Hitzkirch ordnet Immobilien neu

STRATEGIE ⋅ Rund 24 Millionen Franken will der Gemeinderat von Hitzkirch in den nächsten Jahren in seine Infrastruktur investieren. Unter anderem ist eine Dreifachhalle geplant – nicht nur für Sportzwecke.
01. Dezember 2017, 06:45

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Ein schriftliches Dokument habe zwar nicht bestanden, sagt Gemeinderat und Ressortleiter Finanzen Daniel Eugster (SP), doch die gemeindeeigenen Immobilien sind für Hitzkirch schon länger ein Thema. Immerhin besitzt die Kommune über 100 Objekte. Diverse Gebäude sind alt und sanierungsbedürftig oder entsprechen nicht mehr den heutigen und künftigen Anforderungen. Deshalb hat sich der Gemeinderat entschieden, die Problematik mittels Immobilienstrategie aktiv anzugehen. Wobei der «Endauslöser» das im März 2015 vom Volk abgelehnte 5,7-Millionen-Schulprojekt «Aurelia» gewesen sei, sagt Eugster (wir berichteten).

Im Rahmen von vier Anlässen konnten sich Vertreter von Organisationen, Parteien, Vereinen sowie Berufs- und Interessengruppen zur Strategie äussern. An der Gemeindeversammlung vom Montag will die Exekutive über die Ergebnisse des Planungsberichts informieren.

Daraus geht hervor, dass der Gemeinderat die Neu-, An- und Umbauten sowie die Sanierungen und Abbrüche der gemeindeeigenen Immobilien für 2018 bis 2024 auf rund 23,4 Millionen Franken beziffert. Für «später» sind weitere 2,5 Millionen im Finanzplan eingestellt. Das sei ungefähr das Preisschild, erklärt Eugster. Und weiter sagt er: «Aus diversen Gesprächen haben sich vier Schwerpunkte herauskristallisiert, welche prioritär zu behandeln sind.»

Sanierung der Turnhallen macht keinen Sinn

So rechnet man beispielsweise im Jahr 2021 mit einer Mehrzweckhalle für 9 Millionen Franken. «Es gibt aber keinen Luxusbau», versichert der Ressortleiter Finanzen. «Kostenmässig befinden wir uns sogar am unteren Ende. Das haben Vergleiche gezeigt.» Für ein solches Gebäude spricht vor allem, dass nach einer Zustandsanalyse und aufgrund des zusätzlichen Raumbedarfs eine Sanierung der beiden Turnhallen auf dem Schulareal Hitzkirch keinen Sinn macht.

Die Dreifachhalle soll mit einer zusätzlichen Bühnen- und Aufführungsinfrastruktur ausgestattet werden und – neben dem Sport – die Bedürfnisse der Kultur abdecken. In diesem Zusammenhang war die Gemeinde bisher bei der Interkantonalen Polizeischule (IPH) eingemietet. Dort wird aber die Aula in drei Seminarräume umgebaut. Dadurch fallen wesentliche Nutzervorteile für die Gemeinde weg. Die Mietoption der neuen IPH-Räumlichkeiten will man beibehalten.

Sulz/Mosen: In Stand halten mit minimalem Aufwand

Zudem besteht beim Hitzkircher Bildungswesen infrastrukturmässiger Handlungsbedarf. Der Kindergarten Ermenseestrasse ist in einem schlechten Zustand. Er verfügt über knappe Platzverhältnisse und soll 2019 für 2,1 Millionen Franken durch einen Neubau mit drei Abteilungen ersetzt und erweitert werden. «Am Standort wird aus pädagogischen Gründen festgehalten», so Eugster.

Bei den Türmen des Schulhauses Passerelle drängt sich aus ökonomischer und pädagogischer Sicht ein Neubau in Kombination mit einer Sanierung des Schulhauses auf. Die Investition von 4,3 Millionen Franken ist allerdings erst für 2024 geplant. Beim Schulhaus Trottenmatt ist das Ziel des Gemeinderates, «ein schulfreundliches Raumklima und Platz für zeitgemässen Unterricht zu schaffen». Hierfür werden 1,5 Millionen Franken veranschlagt. Doch auch in den andern Ortsteilen geniesst das Bildungsangebot einen hohen Stellenwert. Deshalb soll beispielsweise das Meili-Schulhaus in Gelfingen für 1,5 Millionen erweitert werden. Die beiden Gebäude in Mosen und Sulz stehen für den Unterricht nicht mehr zur Verfügung. Dort gilt die Devise des Gemeinderates: mit minimalem Aufwand in Stand halten und weiterhin öffentlich nutzen.

Trotz Ablehnung des Projekts «Aurelia» ist man in Hitzkirch bisher mit dem Schulraum über die Runden gekommen. Dies auch, weil die Schülerzahlen nicht so angestiegen sind wie seinerzeit angenommen. Künftig rechnet Daniel Eugster wegen eines starken Wachstums und der kantonaler Vorgaben aber mit einem «gewissen Handlungsbedarf». Für den Gemeinderat ist wichtig, «genügend zeitgemässen und flexiblen Schulraum zur Verfügung zu stellen, sodass dieser auch künftige Schulkonzepte ermöglicht». Und für die Exekutive ist ebenfalls klar: Die Schulstandorte Gel­fingen, Hämikon und Hitzkirch werden weitergeführt.

Zudem will der Gemeinderat das Feuerwehrlokal Hitzkirch prioritär behandeln. Die Räumlichkeiten bedürfen einer Er­weiterung. Die Platzverhältnisse sind knapp. Und es kommt beispielsweise zwischen öffentlicher Sicherheit und Schule zu Nutzungskonflikten. «Deshalb fassen wir eine generelle Standortüberprüfung ins Auge», erklärt der Ressortleiter Finanzen.

Mit der Fusion per 1. Januar 2009 gehören auch die Dorfteile Gelfingen, Hämikon, Mosen, Müswangen, Retschwil und Sulz zur Gemeinde Hitzkirch.


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