Hochwasserschutz nützt auch Flussschwimmern: Die Reuss wird zugänglicher

HOCHWASSERPROJEKT ⋅ Die neue Freizeitanlage im Reusszopf hat dem Flussschwimmen in Luzern Auftrieb gegeben. Dies dürfte jedoch erst der Anfang sein. Flussabwärts entstehen mehrere neue Badeplätze.
18. Juli 2017, 05:00

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

In Bern oder in Basel wird es bereits rege praktiziert. Seit der Eröffnung der neuen Freizeitanlage im Reusszopf entdecken nun auch die Luzerner das Flussschwimmen. Die Infrastruktur an der Reuss ist jedoch noch dürftig.

Der einzige von der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) empfohlene Einstieg befindet sich bei der Treppe in der Sentimatt unterhalb der Autobahnbrücke (siehe Grafik). «Der ideale Ausstieg ist die alte Fährentreppe, die sich auf der linken Flussseite rund 20 Meter vor dem ‹Nordpol› befindet», sagt Ueli Bärtschi, Präsident der SLRG-Sektion Luzern. Die neue Freizeitanlage Reusszopf mit der Sommerbar Nordpol dagegen sei weniger geeignet. «Diese befindet sich bereits in einer Kurve, wo die Fliessgeschwindigkeit schneller ist.» Ausserdem könne man sich an den Steinen stossen.

«Wichtig sind nun bauliche Massnahmen wie neue Ein- und Ausstiege, um die Situation für Schwimmer auf Stadtluzerner Boden zu verbessern», sagt Bärtschi. Die SLRG begrüsst daher das CVP-Postulat für eine verbesserte Infrastruktur an der Reuss (wir berichteten). Bereits installiert worden sind zahlreiche rote Sicherheitskästen mit Wurfsäcken oder Rettungsringen.

Vom Schwimmen im Abschnitt zwischen Reusszopf und Wehr Rathausen rät die SLRG gänzlich ab. «Nach dem Reusszopf fliesst die Kleine Emme in die Reuss, und das kann je nach Wettersituation gefährlich sein», sagt Bärtschi. So könnten Wirbel entstehen, je nach Wetter führe die Kleine Emme Holz und Geschiebe mit. Weiter könne das Wasser der Kleinen Emme braun sein, wodurch man Gefahren im Wasser weniger gut sieht. Falls man doch durch den Abschnitt schwimmt, existiert vor dem CKW-Wehr ein Notausstieg auf der linken Flussseite.

Neue Zugänge in Emmen und Buchrain

Die Situation unterhalb des Wehrs Rathausen hat die SLRG noch nicht analysiert. Derzeit fehlen dort noch Flusszugänge, die das Schwimmen attraktiv machen würden. Dies dürfte sich jedoch in einigen Jahren ändern. Im Rahmen des Hochwasserschutzprojekts an der Reuss ­sollen im Rathuserschachen auf Emmer Boden sowie in der Grossmatt auf Buchrainer Boden zwei weitere Erholungsgebiete mit Flusszugängen entstehen – ähnlich wie jener im Reusszopf, der übrigens ebenfalls im Rahmen eines Hochwasserschutzprojekts realisiert worden ist.

Dem technischen Bericht zum Hochwasserschutzprojekt ist betreffend Rathuserschachen Folgendes zu entnehmen: Zwischen der Rathausenbrücke und dem Oberen Schiltwald sollen «Erholungsformen» wie Sonnenbaden, Zugang zum Wasser, Grillieren, Spiele auf Wiese/Rasen» ermöglicht werden. «Dazu wird das Ufer abgeflacht und das Ufergehölz stark ausgelichtet.»

Das Gebiet Grossmatt in Buchrain ist bereits heute bei Ausflüglern beliebt. «Der Wald wird entfernt, die Ufer abgeflacht und die bestehenden Blockbuhnen entfernt», heisst es im technischen Bericht. «Es ist ein Nebengerinne vorgesehen. Zwischen dem neuen, zurückversetzten Uferweg und den Ufern sind Rastplätze und Liegewiesenflächen geplant.» Möglich also, dass zwischen Emmen und Buchrain eine weitere Schwimmstrecke in der Reuss entsteht, zumal im Rahmen des Hochwasserschutzprojekts auch neue Fuss- und Velowege geplant sind. Ein weiteres grösseres Erholungsgebiet im Rahmen der Reuss-Sanierung ist im Rooter Studeschachen geplant. Im technischen Bericht ist dort jedoch keine Rede von abgeflachten Ufern, sondern von «Rastplatz mit Feuerstellen, Sitzmöglichkeiten und Spielwiese». Bis es so weit ist, dauert es aber noch Jahre. Das 167-Millionen-Franken-Projekt wird nochmals überarbeitet (siehe Kasten).

Überprüfung auch ohne Budget

Reuss Derzeit überprüft der Kanton Luzern beim Reuss-Projekt nochmals die Schutzziele und die Dammhöhen. Dies aufgrund der Evaluation durch ein externes Büro. «Wir gehen davon aus, dass sich der revidierte Bericht nur geringfügig auf das Projekt beziehungsweise die Pläne auswirkt», sagt Mirija Weber, Kommunikationsverantwortliche beim kantonalen Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement. Die Evaluation stützte das Projekt grundsätzlich.

Die Überarbeitung dauert mindestens ein halbes Jahr. Um die vom Bund in Aussicht ge­stellte Mitfinanzierung von 80 Prozent der Kosten nicht zu gefährden, sei es «dringend und uner­lässlich, die Projektierungsarbeiten sofort weiterzuführen», so Weber. Das Projekt sei daher auch nicht vom budgetlosen Zustand betroffen. Die Realisierung der Massnahmen ist etappen­weise zwischen 2022 und 2033 vorgesehen. (std)


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