Hochdorf erhält ein medizinisches Zentrum

GESUNDHEIT ⋅ Mit einer Gemeinschaftspraxis wollen Hausärzte, Fachärzte und weitere Spezialisten Engpässen bei der medizinischen Grundversorgung vorbeugen. Möglich ist gar der Ausbau zu einer Permanence.
07. Dezember 2017, 07:10

Hochdorf rüstet medizinisch auf. Mitte 2019 soll der Seetaler Hauptort ein Ärztezentrum bekommen. Geplant ist eine Gemeinschaftspraxis mit Haus- und Fachärzten sowie weiteren Spezialisten. Das dazu benötigte Land gehört der Stiftung Sonnmatt. Die Baugenossenschaft Bellevue wird es von ihr käuflich erwerben. Das garantiert eine langfristige Kooperation mit der neuen Ärztebetriebsgesellschaft sowie mit der Residio AG – dem Hochdorfer Alters- und Pflegeheim. Zu ihm gehören das an der Peripherie des Dorfes gelegene Haus Rosenhügel und das Haus Sonnmatt. Das Ärztezentrum wird nur unweit entfernt von Letzterem gebaut. Auf drei Etagen sind auch Wohnungen geplant.

Mit dem Zentrum schlagen die Initianten mit einer Klappe mehrere Fliegen. Davon ist der Leiter der Projektgruppe Daniel Rüttimann jedenfalls überzeugt. Der für das Ressort Soziales und Gesundheit zuständige Gemeinderat sagt: «Die Gemeinschaftspraxis deckt ein grosses Bedürfnis vieler Beteiligter ab.»

Ein beliebtes Modell für viele junge Ärzte

In den nächsten Jahren gehen in Hochdorf einige allgemein praktizierende Mediziner in Pension. Oft sei die Nachfolgeregelung für sie schwierig oder gar nicht zu lösen, erklärt Rüttimann. Deshalb entschied sich der Gemeinderat Ende 2016 auch, die künftige ärztliche Versorgung bewusst zu verfolgen. Gleichzeitig wurde Cornel Raess aktiv. Er ist Hausarzt und leitet seit rund fünf Jahren die Gemeinschaftspraxis am Lindenberg AG in Hitzkirch. Er suchte in vielen Gesprächen mit den Hochdorfer Allgemeinmedizinern nach einer Lösung. Diese drängte sich auf, weil viele Patienten, die dort keinen Hausarzt mehr finden konnten, sich in Hitzkirch meldeten. Raess wird auch die neue Betriebsgesellschaft in Hochdorf leiten, selber aber weiterhin in Hitzkirch praktizieren. Von diesem neuen medizinischen Zentrum verspricht er sich auch einen gegenseitigen Austausch – beispielsweise bei der Abdeckung von Notfalldiensten.

Raess ist überzeugt davon, dass das Projekt zum Erfolg wird. Es gebe junge Ärzte, die genau ein solches Modell suchten – nämlich selbstständig arbeiten und sich gleichzeitig finanziell an einer AG beteiligen. Die Betriebsgesellschaft der Gemeinschaftspraxis wird privatwirtschaftlich unter Leitung der mitarbeitenden Ärzte geführt, allenfalls unterstützt durch weitere Teilhaber. Raess erklärt: «Jeder, der mitmacht, kann sich beteiligen. Ein Zwang besteht jedoch nicht.» Die Aktienmehrheit obliegt aber den im Zentrum arbeitenden Ärzten.

Zieht kardiologische Praxis auch ins Zentrum ein?

Hans Frey und Gabor Kenesei haben sich als erste Hochdorfer Allgemeinmediziner entschieden, dort einzuziehen. Gespräche mit Fachspezialisten seien ebenfalls geführt worden, so Raess. Eine Option sei, dass die kardiologische Praxis Herzclinic ebenfalls ins Zentrum einzieht, sagt Projektgruppenleiter Rüttimann. Seit Juni hat sie Räume im Hochdorfer Seetal-Center bezogen. Unterstützt wird das Projekt zudem von juristischen und baulichen Fachleuten.

Die Stiftung Sonnmatt hatte das Grundstück im Jahr 2013 erworben. Im Vordergrund stand damals, für die Residio AG eine Landreserve zu schaffen. Ein konkretes Projekt sei zum Zeitpunkt des Kaufs noch nicht vorhanden gewesen, sagt Stiftungspräsident Othmar Betschart.

Mit dem Projekt soll die ärztliche Versorgung der Bewohner der Häuser Sonnmatt und Rosenhügel sichergestellt werden, aber auch die medizinische Versorgung mit Hausärzten und Spezialisten in Hochdorf und der Region erreicht werden. «Weiter wird den anstehenden baulichen Bedürfnissen der Residio AG, für teilbetreutes Wohnen Platz zu schaffen, Rechnung getragen», so Betschart. Zudem besteht die Idee für einen Notfalldienst im Sinne einer Permanence für die gesamte Region.

Dass die Baugenossenschaft Bellevue als Bauherrin auftritt, kommt nicht überraschend. Sie wollte bereits beim Sonnenpark eine Gemeinschaftspraxis initiieren. Aus politischen Gründen sei das nicht möglich gewesen, sagt deren Präsident Guido Hörndli. Das Ärztezentrum umfasst zwei Stockwerke. Im dritten und vierten Geschoss gibt es zirka 13 Alterswohnungen, die einfachen Zugang zum Dienstleistungsangebot der Residio AG haben. Zudem sollen drei Attikawohnungen entstehen. Eine Tiefgarage und etwa 15 Besucherparkplätze runden das Projekt ab. Das Bauvolumen mit Landerwerb beträgt rund 9 Millionen Franken.

 

Ernesto Piazza

ernesto.piazza

@luzernerzeitung.ch


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