Dem Hirsmändigsbote entgeht nichts

FLÜHLI ⋅ Der Hirsmändigsbote deckt schonungslos auf, was übers Jahr passiert ist. Nach den frechen Versen folgt die Versöhnung.
13. Februar 2018, 05:00

Monika van de Giessen

kanton@luzernerzeitung.ch

In der Entlebucher Gemeinde Flühli wird statt dem Güdismontag der Hirsmändig gefeiert und auf traditionelle Weise begangen. Hauptfigur an diesem Tag ist der Hirsmändigsbote. Punkt 11 Uhr, begleitet von Böllerschüssen, reitet der Bote, heuer zum fünften Mal FDP-Kantonsrat Guido Bucher – mit Gefolge auf dem Dorfplatz ein. Den Hirsmändigbrief, den der Bote verliest, stichelt gegen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft und posaunt lustige Dorfgeschichten heraus, die nie jemand hätte erfahren sollen. Dabei entgeht dem Boten gar nichts. Privatpersonen, Gemeinderäte, Kantons-, Regierungs- und Bundesräte, gestern sogar Donald Trump und Kim Jong-un – niemand wird verschont. Alle bekommen ihr Fett ab. In unzähligen Stunden dichtet der Bote träfe Sprüche. Jeder der 700 Anwesenden hofft, dass er/sie nicht auf die Schippe genommen wird. Damit all das, was der Hirsmändigbote herausposaunt, niemandem im Hals stecken bleibt, folgt nach dem Verlesen des Briefes der Versöhnungstrunk.

Ältester Luzerner Fasnachtsbrauch

An diesem speziellen Tag gibt es aber auch andere Besonderheiten: So gibt die Gemeindepräsidentin, Sabine Wermelinger, die Herrschaft über die Gemeinde Flühli jeweils für einen Tag in die Hände der Hirsmändigs-Gesellschaft. Der Hirsmändig im Entlebuch ist der wohl älteste Luzerner Fasnachtsbrauch und geht auf die Schlacht bei Buttisholz Ende des 14. Jahrhunderts zurück. Die Entlebucher besiegten damals die Gugler (englische Söldner). Der Tradition folgend, wird der Hirsmändigbrief noch heute nach altüberliefertem Muster in Knitterversen geschrieben. Am Nachmittag unterhielten Botschafter aus anderen Entlebucher Gemeinden die Anwesenden mit flotten Sprüchen.


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