Investoren befürchten einen Totalverlust

LUZERN ⋅ Rund 60 Anleger haben in die Firma des Luzerners Marcel Amann knapp zwei Millionen Franken investiert. Jetzt befürchten sie, dass sie ihr Geld verlieren. Amann hingegen ist überzeugt, das Ruder noch rechtzeitig herumreissen zu können.
18. Juni 2017, 08:56

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Das Sakko sitzt perfekt. Mit seinen hellen blauen Augen tastet er sein Gegenüber konzentriert ab. Wer Marcel Amann zum ersten Mal begegnet, kommt kaum darum herum, diesem Mann Respekt zu zollen. Sein Auftreten, gepaart mit druckreif formu­lierten Sätzen, machen aus ihm vermutlich jenen begnadeten «Netzwerker», als den ihn einer beschreibt, der Marcel Amann schon länger kennt.

Amann ist 1979 geboren und aufgewachsen in der lieblichen Landschaft der Schwäbischen Alb. Er liess sich nach der Schule in Tübingen zum physikalisch/technischen Assistenten ausbilden. Danach, so erzählt er, sei er nach Bremen gezogen, um dort Luft- und Raumfahrt zu studieren. Einen Abschluss könne er aber heute keinen vorlegen. Denn nach sechs Semestern beendete Amann seine Studien in Sachen Luft- und Raumfahrt.

Seit einigen Jahren nun lebt und arbeitet Amann in Luzern. An guter Adresse, nämlich im Littauerboden 1, sind seine Firmen domiziliert. Dabei ist sicher die «m AG Holding Ventures» zu erwähnen, in der Amann als einziger Verwaltungsrat verantwortlich zeichnet. Die «m AG» weist ein Aktienkapital von 200 000 Franken aus. Dieses Kapital ist gestückelt in 20 Millionen Wertpapiere, die folglich einen Nennwert von einem Rappen haben.

Diese Titel verkaufte Amann anfänglich für 15 Rappen, zu guter Letzt gingen die Papiere für 1.36 Euro über den Tisch. Das entspricht somit mehr als dem 140-Fachen des Nominalwertes.

Hier noch ein kurzer Einschub: Die «m AG» investiert das durch den Aktienverkauf generierte Geld – total knapp zwei Millionen Franken – laut Amann in vier Unternehmen. Das sind demnach die KeDOTS AG, die w3alpha AG und die Insta Holding AG, die wie erwähnt allesamt in Littau angesiedelt sind. Dazu kommt ein in England ansässiges Unternehmen, die Firma Horse Scout Ltd. Die grössten Hoffnungen setzt Amann derzeit in die Insta Holding, die gemäss Amann ein System auf den Markt bringen wird, das es dem User erlaubt, sich sicher und passwortfrei in seinen Computer einzuloggen. Der 38-Jährige erwartet, bereits in der zweiten Jahreshälfte 2017 bei der Insta die ersten zahlenden Kunden präsentieren zu können. Konkrete Umsatzerwartungen nennt Amann keine.

Generalversammlung wurde verschoben

Demnach kann der Unternehmer die Ängste seiner Investoren, im grossen Stil Geld zu verlieren, nur bedingt nachvollziehen. Er sagt: «Der Venture-Capital-Markt birgt immer Risiken. Aber wenn nur eine der vier Firmen reüssiert, werden die Anleger zumindest ihr investiertes Kapital wieder zurückerhalten.»

Seitens von Amann gabs Ende letzter Woche beunruhigende Nachrichten an die Geldgeber. Denn die meist deutschen Anleger wurden per Mail dahingehend unterrichtet, dass die auf den vergangenen Mittwoch angesetzte Generalversammlung GV sistiert wird. Und zwar aus gesundheitlichen Gründen. Marcel Amann kämpft derzeit mit «Magen-Darm-Problemen», wie er sagt. Er verzichtete auch während des Gespräches mit dem Reporter der «Zentralschweiz am Sonntag» auf jeglichen Konsum von Getränken oder gar festen Nahrungsmitteln. Amann prophezeit: «Die GV wird stattfinden, und zwar höchstwahrscheinlich im Juli.» An diesem Termin wird der Unternehmer seinen Anlegern dann auch erklären, weshalb die «m AG» im ersten Betriebsjahr einen Reinverlust von 155 548.25 Franken eingefahren hat.

Seit Ende März führt Amann sein Firmenkonglomerat mehr oder weniger im Alleingang, unterstützt einzig von mehreren Freelancern. Der Patron musste sich vor rund zweieinhalb Monaten schweren Herzens von seinen letzten Festangestellten trennen. Amann beschäftigte einst bis zu acht Personen.

Wer sich mit dem gebürtigen Deutschen unterhält, spürt die Kraft und die Vitalität, die von ihm ausgeht. Amann scheint ein Kämpfer zu sein. Diese Eigenschaft half ihm auch über einen schweren Schicksalsschlag hinweg. Denn Ende August 2016 war Amann in einen fürchterlichen Autounfall in Fischbach (DE) verwickelt. Der Crash fand auch Eingang in der «Schwäbischen Zeitung». «Luxuskarosse rammt Sattelzug»: So lautete der Titel über der Nachricht, in der auch nachzulesen ist, dass Amann beim Unfall schwer verletzt wurde. Er kämpft seither nach eigenen Angaben noch immer mit den Folgen dieses Unfalles.


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