In Luzern brodelt's am Wochenende in den Kochtöpfen aus aller Welt

STREETFOOD ⋅ Am Streetfood-Festival kann man bis Sonntag eine kulinarische Reise rund um den Globus unternehmen. Was als kleines eintägiges Festival begann, lockt heute schweizweit mehr als 350'000 Besucher an.
Aktualisiert: 
13.04.2018, 20:00
13. April 2018, 09:59

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Den Grill im Garten muss man an diesem Wochenende nicht unbedingt einheizen. In Luzern lauern von Freitag bis Sonntag am Streetfood-Festival zahlreiche kulinarische Versuchungen. Auf dem gedeckten Aussenfeld des Eiszentrums kochen und kreieren Anbieter aus aller Welt an rund 50 Ständen Spezialitäten, die teilweise exotisch anmuten. Die Idee ist, dass die Leute Neues entdecken und lernen, wie die Veranstalter mitteilen.

Das Festival wird heuer zum 4. Mal in Luzern durchgeführt. Die Stände sind begehrt. Laut Mitveranstalter Rolf Arnet haben sich für die 50 Plätze in Luzern rund 300 Bewerber interessiert. An sämtlichen 14 Festivals, die dieses Jahr in der Schweiz stattfinden, sind die Stände bereits ausgebucht.

Nicht nur die Nachfrage der Anbieter ist gross. Auch das Interesse der hungrigen Leute ist jeweils gewaltig. Im letzten Jahr verzeichneten die Streetfood Festivals in der ganzen Schweiz rund 350'000 Besucherinnen und Besucher.

Der Eintritt ans Festival ist frei. Die Veranstalter empfehlen, den Anlass mit dem öffentlichen Verkehr zu besuchen. Das Festival dauert drei Tage. 

Rolf Arnet, die Organisatoren betonen, Imbiss sei kein Streetfood. Was denn sonst?

Streetfood muss für unsere Ansprüche frisch zubereitet werden und aus nachhaltiger Produktion stammen. Wer billiges Fastfood sucht, wird bei uns nicht fündig.

Hamburger gibt es am Streetfood-Festival aber schon?

Ja sicher. Man wird als Gast dabei vielleicht erleben, dass der Burger frisch gewürzt und geklopft wird. Was bedeutet, dass man  sich Zeit nehmen muss, dafür aber Qualität bekommt, die es im Fastfood-Bereich in der Regel so  nicht gibt.

Was bedeutet, dass man dafür auch mehr bezahlen muss?

Jeder Stand muss zwingend von seinen Hauptmenüs eine Probierportion für zirka 5 bis 7 Franken anbieten. Ziel ist auch, dass die Menüs nicht allzu üppig ausfallen, damit die Besucher mehrere Mahlzeiten essen können. Die Essen sollten für bis maximal 13 Franken angeboten werden. Die Lebensmittel, die nicht verwertet werden, spenden wir übrigens der Organisation «Tischlein deck dich». Das Essen wird an Bedürftige verteilt, es wird nichts verschwendet.

Die Stände sind begehrt. Sie teilten im Vorfeld mit, dass auf 50 Stände über 300 Bewerbungen eingingen. Nach welchen Kriterien werden die Anbieter ausgewählt?

In erste Linie werden nur natürliche Lebensmittel eingesetzt. Geschmacksverstärker sind verpönt. So kann man überspitzt sagen, dass der Hamburger-Anbieter weiss, was das Rindli gegessen hat. Dann wollen wir wie erwähnt keine Imbissstände, wie man sie fast an jeder Ecke antrifft, sondern Vielfältigkeit anbieten. Also möglichst ausgewogene Kost aus verschiedenen Ländern und mit entsprechenden Auftritten. So sollen neben Zelten, auch Food-Trucks, Anhänger und immer wieder neue Entdeckungen vorzufinden sein.

In Luzern hat man beim Thema Essstände zuweilen innovative Ideen. So war vor einigen Jahren angedacht, die begrenzten Marronistände im Losverfahren zu vergeben. Wäre das auch ein Ansatz?

Eher nicht. Es gibt viele Bewerber, die unsere Anforderungen nicht erfüllen. Zu Beginn hat sich wirklich beinahe jeder, der einen Imbissstand betreibt, beworben.

Hat man einen Stand im kommenden Jahr auf sicher, wenn man sich als Standbetreiber dieses Jahr bewährt?

Nein, das hat man nicht. Es wird jedes Jahr ein neues Auswahlverfahren vollzogen. Die Entwicklung im Foodbereich geht rasend schnell voran.

Wenn das Interesse derart gross ist, drängt sich eine Expansion fast auf. Wird das Streetfood-Festival in weiteren Städten Einzug halten – und ist es in Luzern denkbar, dass es künftig auf einer grösseren Fläche durchgeführt wird, etwa auf der Allmend? 

Die Festivals sind von der Grösse her jedes Jahr gleich. Es ist nicht unser Ziel, in noch mehr Städten ein Festival anzubieten. Die Qualität ist uns wichtiger.

Sie sind gut gestartet und erleben einen grossen Publikumsaufmarsch. Hat sich die Sache von Anfang an gerechnet?

Die Festivals sind über alles betrachtet rentabel. Man muss aber genau kalkulieren, da vor allem das Wetter einen grossen Einfluss hat. Ohne die Unterstützung unserer ausgewählten Sponsoren, wäre es aber nicht möglich.

Luzern ist die erste Deutschschweizer Stadt, in der das Festival heuer durchgeführt wird. Wie sehr unterscheiden sich die Besucher und das Angebot in den Regionen?

Interessant ist, dass es nicht viele Abweichungen gibt. Man spürt aber, dass Luzern eine Gastrostadt ist, mit interessierten Leuten, die bei der ersten Austragung sofort offen für das Streetfood-Festival waren und sich gerne mit Neuem auseinander setzen. 

Woher kommt die Idee?

Wir Organisatoren haben bei unseren Auslandaufenthalten viele verschiedene Esskulturen erlebt. Faszinierend ist immer wieder, wie verschieden die Spezialitäten präsentiert werden. Wir haben uns mit der Marktgastronomie nach der Markthalle neun in Berlin orientiert und haben uns entschlossen, das Konzept im Ansatz in die Schweiz zu bringen. 2015 organisierten wir das erste Streetfood-Festival in Olten.

Wie lief es?

Wir begannen mit einem eintägigen Anlass und rechneten im Vorfeld mit 12 bis 15 Ständen. Es ergab sich aber, dass sich 30 Betreiber anmeldeten. Nach einer Stunde waren über 3000 Besucher auf dem Platz, da wussten wir, dass ein Bedürfnis besteht.

Hinweis
Das Street-Food-Festival ist wie folgt geöffnet:

Freitag von 17.30 bis 24 Uhr,
Samstag 11.30 bis 24 Uhr,
Sonntag 11.30 bis 20 Uhr.
Streetfood Festival, Eisfeldstrasse 2, 6005 Luzern.
Weitere Infos: 
http://streetfood-festivals.ch/luzern/

  • Voller Einsatz am Stand von The Jungle Kitchen (© Boris Bürgisser)
  • Rose Ruesch schöpft eine Gemüsespezialität (© Boris Bürgisser)
  • Am Stand von Virginia Fischer gibt es Fajitas. (© Boris Bürgisser)

Am Streetfood-Festival kann man bis Sonntag eine kulinarische Reise rund um den Globus unternehmen. Was als kleines eintägiges Festival begann, lockt heute schweizweit mehr als 350'000 Besucher an.


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