Jäger nehmen Hirschkälber verstärkt ins Visier

LUZERN ⋅ Immer mehr Rotwild streift durch die Luzerner Wälder, in einigen Gebieten ist inzwischen die Grenze des Bestandes erreicht. Deshalb hat der Kanton nun zusätzliche Jagdtage verordnet.
15. September 2017, 06:40

Der Hirschbestand im Kanton Luzern wächst und wächst. Die Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) hat deshalb für die aktuelle Saison die angestrebte Zahl der zu bejagenden Tiere auf 130 erhöht (Vorjahr: 120). Gab es 2016 in Luzern geschätzt 350 Hirsche, geht man bei Jägern und dem Kanton von einem Frühjahrsbestand 2017 von 375 Tieren aus. Darunter etwa 125 Kälber, wie Peter Ulmann, Leiter der Abteilung Natur, Jagd und Fischerei, erklärt. Diese Kälber dürfen nun zusätzlich in der laufenden Woche bejagt werden – was in den Jagdbetriebsvorschriften bisher nicht geplant war.

Die ursprünglich bewilligte Bejagung der Kälber dauert vom 2. Oktober bis zum 15. Dezember. «Für die Erweiterung der Bejagbarkeit haben wir uns nach der monatlichen Zwischenbilanz entschlossen», so Ulmann. Sie sei in Absprache mit allen Interessengruppen zu Jagd, Wald- und Landwirtschaft sowie Naturschutz passiert.

Im Entlebuch und am Pilatus ist «Obergrenze erreicht»

Dass es zu Anpassungen bei der Bejagung kommt, sei nicht aussergewöhnlich. Im Umgang mit neuen Wildarten, wie dem Hirsch, der sich seit 20 Jahren immer mehr verbreitet, lerne man stetig hinzu, so Ulmann. Bei der Berechnung des Jagdkontingents gehe es jeweils darum, den Bestand so zu mindern, «dass die Schäden an Wald und landwirtschaftlichen Kulturen auf einem tragbaren Niveau sind». Vereinfacht gesagt sei «in verschiedenen Gebieten im Entlebuch, am Pilatus oder an der Rigi die Obergrenze des Hirschbestandes erreicht». Andernorts, etwa an der Ausbreitungsfront im Napfgebiet und im ganzen Luzerner Mittelland erfolge jetzt die Erstbesiedelung. Beim Lawa geht man davon aus, dass dereinst bis zu 1000 Hirsche im Kanton Luzern leben könnten.

Wildschäden sind aber schon heute ein Thema. Hirsche können etwa landwirtschaftlichen Nutzflächen erheblichen Schaden zufügen. Gerade zu Beginn des Frühlings, wenn ganze Rudel in tiefere Lagen kommen und grosse Flächen kahl fressen. Aber auch der Einfluss der Hirsche auf die Waldverjüngung sei spürbar – zusätzlich zu Rehen und Gämsen. Das ist etwa in den Gebieten der Rigi, des Pilatus und bis in die Wälder des Jagdbanngebiets Tannhorn der Fall. Herausfordernd sei der Wildlebensraum Rigi: «Die Schutzwälder, insbesondere auf der Schwyzer Seite, erfordern eine sehr intensive Beobachtung der Wildbestände.» Deshalb gäbe es ein interkantonales Wald-Wild-Projekt der Kantone Schwyz und Luzern, «sowie eine gemeinsame Planung der jagdlichen, forstlichen und flankierenden Massnahmen». Ulmann betont aber auch: «Einflüsse des Wildes auf den Wald sind nicht per se als Wildschaden zu werten.» Schliesslich sei der Wald in erster Linie auch Lebensraum und Nahrungsgrundlage der Wildtiere. Erst wenn die Einflüsse nicht mehr tragbar seien, würden sie zum Schaden. Etwa wenn durch Verbiss – an Jungpflanzen – und Verschälung – Schäden an der Rinde – zu wenig Wald nachwachsen kann.

Zu wenig Hirschkühe auf der Strecke

Der aktuelle Stand der Jagdstrecke ist laut Ulmann gut – auch im Vergleich zum Vorjahr. «Mit 60 Tieren bis Ende August sind wir quantitativ voll auf Kurs.» Gestartet ist die Rotwildjagd inklusive ausgewachsener Hirsche Anfang August – und sie dauert mit Ausnahme einer Brunftruhe von zehn Tagen noch bis Mitte Dezember.

Das quantitative Jagdziel sei aber nur eine Seite der Medaille, so Ulmann. «Angestrebt wird bei der Bejagung auch ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis.» Und: «Der Anteil der Jungtiere soll etwa 30 Prozent betragen.» In puncto Geschlechterverhältnis bestehe noch Korrekturbedarf. «Es sind zu wenig weibliche Tiere auf der Strecke.»

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch


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