Hier ist im September Weihnachten

RÖMERSWIL ⋅ Ist er dicht, aber nicht zu dicht? Hat er Löcher? Ist er symmetrisch? Darüber haben in Römerswil Christbaumproduzenten gefachsimpelt – und den schönsten Christbaum der Schweiz gekürt.
15. September 2017, 07:31

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

In der Remise auf dem Hof von Guido Wicki in Römerswil riecht es nach Tannennadeln, in der Ecke stehen zwei grosse Christbäume, geschmückt mit Holzsternen – und das mitten im September, mehr als drei Monate vor Weihnachten. Männer bringen sechs weitere Tannenbäume in den Raum. Sie werden fein säuberlich nebeneinander aufgestellt. Die Schweizer Christbaumproduzenten bereiten sich emsig auf das frohe Fest vor. Bei der gestrigen Feldtagung der IG Suisse Christbaum wurde der schönste Christbaum der Schweiz gekürt. Fachjury: Die 120 Mitglieder der IG, vertreten von der Ostschweiz bis zum Welschland. Alle haben sie sich auf dem Hof eingefunden. Zwölf Mitglieder haben sogar den schönsten Christbaum ihres eigenen Hofes nach Römerswil transportiert – in der Hoffnung, dass ihr Baum den Schönheitswettbewerb gewinnt.

Auch Guido Wicki selbst hat seinen schönsten Baum ins Rennen geschickt – wie jedes Jahr. «Für uns gehört das einfach dazu», sagt er und lacht. Für den ersten Platz hat es ihm bis jetzt noch nicht gereicht, jedoch für den zweiten. Auch gestern landete der Römerswiler auf dem zweiten Treppchen. Enttäuscht, den Sieg verpasst zu haben, sei er nicht, wie er mit einem Schulterzucken bekennt.

Das passiert mit den Siegern

Doch wieso um Himmels willen werden mitten im September die schönsten Christbäume ausgezeichnet? «Jetzt beginnt die Handelssaison», erklärt Wicki. Grossverteiler und Händler kämen auf den Hof, begutachteten die Exemplare und reservierten ihre Favoriten, bis sie dann Ende November geschnitten und für den Verkauf ausgeliefert werden.

«Da machen wir gerne ein bisschen Werbung für uns», so Wicki. Schliesslich erscheine der Sieger auch bei Google zuoberst, wenn jemand nach dem schönsten Baum der Schweiz suche. Wer dies tut, dem wird die Suchmaschine ab heute den Namen Sepp Germann aus Goldach SG ausspucken. Sein Baum wurde von der Jury als schönster angesehen. Der Siegerbaum entspreche ziemlich genau einem perfekten Exemplar, erklärt Wicki. Er sei schön gestuft und geformt und nicht zu dicht. «Das ist hier in der Schweiz wichtig, denn die Leute brauchen etwas Platz, um den Baum zu schmücken.»

Die mitgebrachten Tannen der Teilnehmer werden jedoch nicht in den Genuss kommen, geschmückt und von leuchtenden Kinderaugen bewundert zu werden. Im Gegenteil: Den schönen Vorzeigetannen winkt ein eher unschöner Lebensabend: «Sie werden an die Schweine verfüttert oder als deren Spielzeuge eingesetzt», weiss Wicki. In Ausnahmefällen würden die Bäume auch als Energieholz verwendet.

Schönstes Exemplar wird schon früh reserviert

Wicki verkauft jährlich um die 5500 Bäume. «Über das Geschäft kann ich mich nicht beklagen», sagt er. Dass Schweizer vermehrt auch auf Regionales und Qualität setzten, mache sich bemerkbar. «Wenn man ein wenig zu den Bäumen schaut und sie gut pflegt, muss man eigentlich keine Angst haben.» Bäume verkauft er erfahrungsgemäss bis zum letzten Tag. Wer mit dem kurzfristigen Kauf hofft, dass der Baum länger schön bleibt, kann sich täuschen. Wicki empfiehlt, den Christbaum bereits Mitte Dezember zu besorgen. «Kauft man ihn zu kurzfristig und stellt ihn dann in die warme Stube, verliert er die Nadeln schneller.» Übrigens: Natürlich gibt es auch bei Wickis zu Hause einen Christbaum für das Weihnachtsfest. Ausgesucht wird dieser jeweils von Wickis Frau. «Sie reserviert sich jeweils schon recht früh das schönste Exemplar», sagt Wicki und schmunzelt.


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