Beruf Hausarzt verliert dadurch an Attrak­tivität.» So würde es für die ­Hausärzte noch schwieriger, Nachfolger zu rekrutieren, um ihre Praxen dereinst übergeben zu können, stellt der Mediziner klar. Die 28 Hausärzte haben Mühe mit dem Entscheid des Spitals. Sie betonen, mit dem Luks bis dato einen verlässlichen Partner für die stationäre Betreuung der Patienten gehabt zu haben.

Beim Luzerner Kantonsspital bedauert man diese Vorwürfe. Der Kommunikationsverantwortliche Andreas Meyerhans sagt: «Offensichtlich haben wir mit der Kommunikation bezüglich Mattenhof die niedergelassenen Ärzte nicht so erreicht, wie das wohl nötig gewesen wäre.» Man nehme die Anliegen der Ärzteschaft ernst und habe Verständnis für die Verunsicherung. «Es ist nicht die Absicht des Spitals, mit den Hausärzten oder selbstständigen Spezialisten in Konkurrenz zu treten», hält er fest. «Das Luks will einen aktiven Beitrag zu einer integrierten medizinischen Gesundheitsversorgung leisten.»

Für das Spital sei die Notwendigkeit des Mattenhofs gegeben. «Dort soll Wohnraum für 8000 Personen entstehen und 7000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Damit entsteht ein neuer Bedarf nach Gesundheitsversorgung.» Meyerhans weist ausserdem darauf hin, dass die Medbase-Gruppe das Ambulatorium betreiben wird und das Luks gegebenenfalls Personalressourcen zur Verfügung stellt. Zur Drohung, dass die Ärzte die Zuweisungen massiv drosseln, nimmt das Spital keine Stellung.


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