IV-Renten werden fairer berechnet

ÄNDERUNG ⋅ Wer Teilzeit arbeitet, ist bisher bei der Berechnung der IV-Rente benachteiligt worden – die Formel wurde nun angepasst. Das wird nicht nur zu höheren Renten führen, sondern auch zu mehr Bezügern.
08. Januar 2018, 05:00

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Per 1. Januar wurde in der Schweiz die Berechnung von Renten der Invalidenversicherung (IV) bei Teilerwerbstätigen angepasst. Neu werden zur Festlegung des Invaliditätsgrades gesundheitliche Einschränkungen bei der Erwerbstätigkeit und im Aufgabenbereich, etwa im Haushalt, gleich stark bewertet (siehe Kasten). Betroffen sind Personen, die einer Teilerwerbstätigkeit nachgehen. Oft sind dies Frauen, die sich ausserdem um Haushalt und Kinder kümmern. Ihre Renten werden künftig höher ausfallen.

Laut Auskunft der IV-Stelle Luzern erhalten im Kanton heute 320 teilerwerbstätige Personen eine Teilrente auf Basis der sogenannten gemischten Methode. Bei ihnen wird die Rente automatisch – von Amtes wegen – neu berechnet. Allerdings sind Teilerwerbstätige, die bisher keine Rente erhielten, weil ihnen ein IV-Grad von weniger als 40 Prozent zugesprochen wurde, angehalten, selbst aktiv zu werden. Denn: Durch die Änderungen ist es durchaus möglich, dass Renten für Personen gesprochen werden, die bisher keinen gesetz­lichen Anspruch darauf hatten. Martina Bosshart von Pro Infirmis Luzern, Ob- und Nidwalden erklärt: «Ein allfälliger Rentenanspruch entsteht frühestens sechs Monate nach einer Wiederanmeldung. Deshalb lohnt es sich, möglichst bald aktiv zu werden und sich bei der IV-Stelle zu melden.»

Ein Beispiel: Frau M. arbeitet 50 Prozent – mehr darf sie laut medizinischem Gutachten auch nicht arbeiten. Abklärungen vor Ort ergaben zudem, dass sie bei den Aufgaben im Haushalt aus gesundheitlichen Gründen eine Einschränkung von 30 Prozent aufweist. Laut alter Formel hatte sie im Bereich Arbeit aber keine Erwerbseinbusse, also einen IV-Grad von 0 Prozent. Verrechnet ergab sich eine Gesamtinvalidität von 15 Prozent – zu wenig, um Rente zu beanspruchen. Neu gilt aber, weil Frau M. nur 50 Prozent arbeitsfähig ist, dass ihr in diesem Bereich ein IV-Grad von 50 Prozent angerechnet wird. Die neue Mischrechnung lautet also: 50 Prozent Einschränkung im Erwerbsleben, 30 Prozent IV-Grad im Bereich Aufgaben. Weil beide Aufgaben den Umfang eines 50- Prozent-Pensums haben, werden sie je hälftig gewichtet. Daraus resultiert eine Gesamtinvalidität von 40 Prozent. Frau M. hat neu Anspruch auf eine Rente.

Zusätzliche Kosten sind schwer abschätzbar

Mehr und höhere Renten bedeuten für die IV-Stellen auch höhere Ausgaben. Um wie viel höher die Kosten für die IV-Stelle Luzern ausfallen, kann deren Direktor, Donald Locher, nicht genau beziffern: «IV-Renten für Teilerwerbstätige werden durch uns frankenmässig nicht erhoben. Die Renten werden durch verschiedene kantonale Ausgleichskassen und Verbands-Ausgleichskassen inner- und ausserhalb des Kantons ausbezahlt.» Zudem sei noch nicht absehbar, wie viele zusätzliche Rentenempfänger durch die Neuberechnung zu den bisherigen rund 320 hinzukommen würden. Der Bund rechnet schweizweit mit Mehrkosten für die IV von rund 35 Millionen Franken pro Jahr – allerdings gibt es auch hier keine Prognose, wie hoch zusätzliche Kosten sind, die durch Bezüger entstehen, die zuvor nicht anspruchsberechtigt waren.

Hinweis

Für Personen, die ihren Rentenanspruch neu berechnen oder Hilfe beim Ausfüllen des IV-Formulars möchten, bietet Pro Infirmis Luzern, Ob- und Nidwalden unter Telefon 058 775 12 12 kostenlose Beratungen an.


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