Nachgefragt

SVP-Sekretär Richard Koller: «Volksinitiative ist kein Zuckerschlecken»

Das Komitee Zafi hat am Mittwoch die nationale Initiative «Zuerst Arbeit für Inländer» lanciert. Komitee-Präsident Richard Koller im Interview.
15. Juni 2017, 20:16

Mit der Initiative soll weiteren neuen Arbeitnehmern aus dem Ausland der Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert werden, sobald die Erwerbslosigkeit in der Schweiz 3,2 Prozent übersteigt. Zum Vergleich: 2016 lag die Quote im Schnitt bei 4,8 Prozent.

Präsident des Komitees ist Richard Koller (56), Unternehmensberater aus Neudorf (Ausgabe vom 6. März). Der Sekretär der Luzerner SVP-Kantonalpartei kontert den Vorwurf, es gehe ihm bloss um Profilierung. Die SVP selber plant zusammen mit der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns), die Personenfreizügigkeit mit der EU zu kündigen.

Richard Koller, die SVP Schweiz will am 24. Juni eine Initiative gegen die Personenfreizügigkeit beschliessen. Kurz zuvor lancieren Sie eine Initiative für den Inländervorrang. Hätte man die Kräfte nicht besser gebündelt?

Unser Komitee arbeitet seit Dezember an dieser Initiative, darüber war die SVP Schweiz im Bild. Die Kantonalpartei kam später auf mich zu, weil sie einen Interessenkonflikt befürchtete, wenn die Unterschriftensammlung läuft. Doch ich sehe da kein Problem, kann die beiden Aufgaben trennen. Zudem entspricht unsere Initiative der Haltung der SVP und geht darüber hinaus. Wir wollen erreichen, dass Menschen, Schweizer und Ausländer, die die Schweiz aufgebaut haben, eine echte Chance auf einen Job haben, auch wenn diese über 40 Jahre alt sind. Das sieht die SVP-Initiative, soweit bekannt, nicht vor.

Der Luzerner SVP-Nationalrat Franz Grüter kritisiert Ihre Aktion gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Man werde Ihnen das Amt des Sekretärs entziehen, falls Sie an der Initiative festhalten.

Diese Äusserungen haben mich überrascht. Ein solcher Entscheid wäre Sache der Parteileitung, und Franz Grüter ist lediglich ein Mitglied der Parteileitung. Ich fände es sehr schade, wenn ich das Amt abgeben müsste. Vom Komitee werde ich mich aber nicht distanzieren. Bis es zu einem Gespräch kommt, engagiere ich mich weiterhin mit Herzblut für die Kantonalpartei.

Hinter Ihrem Vorgehen wittert Grüter einen Versuch der Profilierung. Zu Recht?

Als Teil eines Komitees kann ich mich gar nicht nur selber profilieren. Um Aufmerksamkeit zu erhalten, gäbe es einfachere Wege, eine Volksinitiative ist kein Zuckerschlecken.

Bis Dezember 2018 müssen Sie die 100'000 Unterschriften zusammenhaben. Wie gut stehen Ihre Chancen?

Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen. Der Verband «Avenir 50 plus» hat uns die Unterstützung bereits zugesichert. Die Initiative ist eine Initiative von Bürgern für alle Bürger der Schweiz. Dies wird sich medial am Ende durchsetzen und dann auch von den Bürgern getragen werden.

(fi)

Video: Neue Initiative verlangt strikten Inländervorrang

«Zuerst Arbeit für Inländer» oder kurz «ZAFI» heisst eine am Mittwoch in Bern vorgestellte Initiative, die einen radikalen Inländervorrang bei der Besetzung von Stellen verlangt. Die Initianten aus den Reihen der SVP agieren ohne den Segen der Parteileitung. Sie haben nun 18 Monate Zeit, die nötigen 100'000 Unterschriften zu sammeln. (Stefan Lanz / SDA, 14.06.2017)

Video: Initiant könnte als SVP-Angestellter ein Problem kriegen

Richard Koller, der Mann hinter der am Mittwoch lancierten Initiative «Zuerst Arbeit für Inländer», ist gleichzeitig Parteisekretär der kantonalen Luzerner SVP. Das sei ein Interessenskonflikt, sagte Franz Grüter. Der Nationalrat präsidierte bis vor kurzem selbst die Kantonalpartei. Richard Koller muss sich seiner Meinung nach entscheiden: Hält er an der Initiative fest, muss er seinen Job bei der Partei abgeben. Koller verneint, dass es einen Konflikt gibt.» (Stefan Lanz / SDA, 14.06.2017)




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