Anwohner resignieren: Hundewiese wird widerwillig akzeptiert

STADT LUZERN ⋅ Das Baugesuch für die Hundefreilaufzone Tribschen – inklusive Badeplatz für Hunde – in der Stadt Luzern liegt jetzt auf. Gegner wie Befürworter haben jedoch Anpassungswünsche. Letztere haben dafür über 800 Unterschriften gesammelt.
12. Oktober 2017, 04:50

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Im Richard-Wagner-Park, angrenzend ans Strandbad Tribschen, könnten Hunde schon bald von der Leine gelassen werden. Dort ist auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern die dritte Hundefreilaufzone in der Stadt Luzern vorgesehen. Weil sich ein Teil des Areals im Bundesinventar der Landschaften und Denkmäler befindet, ist dafür ein Baugesuch notwendig. Das bedeutet, dass die Freilaufzone statt schon diesen Herbst erst im Frühling 2018 eröffnet werden kann.

Das Baugesuch ist nun bei der Stadtverwaltung eingegangen. Bauherrin ist die Stadtgärtnerei Luzern und Projektverfasser das Büro Freiraumarchitektur GmbH in Luzern, das bereits die Freilaufzone am Churchill-Quai realisiert hat. Im Wagner-Park ist folgendes geplant: Die Freilaufzone wird etwa einen Fünftel der gesamten Wiese ausmachen und zwischen der Warteggstrasse und dem Seeufer zu liegen kommen. Die Hunde erhalten somit einen eigenen Badeplatz. Der Zugang zum See erfolgt direkt ab der Freilaufzone. Im Innern gibt es einen neuen Kiesrundweg sowie Parkbänke.

Zur Ausstattung gehören zudem Wasserspender und Hundekot-Stationen. Mit Büschen, einfachen Drahtzäunen sowie einem flachen Graben wird die Freilaufzone zum übrigen Park abgegrenzt. Aus landschaftlichen Gründen verzichten die Planer auf das Anbringen von hohen Zäunen. Stattdessen bringen die Büsche und der Graben einen ökologischen Mehrwert mit sich, indem sie Raum für Tier- und Pflanzenarten bieten. Zusätzlich ist eine Aufwertung des übrigen Gebiets geplant: Am Tribschenhorn soll später eine neue Ökofläche entstehen.

Anwohner resignieren

Mit der Hundewiese erhofft sich die Stadt, dass Konflikte zwischen Hundehaltern und anderen Nutzergruppen im Gebiet Tribschen künftig verhindert werden können. Denn dieses wird von vielen als Erholungsraum genutzt – etwa von Spaziergängern, Joggern und Familien. Sämtliche Nutzungen werden laut dem Baugesuch auch weiterhin möglich sein, allerdings in klar zugeordneten Teilflächen. Ausserhalb der Hundewiese gilt für Hunde somit zwingend die Leinenpflicht.

Trotz der Bemühungen der Stadt sind jedoch sowohl Hundehalter als auch Anwohner mit dem Projekt nur bedingt zufrieden. Der Quartierverein Tribschen-Langensand sieht nun zwar sehr wahrscheinlich von einer Einsprache gegen das Projekt ab, wohl weil die Anwohner resigniert haben. Vizepräsident Heinrich Bachmann erklärt: «Es ist ziemlich aussichtslos, unser Anliegen bei der Stadt nochmals einzubringen. Unsere Bedenken wurden bisher ja auch nicht berücksichtigt.» Der Verein kritisiert insbesondere den direkten Seezugang für die Hunde von der Freilaufzone her. Die Überschneidung der Freilaufzone mit dem Uferweg hat aus Sicht des Quartiervereins viel Konfliktpotenzial mit den Spaziergängern. Ob der Verein definitiv auf eine Einsprache verzichtet, wird er bei der nächsten Vorstandssitzung entscheiden.

Hundehalter wollen Leinenpflicht lockern

Auf der anderen Seite verstummt die Kritik jedoch nicht, im Gegenteil: Der neu gegründete Verein Pro Hund Tribschen fordert von der Stadt eine liberale Haltung hinsichtlich Leinenpflicht auf Tribschen. Die Vereinsmitglieder fühlen sich in ihrer Freiheit eingeschränkt und befürchten jetzt, dass ihr Anliegen mit der geplanten Hundefreilaufzone abgetan wird. Deshalb haben sie zu diesem Thema eine Unterschriftensammlung gestartet – und vor drei Tagen 810 Unterschriften in Form eines Anliegens sowie mit einem Begleitschreiben bei Stadtpräsident Beat Züsli (SP) eingereicht. «Wir erwarten, dass die Stadt bei dieser nicht unbeträchtlichen Zahl an Unterschriften auf uns zukommt und uns bei der Diskussion bezüglich Hundehaltung einbezieht», sagt Vereinspräsident Pius Mahnig. Aus seiner Sicht deckt die geplante Hundewiese im Tribschen die Bedürfnisse der Hundehaltung nicht ab: «Erstens ist sie zu klein und zweitens längstens nicht für alle Hunde geeignet – ausgewachsene Hunde brauchen zum Beispiel mehr Platz.»

Die Hundefreilaufzone Tribschen wird wie die übrigen zwei (Churchill-Quai und Allmend) als zweijähriges Pilotprojekt geführt. Die Einsatzgruppe SIP (Sicherheit, Intervention, Prävention), die Quartierpolizei und die Stadtgärtnerei überwachen das Projekt. Nach zwei Jahren wird entschieden, ob die Zonen definitiv eingeführt werden, ob Anpassungen notwendig sind – oder ob sie wieder aufgehoben werden sollen. Laut der Stadt wurden beim Churchill-Quai und auf der Allmend bisher positive Erfahrungen gemacht. Derzeit sind in der Stadt Luzern knapp 2000 Hunde gemeldet, Tendenz steigend.

Hinweis: Das Baugesuch kann noch bis zum 25. Oktober im Luzerner Stadthaus eingesehen werden.


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